Marco W – 247 Tage im türkischen Knast – Die Story
Was Jugendliche zukünftig in der Türkei spätestens seit Marco Weiss über Sex wissen sollten. Ein dubioser Fall, eine obskure Verurteilung und das mediale Schlachtfest. Der 1990 in Uelzen geborene Marco Weiss, Azubi und Autor der Bio „Meine 247 tage im türkischen knast wurde im Sommer 2007 wurde im Sommer 2007 in der Türkei wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs eines Kindes in Untersuchungshaft genommen. Ihm wurde vorgeworfen, ein 13jähriges englisches Mädchen zu sexuellen Handlungen genötigt zu haben. Die Inhaftierung führte zu einem voyeuristischen Medienrummel in der deutschen und türkischen Presse und zu politischen Dissonanzen. Es sollte ein entspannter Urlaub an der türkischen Riviera für Marco W. und seine Eltern werden. Am letzten Tag geschieht die Katastrophe: Der Junge wird verhaftet weil er die ebenfalls minderjährige Engländerin Carolina auf einer Party vergewaltigt haben soll. Acht Monate verbringt Marco W. im türkischen Gefängnis unter menschenunwürdigen Bedingungen: Zusammengepfercht mit 30 erwachsenen Häftlingen – behandelt wie ein Schwerstkrimineller. Ralf und Martina W. setzen alle Hebel in Bewegung, um ihrem Sohn zu helfen. Ein neuer Anwalt, Gutachter und die deutsche Öffentlichkeit sollen beistand leisten. Doch Marco wird in der Türkei immer wieder vor Gericht gezerrt, ohne nennenswerte Resultate. Türkische Richter und der Staatsanwalt glauben offensichtlich nicht an die Unschuld des deutschen Teenagers. Grund genug für Sat1, eine herzergreifende und dramatische Filmstory mit „Superstar“ Veronica Ferres und Herbert Knaup als verzweifelten Vater in den Äther zu schicken. Der typisch teutonisch inszenierte Fernsehfilm erreichte bei seiner Erstausstrahlung mit 2,51 Millionen der 14- bis 49-jährigen Zuschauern und 20,3 Prozent Marktanteil den Primetime-Sieg. Beim Gesamtpublikum wurden im Durchschnitt 4,88 Millionen Zuschauer gezählt, der Marktanteil lag bei 15,8%. Gedreht wurde die Spielfilm-Doku 2010 auf Malta, um türkisches Ambiente zu visualisieren. Der Fokus liegt dabei auf die zu Tode boulevardisierten Befindlichkeiten des sozialen Umfeldes während der Inhaftierung. Um dem ganzen einen hauch von Authentizität zu verleihen, wurden ebenso Nahestehende aus dem Umfeld der englischen Jugendlichen interviewt. Die Familie von Charlotte wollte sich indes zu den Vorkommnissen nicht äußern. Die erbärmliche und scheinheilige Schlammschlacht geht in die nächste Runde: Nach der Ausstrahlung empörte man sich erwartungsgemäß über den Tenor des nun auf DVD erschienen Dramas. Das türkische Boulevard-Massenblatt tönte “Hürriyet” vom “Marco-Schock”. Darüber hinaus hatten mehrere Zeitungen berichtet, dass der Film an das grandiose Gefängnisdrama “Midnight Express” (“12 Uhr nachts”) aus dem Jahr 1978 erinnere, für den sich die Macher später entschuldigt hätten. Wäre nicht nötig gewesen, das „Vorbild mit Brad Davis als eingekerkerter Drogendealer im Hauptpart war sowieso wesentlich dramatischer und authentischer.
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