Mitte Ende August – Drama
Hanna und Thomas haben ein Häuschen erstanden und renovieren es. Ihre Zweisamkeit wird unterbrochen, als zunächst Thomas’ gescheiterter Bruder Friedrich und dann die Tochter von Hannas bester Freundin zu Besuch kommen. Schon bald ziehen Gewitterwolken auf. Intensives Beziehungsdrama.
Auch in Sebastian Schippers („Absolute Giganten“) letztem Film „Ein Freund von mir“ ging es um Antagonistenpaare – doch im Gegensatz zu jenem arg konstruierten Werk mit Daniel Brühl und Jürgen Vogel als ungleichem Freundespaar gelingt dem Filmemacher hier die emotionale Anbindung des Zuschauers wieder ungleich besser. Zwar wundert man sich auch hier über so manche Entwicklung, die nicht unbedingt immer zwingend logisch abläuft und mitunter der dramatischen Zuspitzung geschuldet scheint. Doch alles in allem ist „Mitte Ende August“ ein realitätsnahes Porträt eines jungen Paares kurz vorm „Sesshaftwerden“, das durch die Ankunft einiger „Dritter“ in ihrer emotionalen Bindung und ihrer Zuneigung auf die Probe gestellt wird. Motive dieser Figurenkonstellationen sind genau 200 Jahre alt, weil sich Sebastian Schipper Inspiration in Johann Wolfgang von Goethes „Wahlverwandtschaften“ geholt hat. Aber es gehört ebenfalls mit zu seinen Verdiensten, dass man dem Film diesen klassischen Ursprung nicht anmerkt und die Geschichte sich weitgehend wie dem echten Leben abgeschaut anfühlt und auch in den Dialogen fast schon improvisiert-natürlich wirkt.
Als die berufliche und private Talfahrt von Thomas’ Bruder Friedrich schon nahe zu legen beginnt, dass dieser für ein paar Tage in das frisch erstandene Haus miteinzieht, macht Hanna bereits deutlich, dass sie von dieser Lösung nicht allzu viel hält. Zu groß ist ihre Abneigung Friedrich gegenüber. Aus Liebe zu Thomas stimmt sie schließlich doch zu, nur um kurz darauf Augustine in das Haus einzuladen. Sie sucht eine Verbündete, möchte auch ihren eigenen Willen demonstrativ durchsetzen und die unschöne Dreierkonstellation aufbrechen. Doch auch Augustine bringt neue Probleme mit sich. Nicht nur das Eindringen in eine harmonisch wirkende Zweierbeziehung erinnert den Zuschauer hier an den unlängst gelaufenen Sommer-Beziehungsfilm „Alle anderen“ von Maren Ade. Auch in der Art der Inszenierung und Schauspielerführung lassen sich so manche Parallelen ausmachen. Man wird Zeuge einer ganzen Reihe sehr alltäglicher Verrichtungen und Dialoge, wähnt sich ein Stückweit als Gast einer Familienzusammenkunft, bei der man die Mitglieder erst anhand ihrer Verhaltensweisen und Dialoge kennen lernen muss. Und doch strahlt diese Normalität, dieses vermeintlich Profane und Gewöhnliche in jener dramatisierten und verdichteten Form etwas Faszinierendes aus. Ein Großteil dieser Faszination geht in diesem Fall unzweifelhaft von den exzellent ausgewählten Darstellern aus, die mit ihrem großartigen Spiel das Interesse nicht abreißen lassen. (4/6)
D 2008. Regie und Buch: Sebastian Schipper. Musik: Vic Chesnutt. Kamera: Frank Blau. Schnitt: Horst Reiter. Produktion: Film1 Produktion, NDR, arte. Mit: Marie Bäumer, Milan Peschel, André Hennicke, Anna Brüggemann, Agnese Zeltina, Gert Voss. Senator. 93 Min. Ab 30.07.2009 im Kino.
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