Patrik 1,5 – Drama
Die rechtliche Situation von Homosexuellen hat sich in den vergangenen zehn Jahren in vielen westlichen Ländern grundlegend gewandelt. Vielerorts ist es nun möglich, eine Verpartnerung vor dem Gesetz einzugehen, die den heterosexuellen Ehen mal mehr, mal weniger gleichgestellt ist. Wesentlich problematischer wird es da schon, wenn man sich als schwules oder lesbisches Paar darum bemüht, ein Kind zu adoptieren. Gerade mal in sechs Staaten weltweit ist dies bislang möglich: in Dänemark, Island, Schweden, Südafrika, Großbritannien und den Niederlanden. „Patrik 1,5“ beschäftigt sich mit diesem Thema und zeigt anhand des Beispiels Schweden auf, dass solch eine Adoption selbst in einem der sechs fortschrittlichen Länder nicht ohne Probleme ablaufen muss.
Göran (knuffiger Schwiegermutterliebling: Gustaf Skarsgård) und Sven (herber Sonnyboy: Torkel Petersson) sind ein schwules Traumpaar: verheiratet, gut situiert, gerade ins gemeinsame Traumhaus eingezogen. Nun fehlt ihnen nur noch ein Kind zum Glück. Als ihnen vom Sozialamt endlich die Adoption des anderthalbjährigen Patrik zugesichert wird, ist die Freude groß. Doch am vereinbarten Tag steht der 15jährige Patrik (charmanter Blondschopf: Tom Ljungman) in ihrer Tür: ein falsch gesetztes Komma hat beim Alter zu der Verwechslung geführt. Dieser Patrik ist ein schwer erziehbarer Kleinkrimineller, der fast sein ganzes Leben in Heimen zugebracht hat, und sich weigert, bei den „Schwuchteln“ zu bleiben. Die fürchten aufgrund seiner kriminellen Vorgeschichte um ihr leibliches Wohl und wollen den Teenager so schnell wie möglich gegen das ersehnte Baby austauschen.
Auf charmante Weise schildert die Regisseurin Ella Lemhagen in ihrer Verfilmung eines Bühnenstücks die Tücken und Fallstricke einer gleichgeschlechtlichen Adoption. Der Alltag im spießigen schwedischen Vorort kommt dabei genauso überzeugend rüber wie die Verhaltensweisen der Beteiligten. Zwischen Göran und Sven brechen alte Konflikte wieder auf, die schließlich sogar zur Trennung führen, während sich Sven mit seinem unfreiwilligen Ziehsohn zunehmend zu arrangieren beginnt. So manche der Storyentwicklungen mögen dabei ein wenig zu vorhersehbar sein, doch der dezente Witz, die gut gelaunten und überzeugenden Darsteller und die ansprechende Inszenierung zwischen Alltagsrealität und quietschbunt überzeichnetem Kitsch können durchweg für diesen sympathischen Film einnehmen.
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