Private
Die absurdesten Geschichten schreibt noch immer das Leben selbst. Genauso wie der staatenlos gewordene Reisende, der seit Jahren auf dem Pariser Flughafen im Niemandsland festsitzt und Hollywoodregisseur Steven Spielberg das Vorbild für dessen Romanze Terminal lieferte, beruht auch Private auf tatsächlichen Begebenheiten. Mohammed lebt mit seiner siebenköpfigen Familie in israelisch besetzten Gebieten Palästinas. Als die israelische Armee schließlich bis in sein Haus vordringt und die Familie zu Gefangenen im eigenen Haus macht, weigert sich Mohammed standhaft, sein Hab und Gut im Stich zu lassen. Er ist der intelligente, von seinen Ansichten überzeugte Familienvater, der für seine Prinzipien steht, aber auch keinen Sinn im gewalttätigen Widerstand sieht. Mit seiner besonnen Art gelingt es ihm, seine verängstigte Ehefrau und die kleinen Kinder zu trösten und ihnen Kraft zu spenden, im gleichen Atemzug aber auch, die beiden ältesten Kinder von ihrem radikalen Widerstandswillen abzubringen.
Regisseur Saverio Costanzo merkt man seinen Ursprung beim Dokumentarfilm auch in diesem Langspielfilmdebüt an. Viele der Szenen strahlen durch ihre grobkörnige Auflösung, die aufgrund natürlicher Lichtquellen und digitaler Aufnahmetechnik entstand, eine realitätsnahe Intensität aus. Von der israelisch-palästinensischen Problematik erfährt man in Private nur das allernötigste; wie der Titel schon verrät, konzentrieren sich die Drehbuchautoren in ihrer Handlung auf das individuelle, persönliche Erleben der Extremsituation innerhalb einer penetrierten Privatsphäre. Saverio Costanzo kommt das Verdienst zu, eine Stellungnahme weitgehend zu vermeiden, da sowohl die in ihren Persönlichkeitsrechten eingeschränkte palästinensische Familie als auch die israelischen Besatzer menschlich gezeichnet werden.
I 2003. Regie und Buch: Saverio Costanzo. Buch: Sayed Qashua, Camilla Costanzo, Alessio Cremonini. Mit: Mohammed Bakri, Lior Miller, Tomer Russo, Arin Omary, Hend Ayoub, Marco Alsaying, Sarah Hamzeh. (O.m.U.) 90 Min.
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