Reich mir Deine Hand
Die Zwillingsbrüder Antoine und Quentin, ein Herz und eine Seele trotz ihrer charakterlichen Unterschiede, brechen von Frankreich nach Spanien auf, wo ihre Mutter beerdigt wird, die beide nicht kannten. Unterwegs treffen sie auf die unterschiedlichsten Menschen, von denen sie stets begehrt werden. Bildgewaltiges Roadmovie.
Nach einer Handvoll Kurzfilmen seit dem Jahr 1995 hat Pascal-Alex Vincent mit „Reich mir Deine Hand“ seinen ersten Spielfilm inszeniert. Der hierzulande sicherlich bekannteste Kurzfilm des schwulen Regisseurs dürfte der 2003 entstandene „Far West“ sein, in dem ein junger Mann sich bei den Ferien auf dem Bauernhof seines Opas in dessen Stallburschen verguckt und kurz darauf von seiner einfallenden, ziemlich tuckigen Freundesschar zwangsgeoutet wird. Dieser etwas konstruiert wirkende Film war dennoch eine sympathische und kurzweilige Unterhaltung, nicht zuletzt dank der gut aufgelegten Darsteller. Das Schrille und Laute hat Vincent in seinem Langfilmdebüt komplett ausgeblendet, dieses wortkarge Roadmovie könnte eigentlich kaum leiser und dezenter sein. Doch gerade damit erreicht der Filmemacher einen hohen Grad an Eindringlichkeit und Faszination, die darüber hinaus durch seine herb-attraktiven Hauptdarsteller unterstrichen wird.
Mit den Zwillingsbrüdern Alexandre und Victor Carril hatte Vincent bereits mehrfach zusammengearbeitet, u.a. bei dem 2005er Kurzfilm „Bébé requin“, der in Cannes gezeigt wurde. Die Attraktivität der Geschwister hat es ihm hier besonders angetan, weil er die beiden jungen Männer als Objekt der Begierde fast sämtlicher Menschen zeichnet, denen sie auf ihrem Trip nach Spanien begegnen. Da sind zunächst zwei junge Mädchen, von denen sie im 2CV mitgenommen werden und mit denen sie anschließend Sex im strömenden Sommerregen haben. Als Antoine und Quentin auf einem Feld arbeiten, um Geld für die Weiterreise zu verdienen, wird letzterer von dem jungen Landarbeiter Hakim verführt, was Antoine heimlich beobachtet und was die einstmals starken Bande zwischen den Brüdern zu zerreißen droht. Pascal-Alex Vincents Film ist eine typische Mischung aus den beliebtesten Themen schwuler französischer Filmemacher. Wie in Olivier Ducastels und Jacques Martineaus „Felix“ geht es um einen Selbstfindungstrip und die unterschiedlichsten Begegnungen bei einer Reise quer durch Frankreich, wie in Patrice Chéreaus „Wer mich liebt, nimmt den Zug“ geht es um eine Reise, die für eine Beerdigung angetreten wird und die Beteiligten unterwegs verändert. Der episodisch angelegte Film lässt uns für einige Tage Einblick nehmen in das Leben zweier äußerlich sehr ähnlicher, aber charakterlich doch sehr unterschiedlicher Brüder, die ihr Leben zu überdenken beginnen. Mit einem sicheren Blick für faszinierende Kameraeinstellungen und den beiden hübschen Protagonisten ist Vincent hiermit ein kurzweiliger Einstand gelungen. (4/6)
F/D 2008 (Donne-moi la main) Regie und Buch: Pascal-Alex Vincent. Buch: Martin Drouot. Musik: Tarwater. Kamera: Alexis Kavyrchine. Schnitt: Dominique Pétrot. Produktion: Adam Productions, Local Films, Busse & Halberschmidt. Mit: Alexandre Carril, Victor Carril, Anaïs Demoustier, Samir Harrag, Elodie Meurlarger, Katrin Saß, Fernando Ramallo, Patrick Hautier. 80 Min. Salzgeber ab 26. 2.09.
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