Seelenvögel auf DVD – Drama
„Nur Kinder wissen genau, wohin sie wollen“, sagt der keine Prinz im gleichnamigen „Kinderbuch“ von Antoine de Saint-Exupéry. Und wohin diese drei wollen, wissen sie zu genau, obwohl es wahrscheinlich kein irdenes Ziel gibt. Denn den allzu frühen Tod im infantilen Fokus: Dieser mutige und mutmachende Film ist alles andere als ein Feel Good-Movie, auch wenn das konnotativ impliziert wird. Im Gegenteil, die poetisch und episch inszenierte Studie beeindruckt und bedrückt glücklicherweise, handelt es sich doch um das schlimmste Szenario, das Eltern erleiden müssen,; machtlos zusehen, wie ihr Kind stirbt: Ein “Leben“ in der Agonie, drei leukämiekranke Kinder und die letzten Monate, tage und Stunden. Pauline (15), Richard (10) und Lenni (6) sind jene ProtagonistInnen, die dem Film die die Seele und Stimme verleihen, und jede dieser Stimmen ist auf ihre Art authentisch. Wenn Pauline in ihrem Tagebuch über Leben und Tod rekuriert oder Richard mit großer Klarheit von seiner Erkrankung, der Behandlung und den Aussichten erzählt, die Krankheit zu überwinden, glaubt man kaum, dass hier eine 15-Jährige und ein Zehnjähriger von ihrem leidlichen Noch-Leben deklamieren. Eine unglaubliche Subtilität für für ewiges Leben und für den Zeitpunkt des endgültigen Adieu vom Leben findet man oft bei schwerkranken Kindern. Und sie wissen bisweilen viel mehr, als die Erwachsenen glauben mögen.
Keine Frage Leukämie ist die häufigste Krebsart bei Kindern. Jährlich erkranken Hunderte neu. 80 Prozent davon sind akute lymphatische Leukämien. Noch in den 50iger Jahren mussten alle an Leukämie erkrankten Kinder sterben. Heute können dank verbesserter Diagnosestellung und differenzierter Behandlung 80 – 90 Prozent oder 4 von 5 erkrankten Kindern Kinder langfristig geheilt werden. Die Behandlung allerdings dauert zwei volle Jahre. Von langfristiger Heilung spricht man, wenn es nach fünf Jahren keinen Rückfall gegeben hat.
Wie heißt es im Hebräischen über den Seelenvogel? „In der Seele, in ihrer Mitte, steht ein Vogel auf einem Bein. Der Seelenvogel. Und er fühlt alles, was wir fühlen. Wenn uns jemand verletzt, tobt der Seelenvogel in uns herum; hin und her, nach allen Seiten, und alles tut ihm weh.“ (Michael Snunit) Thomas Riedelsheimer über sein Erfahrungen beim Dreh: „Seelenvögel ist ein sehr besonderer Film für mich. Über zweieinhalb Jahre hinweg haben mich schwerkranke Kinder an ihrem Leben und ihren Gedanken zu Leben und Tod teilhaben lassen. Lachen, Weinen, Verzweiflung, Hoffnung, Leben und Sterben lagen dicht beieinander.“ Der von allen schwülstigen Elementen des falschen Mitleids und Voijeurismus entschlackte Dokufilm wurde bei den Biberacher Filmfestspielen mit dem „Dokubiber“ belohnt.
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