So finster die Nacht
Vampire sind einfach nicht totzukriegen – sie meiden das Tageslicht wie der Teufel das Weihwasser, und wenn ihnen kein furchtloser Vampirjäger mit Kreuz, Pfahl und Hammer zu Leibe rückt, dann bleiben sie für immer jung. Auch Vampirfilme sind nicht totzukriegen, und so geistern die spitzzahnigen Blutsauger Jahr für Jahr auch immer wieder in neuen Inkarnationen über die Leinwände. „So finster die Nacht“ reiht sich ein in den Tanz der Vampire und ist doch ganz anders als seine medialen Vorgänger. Im Zentrum des Films steht der schüchterne 12jährige Oskar, der bei seinen Klassenkameraden lieber einsteckt, als zurückzuschlagen. Als in der Nachbarwohnung im Hochhaus eines Stockholmer Vororts ein gleichaltriges Mädchen einzieht, das sich erst bei Einbruch der Dunkelheit nach draußen begibt, werden die beiden Außenseiter Freunde. Doch die blasse Eli hat ein Geheimnis, das sie schon bald mit ihrem neuen Freund Oskar teilt: Sie ist ein Vampir und ernährt sich vom Blut anderer Menschen. Die Zahl der Leichen steigt in Blackeberg alsbald sprunghaft an.
Das besondere an Tomas Alfredsons Adaption von John Ajvide Lindqvists Blutsauger-Beststeller ist die Beiläufigkeit, mit der er das Grauen in Szene setzt. Kein dräuender Gruselstreifen mit waberndem Nebel, wehenden Vorhängen oder düsteren Gemäuern – das Übernatürliche hält Einzug in eine 08/15-Wohnsiedlung, der monotone Alltag des schwächlichen Protagonisten verändert sich dabei kaum. Alfredson lässt die Gewaltattacken urplötzlich und unvermittelt über die unschuldigen Opfer hereinbrechen, was dem Zuschauer so manchen Überraschungseffekt beschert. Wenn die Brutalitäten später im Hintergrund stattfinden, erhalten die Szenen dadurch gar einen ungewöhnlichen, makabren Humor. Das Ergebnis ist ein origineller Coming-of-Age-Film mit fantastischem Touch oder ein Vampirfilm mit Schulhintergrund – ganz nach dem individuellen Ermessen des Zuschauers. Ungewohnt und für ein aufgeschlossenes Publikum auf jeden Fall empfehlenswert. (4/6)
S 2008 (LÃ¥t den rätte komma in) Regie und Schnitt: Tomas Alfredson. Buch: John Ajvide Lindqvist. Musik: Johan Söderqvist. Schnitt: Dino Jonsäter. Kamera: Hoyte van Hoytema. Produktion: EFTI. Mit: KÃ¥re Hedebrant, Lina Leandersson, Per Ragnar, Henrik Dahl, Karin Bergquist, Peter Carlberg, Ika Nord. 114 Min. MFA+ ab 23.12.08.
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