Teenage Angst
Es mutet wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten an: Ein Internat, in dem reiche Eltern, die mit der Erziehung überfordert sind, ihre Kinder abladen und in die Obhut der Lehrer vor Ort geben. Auf einer beschaulichen Burg im Sächsischen, die in ein solches Internat umgewandelt wurde, ist die Handlung von „Teenage Angst“ angesiedelt. Hierarchien entwickeln sich schnell, erst recht, wenn die Jungs auf der Schule ausnahmslos unter sich sind und in ein Kräftemessen verfallen. Da reicht schon die etwas zu emotionale Abschiedsszene zwischen Leibnitz und seiner Mutter, welche drei andere Schüler auf dem Burghof beobachten. Der Club, den die jungen Männer gründen und der in einer leer stehenden Waldhütte seinen Sammelplatz hat, wird zum Hort für Aktionen, die die Harmlosigkeit von Knabenstreichen bald überschreiten, und findet in Leibnitz ein williges Opfer.
Der 27jährige Regisseur Thomas Stuber, der während seines Studiums an der Filmakademie Baden-Württemberg schon ein paar Kurzfilme realisierte, hat nun mit „Teenage Angst“ einen ersten, halblangen Kinofilm vorgelegt. Dabei offenbart der Nachwuchsfilmemacher ein ausgesucht gutes Gespür für die richtigen Bilder und für einen effektvollen Spannungsaufbau. Die Handlung kreist in erster Linie um die vier jungen männlichen Protagonisten, weitere Schüler des Internats und Lehrer bleiben Randfiguren. Die Dramatik schaukelt sich immer weiter in die Höhe, sobald erste Grenzen überschritten sind, fallen auch bald weitere Tabus. Stuber hat die meisten Szenen mit einer unterschwelligen Bedrohlichkeit ausgestattet, wobei mit den Erwartungen der Zuschauer schon so manches Mal gespielt wird. Aus Andeutungen, Kameraeinstellungen und Figurencharakterisierung entwickelt sich eine latente Spannung, die den kurzweiligen Film zu einer geschickt konzipierten Psychostudie macht.
D 2008. Regie: Thomas Stuber. Buch: Holger Jäckle. Musik: Matthias Klein. Kamera: Peter Matjasko. Schnitt: Philipp Thomas. Produktion: Gifted Films, Filmakademie Baden-Württemberg. Mit: Franz Dinda, Niklas Kohrt, Janusz Kocaj, Michael Ginsburg, Stephanie Schönfeld, Michael Schweighöfer, Kerstin De Ahna. Salzgeber. 63 Min. Ab 29. Januar 2009 im Kino.
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