Zeit des Zorns – Drama
Ein Mann sieht dunkelrot, weil die Zukunft seines Landes immer schärzer wird: Hinter diesem lakonischen und bedrückenden Drama der trügerischen Stille verbirgt sich ein enormes Potential an Wut, Hass, Verzweiflung und Gewalt. E basiert auf einer Erzählung des Schriftstellers Bozorg Alavi, eines Weggefährten Sadegh Hedayats, aus dem Jahr 1952 – der Zeit von Mossadegh, des ersten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Irans, der im Zuge der Operation Ajax von den USA und England gestürzt und durch den Despoten Reza Pahlavi ersetzt wurde. Das bildgewaltige in tristen Sepia-Tönen gehaltene Drama „Zeit des Zorns“, des politisch linksgerichteten Filmemachers Rafi Pitt, dessen Titel ist wohl die zornige Reaktion auf den vermutlichen Wahlbetrug m Juno 2009, durch den Ahmadinedschad wieder als Präsident des Irans bestätigt worden ist. Er erzählt das sehr persönliche Schicksal von Ali, einem durchschnittlichen iranischen Familienvater um die 40, der von Rafi Pitt selbst gespielt wird. Und der verliert bei einer Demonstration Frau und Kind. Alis Frau ist wahrscheinlich in Teheran in eine Demonstration von Oppositionellen geraten, die von „Sicherheitskräften“ gewaltsam aufgelöst wurde. Dabei sei sie versehentlich erschossen worden. Über das Schicksal seiner Tochter wisse man auch nichts: Der Freizeitjäger Ali schnappt seine Flinteund steigt auf eine Anhöhe über der Stadtautobahn von Teheran, und legt an, auf ein vorbeifahrendes Polizeiauto: Am Ende bleibt dann nichts, nur Tote. Es sind Opfer, die selbst zu Tätern werden mussten.
Rafi Pitts ist einer der bekanntesten jüngeren iranischen Filmemacher. E wurde im Iran als Sohn eines Briten und einer Iranerin geboren und verließ das Land auf den Wunsch seiner Mutter, um die Ausbildung am Harrows College in London zu genießen. Nachdem er Film und Foto studiert hatte, ging er nach Frankreich, um dort seinen ersten Kurzfilm zu realisieren. Jetzt kämpft er mit den Waffen, die ihm durch seine Ausbildung gegeben sind, für die Freiheit seines Volkes. Erst im März dieses Jahres war einer seiner Assistenten ins Teheraner Evin-Gefängnis verfrachtet worden, kam aber gegen Kaution wieder frei. Der Großteil der mehr als 3000 Inhaftierten im gefürchteten Evin sind heuer politische Gefangene, allen voran Oppositionelle, Regisseure, Schriftsteller oder „subversive“ Journalisten. Auch der Regisseur Jafar Panahi, der mit seinem kritischen Fußballfilm “Offside”, bei dem Frauen keinen Zutritt ins Stadion bekomme, und er den Silbernen Bären der Berlinale gewann, schmort in Haft. Und auch Pitt wird wohl nie wieder in seine Heimat zurückkehren können. Es wäre sehr ungesund, sowohl physisch, als auch psychisch, sollte das System in dergestalt noch weiter bestehen. Und das sieht ganz so aus.
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