Zerrissene Umarmungen – Drama
Der blinde Regisseur Harry wird von einem Drehbuchautor aufgesucht, der mit ihm zusammenarbeiten möchte. Dabei kommen wieder Ereignisse ans Tageslicht, die Harry seit Jahren verdrängt hatte – seine Liebe zu seinem Star Lena und die Ursache für seine Erblindung. Elegisches Liebesdrama.
Pedro Almodóvar zählt nicht nur zu den bekanntesten und erfolgreichsten europäischen Regisseuren, man kann sich mittlerweile auch ganz gut auf ihn verlassen. Er bedient mit jedem neuen Film die Erwartungshaltungen seines Stammpublikums, erzählt packende und elegant ausgetüftelte Geschichten, an denen man gerne mit Interesse dranbleibt und am Ende nicht enttäuscht ist. Das ist schon eine ganze Menge, auch wenn es in dieser Verknappung eher einen negativen Beigeschmack erhält. Doch der rührt in diesem Fall einzig aus der Tatsache, dass Pedro Almodóvar mit „Zerrissene Umarmungen“ nicht ein weiteres Meisterwerk geschaffen hat, sondern einfach „nur“ gut zu unterhalten versteht.
Im Zentrum seiner filmischen Erzählung steht mal wieder ein Mann, der sich seine Brötchen mit dem Ausdenken von Geschichten verdient. Mateo Blanco war einst ein gefeierter Filmregisseur, doch nachdem er vor einigen Jahren erblindete, beschränkt er sich auf das Schreiben von Drehbüchern. Seinen Namen hat er in Harry Caine abgeändert. In Gestalt des dubiosen Ray X holt ihn nun seine Vergangenheit ein. Er wird erinnert an die Dreharbeiten zu seinem letzten Film, „Frauen und Koffer“, und an seine berauschend schöne Hauptdarstellerin Lena, die er damals auch abseits der Filmkameras lieben lernte. Der verschachtelte Aufbau, den Almodóvar auch dieser Geschichte gegeben hat, schürt beim Zuschauer gekonnt das Interesse, die vielen losen Enden miteinander zu verknüpfen und hinter das Geheimnis zu kommen, das Mateo alias Harry über die Jahre mit sich herumgetragen hat. Wir beginnen, das Puzzle seiner Vergangenheit Stück für Stück zusammenzusetzen, wie es später der junge Diego mit den zerrissenen Fotos von Mateo ebenfalls tun wird. Der Film im Film, und hier zitiert sich Almodóvar mit Genuss mal wieder selbst, ist eine Hommage an „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“, mit dem der Regisseur vor gut 20 Jahren seinen internationalen Durchbruch feiern konnte. In jenen kurzen Szenen erreicht er dann auch wieder den absurd-schrillen Charme seines Frühwerkes, den er in den vergangenen Jahren lieber gegen das Melodramatische und Ernste eingetauscht hat. Penélope Cruz spielt nach „Volver – Zurückkehren“ nun ihre zweite Hauptrolle für den Mann, der ihre beispielhafte Karriere vor gut einer Dekade ins Rollen brachte. Wie bereits im erfolgreichen, Oscar-nominierten Vorgänger, ist Cruz die Idealbesetzung für diese geheimnisvolle Rolle, die zwischen Unnahbarkeit, Verführungskunst und Ehrgeiz pendelt und die Männer an ihrer Seite gnadenlos um den kleinen Finger zu wickeln versteht. (4/6)
E 2009 (Los abrazos rotos) Regie und Buch: Pedro Almodóvar. Musik: Alberto Iglesias. Kamera: Rodrigo Prieto. Schnitt: José Salcedo. Produktion: El Deseo S.A., Universal International Pictures. Mit: Penélope Cruz, Lluís Homar, Blanca Portillo, José Luis Gómez, Rubén Ochandiano, Tamar Novas, Ángela Molina. Tobis. 128 Min. Ab 06.08.2009 im Kino.
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