Zweier ohne – Im Gleichklang
Johanns Leben steht völlig auf dem Kopf, seit er mit dem neu in seine Klasse gekommenen Außenseiter Ludwig Freundschaft geschlossen hat. Inspiriert durch ihr gemeinsames Hobby, das Zweier-Kanu-Fahren, versuchen die beiden jungen Männer, ihr Leben in Gleichklang zu bringen. Bildgewaltiges Jugenddrama.
Die literarischen Werke des Journalisten und Sachbuchautoren Dirk Kurbjuweit haben nun schon mehrfach die Vorlage für ungewöhnliche Kinofilme geliefert. Neben dem überambitionierten und deswegen reichlich verkopften „Schussangst“ von Dito Tsintsadze (2003) verfilmte mit „Die Einsamkeit der Krokodile“ Jobst Christian Oetzmann 2001 auch bereits einen Roman Kurbjuweits. Für dessen neusten Spielfilm diente nun die Novelle „Zweier ohne“ als Vorlage. Schon in den ersten Einstellungen treten Oetzmann und sein Chefkameramann Tomas Erhart darin den Beweis an, dass dieses Werk von der großen Leinwand zu profitieren weiß. Ein Großteil der Handlung spielt in und um das Elternhaus von Ludwig, das direkt unter einer nie fertig gestellten Autobahntalbrücke liegt. Diese dient nicht nur wiederholt so manchen am Leben verzweifelten als ideale Ausgangsposition für ihren Selbstmord, sondern auch den beiden halbstarken Teenagern als Kulisse für spektakuläre Mutproben. So, wie die Brücke in Tomas Erharts Kameraführung in Szene gesetzt wird, kann einem als Akrophobiker sogar im Kinosessel mulmig zumute werden. Auch bei den nachfolgenden Rudersequenzen oder einigen beeindruckenden Einstellungen während einer Motorradfahrt nutzen die Filmemacher die Vorzüge des Cinemascope-Formats in jeglicher Hinsicht aus.
Bei all diesen visuellen Reizen rückt die eigentliche Geschichte schon fast in den Hintergrund. So manchem Zuschauer werden hier Motivationen fehlen, Identifikationsmöglichkeiten oder ein Mehrwert, den man aus dem Erzählten ziehen könnte. Doch auf der narrativen Ebene mäandert Jobst Christian Oetzmann eher auf dem orientierungslosen Niveau der von ihm porträtierten Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsenenalter. In dieser schwierigen Lebensphase, in der man sich von den Eltern und Erziehungsberechtigten nichts mehr sagen lassen möchte, sich aber auch noch keinesfalls über sich selbst im Klaren ist, werden oft wichtige Entscheidungen aus dem Bauch heraus getroffen. Aus dem gleichen Grund entsteht im Film auch die Freundschaft zwischen Ludwig und Johann, die nicht immer rationalen Kriterien geschuldet ist und trotz schwerwiegender Rückschläge und einiger Widerstände zum Trotz bestehen bleibt. Ebenso sehenswert wird „Zweier ohne“ durch die Darstellerleistungen jener beiden ungleichen Hauptfiguren, die irgendwann doch im Gleichklang aufzutreten lernen: Tino Mewes („Der rote Baron“) und Jacob Matschenz („Die Welle“) stellen hier zum wiederholten Male unter Beweis, dass sie derzeit zu den viel versprechendsten Nachwuchstalenten hierzulande zählen.
D 2008. Regie und Buch: Jobst Christian Oetzmann. Musik: Dieter Schleip. Kamera: Tomas Erhart. Schnitt: Cosima Schnell. Produktion: Lichtblick Film, Filmpool, WDR. Mit: Tino Mewes, Jacob Matschenz, Sophie Rogall, Peter Harting, Lena Stolze, Alexandra Schalaudek, Nora Quest. Stardust. 90 Min. Ab 16. Oktober 2008 im Kino.
Zweier ohne – Im Gleichklang wurde bearbeitet von Frank Brenner • Permalink • Kommentar schreiben »













tiinka zu dem Thema:
Es ist nicht das Zweier Kanu fahren sondern das Zweier Rudern. Kanu fahren und Rudern ist nicht das gleiche.
Mittwoch, 27 Januar 2010 @ 2:39pm