Charlie Bartlett
If You Wanna Be Free: Charlie Bartlett, Sohn aus betuchtem Elternhaus, fliegt zum wiederholten Male von einer Privatschule, weil er Führerscheine fälschte. Auf einer ordinären staatlichen Highschool bringt er es auch bald zu Popularität, als er sich vom Hauspsychiater Medikamente verschreiben lässt, die er an seine Mitschüler verhökert. Schrullige Jugendkomödie.
Wer geglaubt hatte, dass Highschoolkomödien und primitive Spermawitzeleien untrennbar miteinander verbunden sein müssen, der kennt „Charlie Bartlett“ noch nicht! Mit einem schrägen, auch in anderen Genres äußerst seltenen Humor machen sich hier Drehbuchautor Gustin Nash („Bollywood/Hollywood“) und Regiedebütant Jon Poll (bislang der Cutter der meisten Jay-Roach-Filme, neben „Austin Powers“ auch beim gelungenen „Meine Braut, ihr Vater und ich“ und seiner Fortsetzung) über das Schulmilieu her und werden dadurch nicht zuletzt die Teenager im Publikum mit intelligenter Kurzweil unterhalten. Auch Identifikationsfiguren gibt es zur Genüge. Neben dem elitären Charlie, der zunächst das Missfallen der Schulrowdys beschwört und mit seinem Einfallsreichtum dann doch viele Freunde findet, hat er mit dem groben Schläger Murphy, der seine eigenen Probleme zu kompensieren versucht, und dem depressiven Kip, den keiner beachtet, für jeden Zuschauer eine Blaupause in petto.
Aber nicht nur die Jugendlichen stehen im Mittelpunkt. Das ausgefeilte Drehbuch befasst sich auch mit den Problemen der Erwachsenen, insbesondere denen des alkoholkranken Schuldirektors Gardner (herrlich selbstironisch: Robert „Iron Man“ Downey Jr.) oder der exzentrischen Mrs. Bartlett (ausgeflippt komisch: Hope Davis). Als Leitthema wird schließlich der Cat-Stevens-Song „If You Want to Be Free, Be Free“ aus dem Hippie-Kultfilm „Harold und Maude“ angestimmt, und die inhaltlichen Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. Hier wie dort geht es um den Kampf mit den Autoritäten und um die Einsicht, die Möglichkeiten des Lebens für sich zu entdecken. In beiden Fällen ist das mit einem sehr skurrilen, teilweise schwarzen Humor umgesetzt und auf angenehme Weise gegen den Strich gebürstet. Somit ist „Charlie Bartlett“ zu einem Film geworden, den sich nicht nur die in einer ähnlichen Situation lebenden Jugendlichen mit Wonne und intellektuellem Zugewinn anschauen können, sondern auch deren Eltern und Erziehungsberechtigte – und das, ohne dabei vor Scham im Erdboden versinken zu müssen.
USA 2007. Regie: Jon Poll. Buch: Gustin Nash. Musik: Christophe Beck. Kamera: Paul Sarossy. Schnitt: Alan Baumgarten. Produktion: Sidney Kimmel Entertainment, Everyman Pictures, Texon Entertainment, Permut Presentations, Granite Rock Films, Madacy Entertainment. Mit: Anton Yelchin, Robert Downey Jr., Hope Davis, Kat Dennings, Tyler Hilton, Mark Rendall, Dylan Taylor. Central. 97 Min. Ab 26. Juni 2008 im Kino.
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