Das Festmahl im August
Gianni, der seinem Vermieter Geld schuldet, weil er sich um seine alte Mutter kümmern muss und nicht arbeiten kann, soll als Gegenleistung über einen Feiertag dessen Mutter und Tante bei sich aufnehmen. Bald kommt noch eine vierte alte Dame dazu, die den reifen Junggesellen ganz schön auf Trab halten. Schrulliger Altersfilm.
Mit knapp 60 Jahren hat Gianni Di Gregorio mit „Das Festmahl im August“ seinen ersten Film als Regisseur abgeliefert. Und nicht nur die Tatsache, dass der ehemalige Regieassistent und Drehbuchautor („Gomorrha, Reise in das Reich der Camorra“) bei diesem Film auch die Hauptrolle übernommen hat, spricht dafür, dass er hier einige autobiografische Erlebnisse verarbeitet hat. Die vier zentralen Rollen der in die Jahre gekommenen italienischen Damen hat Di Gregorio mit Laiendarstellerinnen besetzt, die diese vitale Geschichte mit ihrer Schrulligkeit und ihrem liebenswerten Alterscharme problemlos zu meistern verstehen. Ausgangspunkt der verschrobenen Ereignisse ist die permanente Geldknappheit Giannis, der bei seinem Lebensmittelhändler routinemäßig anschreiben lässt und dem nun Ärger von Seiten der Hausgemeinschaft droht, weil er sich nicht an den anfallenden Kosten beteiligen kann. Der Verwalter macht ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Wenn er für zwei Tage seine Mutter und seine Tante bei sich aufnimmt, erlässt er Gianni seine Schulden. Da Giannis Hausarzt ebenfalls spontan eine Unterkunft für seine über 80jährige Mutter benötigt, ist in Giannis Wohnung das Alte-Damen-Quartett alsbald komplett. Schnell muss der fürsorgliche Junggeselle erkennen, dass es leichter wäre, einen Sack voller Flöhe zu hüten.
Es ist erstaunlich, dass man sich bei einem Film mit einer dermaßen reduzierten Handlung und einem fast nicht vorhandenen Spannungsbogen trotzdem dermaßen gut unterhalten fühlt. „Das Festmahl im August“ steht und fällt mit seinen reifen Protagonistinnen, denen man ihr langes und von vielen Erfahrungen geprägtes Leben in die Gesichter geschrieben sieht. Jede von ihnen hat ihre eigenen Macken und Besonderheiten und stellt damit ihren eher unfreiwilligen Gastgeber vor harte Bewährungsproben. Zunächst werden kleinere Grabenkämpfe ausgetragen, weil Giannis Mutter lieber auf ihrem Zimmer bleibt, als sich mit den Gästen zu beschäftigen; dann gibt es ein Hin und Her mit dem einzigen Fernseher im Haus und diverse Probleme mit den Diätplänen und Medikamentenverabreichungen der greisen Wohngemeinschaft. Trotz des absurden Humors, der diese realistisch anmutenden Szenen immer wieder begleitet, spürt man auch den Respekt vor dem Alter und eine liebenswerte Hingabe, mit der der Autor und Regisseur Di Gregorio seine Alte-Damen-Riege auch offensichtlich hinter der Kamera behandelt haben muss. Denn sein Film ist eine Ode an das Leben entgegen der Gebrechen des Alters geworden, die einen als Zuschauer optimistisch stimmt und einen charmant verzaubern kann. (4/6)
I 2008 (Pranzo di Ferragosto) Regie und Buch: Gianni Di Gregorio. Musik: Ratchev & Carratello. Kamera: Gian Enrico Bianchi. Schnitt: Marco Spoletini. Produktion: Archimede. Mit: Gianni Di Gregorio, Valeria De Franciscis, Marina Cacciotti, Maria Calì, Grazia Cesarini Sforza, Alfonso Santagata, Luigi Marchetti. Pandora. 75 Min. Ab 30.04.2009 im Kino.
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