Die Entdeckung der Currywurst
Eher ein kleines heimliches Hinterhofdrama, aber vor der grausamen und  gigantischen Kriegskulisse ein mittelschwerer Gesellschaftsskandal: Eine Frau in ihren “besten Jahren“ verguckt sich in den um vieles jüngeren, vielleicht halb so alten Mann. Nicht weiter tragisch, zu jener Kriegszeit jedoch mehr als gefährlich: Lena Brücker, die blonde, anämisch wirkende Frau, mimt hier den rettenden Engel. Sie lädt nach einem Kinobesuch samt Bombenangriff den jungen Marinesoldaten Hermann (Alexander Khuon) kurz vor Kriegsende zu sich nach Hause. Der bleibt danach bei ihr und begeht damit ‘Fahnenflucht’, statt sich auf seinem Schiff zurückzumelden. Es geht nicht nur um Lust und leidenschaft, sondern um Liebe, das brisante Versteckspiel vor den Nazischergen schweißt die beiden nur noch enger zusammen. Der Krieg bleibt draußen vor der Tür. Als die Kapitulation bevorsteht, die weißen Fahnen vor den Fenstern hängen, wird die Sache ungleich schwieriger. Die beiden Turteltäubchen verbringen nette Nächte miteinander, immer mit der Gefahr lebend, dass der schnüffelnde Blockwart ihnen auf die Schliche kommen könnte. Und während Lena aufblüht, wird Hermann immer unruhiger. Dann ist es plötzlich so weit: Hitler ist tot, das Reich kapituliert. Doch Lena zögert, es Hermann in seinem Versteck zu erzählen, würde sie ihn dann doch für immer verlieren:
Â
Aus dem Spiel der Gefühle wird bei Regisseurin Ulla Wagner ein Drama mit Zeitkolorit, denn der ungeliebte Ehemann kehrt aus dem Kriege heim, der schnöde Alltag hat sie alle wieder. In ruhigen Bildern erzählt Ulla Wagner von dem Verhältnis zweier einsamer Herzen und hält den Fokus dabei immer auf Lena und deren Gefühle gerichtet, auch dann, wenn durch die Gefahr des Entdecktwerdens noch dramaturgische Thriller-element ins Filmspiel hätten eingeflechtet werden können.
Â
Für ihre Rolle in dieser Bestsellerverfilmung wurde Barbara Sukowa im Rahmen des World Film Festival Montreal im September 2008 als Beste Schauspielerin ausgezeichnet. Ein unzertrennliches Gespann, Fassbinder, Trotta und Sukowa: Sie überzeugte Kritiker und Publikum erstmals 1980 mit ihrer Interpretation der “Mieze” in Rainer Werner Fassbinders “Berlin Alexanderplatz“. 1981 drehte sie – ebenfalls mit Fassbinder – den Streifen “Lola“. davor wirkte sie in Margarethe von Trottas Terrorismus-Drama “Die bleierne Zeit” mit, das in Venedig mit einem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Für ihre zweite Zusammenarbeit mit von Trotta, die Filmbiographie “Rosa Luxemburg“, erhielt Barbara Sukowa 1986 eine Goldene Palme in Cannes. 2003 drehte die Charaktermimin auch unter der Regie von Trottas, dieses Mal das Politdrama “Die andere Frau“.
Â
Am 11.9 .im Kino.
Die Entdeckung der Currywurst wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »











