Ganz nah bei Dir – Komödie
Phillip (Bastian Trost) ist ein spießiger Psychopath, der sich gerne in seinen Panzer zurückzieht und von der Außenwelt abschottet. Sein Leben wird gewaltig auf den Kopf gestellt, als er die blinde Cello-Spielerin Lina (Katharina Schüttler) kennen lernt und sich die beiden ineinander verlieben.
Für Almut Getto ist „Ganz nah bei Dir“ der zweite große Spielfilm, nachdem sie vor sechs Jahren mit dem unkonventionellen Teenager-Drama „Fickende Fische“ ihren viel beachteten und mehrfach preisgekrönten Einstand ins Filmgeschäft vorgelegt hatte. Auch ihr neues Werk wartet mit einer ungewöhnlichen Story auf und setzt zwei Außenseiter in den Mittelpunkt der Erzählung, begeht aber erfreulicherweise nicht den Fehler, die Erfolgsformel des Erstlings einfach kopieren zu wollen. Bastian Trost („Schläfer“, „Das Leben der anderen“) mimt auf überzeugende Weise einen in Routine gefangenen Spießer, der sich mit einem langweiligen Job und einem noch langweiligeren Privatleben herumschlägt. Alle Vorkommnisse außerhalb des fest geregelten Tagesablaufs bereiten ihm Kopfzerbrechen, seine einzigen Freunde sind sein Psychiater und seine Schildkröte Paul. Der Symbolgehalt seines ungewöhnlichen Haustieres wird insbesondere zu Beginn des Films etwas überstrapaziert, die redundanten Off-Kommentare sind eher kontraproduktiv und schmälern den beabsichtigten Effekt. An anderen Stellen, an denen man bewusst auf unnötige Erklärungen verzichtet und die Bilder und Handlungsweisen der Figuren für sich sprechen lässt, entfaltet der Film eine viel größere Dynamik und macht richtig Spaß. Denn neben dem trefflich besetzten Trost bietet auch Katharina Schüttler („Es kommt der Tag“) eine sehr überzeugende Darstellerleistung und kann mit ihrem liebenswerten Auftreten sehr zum sympathischen Gelingen des Films beitragen.
Einige der Szenen sind in ihrer Verschrobenheit und in ihrer überzogenen Künstlichkeit für ein aufgeschlossenes Publikum ein reines Vergnügen. So weiß Almut Getto insbesondere mit dem spontanen Rennen ihrer beiden Protagonisten oder mit den verkorksten Sprüchen auf dem Anrufbeantworter zu punkten. Diese Dialogzeilen haben eine Leichtigkeit und Spontaneität, die zur Grundstimmung des Films perfekt passen und dem Zuschauer wiederholt ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Immer wieder ist auch die Blindheit Linas Thema des Films und Zielscheibe von Phillips ungeschickten Bemühungen, wenn er sich aus seinem Panzer heraus traut und sich der jungen Frau zu öffnen versucht. Dass solche Witzeleien schnell peinlich wirken oder gar zum Affront gegen blinde Mitmenschen werden können, hat man nicht zuletzt in Lars Büchels missglücktem Versuch „Erbsen auf halb sechs“ gesehen. Almut Getto tappt nicht in diese Falle, da sie mit ihrer manierierten Erzählweise alles Realistische sowieso von sich weist und es ihr durchweg gelingt, das Liebenswerte an ihren Figuren über deren Fehler triumphieren zu lassen.
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Ganz nah bei Dir – Komödie wurde bearbeitet von Frank Brenner • Permalink • Kommentar schreiben »













