KINO: Die Geschichte vom Brandner Kaspar
Brandner Kasper ist das für die Bayern, was Wilhelm Tell für die Schweizer darstellt. Heroe, Filou und Windhund in Personalunion. Keine Frage, die Mär vom gewitzten Wilddieb zählt zu den populärsten bayrischen Volksstücken überhaupt und schildert die Geschichte des Tegernseer Büchsenmachers, der den Tod überlistet, indem er ihm beim Kartenspielen 20 weitere Lebensjahre abluchst.
Charakter-Regisseur, Kamera-König und Charakter-Produzent Joseph Vilsmaier ist ein deutsches Film-Urgestein. Als kleiner Junge nahm ihn sein Vater, Fahrer bei der Bavaria, 1949 mit nach Berchtesgaden zu den Dreharbeiten des Brandner Kaspar mit Paul Hörbiger und Carl Wery. Knapp 60 Jahre später erfüllt sich der mittlerweile nun 69jährige Vilsmaier seinen größten Wunsch, dieses beliebte Sujet zu verfilmen.
Brandner Kaspar (brillant) Franz-Xaver Kroetz), verwitweter Büchsenmacher, lebt in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit seiner Enkelin Nannerl (Lisa Potthoff) in den Bergen am Schliersee. Mit Toni (Peter Ketnath), der Nannerl den Hof macht, bessert er sein frugales Dasein durch Wilderei in den Wäldern auf. Kurz vor seinem siebzigsten Geburtstag besucht ihn der Tod (auf bayrisch: „Boanlkramer“), um ihn in den Hades zu geleiten. Der raffinierte Kaspar jedoch füllt den ungebetenen Gast (Bully Herbig) mit Kirschgeist völlig ab, linkt ihn dann beim Kartenspielen ab, um somit seine Lebensverlängerung herauszuschinden. Bald aber merkt der gute Kaspar, daß die gestohlene, lange Zeit auch ihr ernüchterndes Schattenseiten hat.
Zwei Film-Adaptionen (1949 und 1975), sowie unzählige Bühnenaufführungen hauchten dieser listigen Kunstfigur ewiges Leben ein. Aber wird der Brandner Kasper in einer Filmadaption noch vivider und authentischer? Ja, wenn auch auf andere, amüsantere und unanstrengende Weise.
Angestrengt bleibt jedoch eines: Das Verhältnis von Theater und Film: Das bleibt, wie auch bei Literatur-Adaptionen, eine leidliche Liaison. Zu reizend und ablenkend die elektronischen Signale des Kino-Bildes, als daß man sich auf die darstellerische Qualität der einzelnen Darsteller konzentriert einlassen könnte. Auf statischen Bühnenbrettern werden dagegen die Protagonisten intensiver und präziser erlebt; die Mimik zollt dem Theater wesentlich mehr Tribut als dem bewegten Bild.
Kinostart ist der 16.10.2008!
KINO: Die Geschichte vom Brandner Kaspar wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »













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