Midsummer Madness – eine romantische Komödie
Für viele sind es ausgerechnet die scheinbar zufälligsten und unvorhergesehenen Begebenheiten, die dem Leben eine entscheidende Wendung geben. Immer wieder entwickeln sich aus seltsamen Bekanntschaften innige Beziehungen, aus skurrilen Erfahrungen neue Leidenschaften. Und dass man in ungewohnten Situationen ganz neue Seiten an sich entdeckt, hat wohl jeder schon einmal erlebt.
Ähnlich ergeht es den Protagonisten des österreichisch-britisch-lettischen Episodenfilms „Midsummer Madness“. Ahnungslos geraten sie in die Fänge einer lettischen Mitsommernacht, die gespickt ist von Bräuchen um Liebe, Glück und Fruchtbarkeit, und niemanden ganz unbeschadet davonkommen lässt. So landen nach einer schrägen und schicksalsträchtigen Nacht alle Charaktere der sechs Episoden im Krankenhaus.
Zwei britische Feuerwehrmänner Lewis und Mike, die zu Besuch bei einer lettischen Feuerwehrdelegation sind und sich belustigt auf die Suche nach blühendem Farn begeben. Aidas japanischer Liebhaber, Yuki, der während des Mitsommerfestes nicht nur seine erste Begegnung mit Aidas Eltern und den Bräuchen des Landes macht, sondern auch eine neue Seite Aidas kennenlernt. Curt, ein gestresster Amerikaner, der sich für seinen schwerkranken Vater auf die Suche nach seiner Halbschwester Maja begibt und dabei auf den liebenswürdigen und sehr beharrlichen Taxifahrer Oskars trifft. Ebenso zwei Deutsche, die einen zwielichtigen Vertragsabschluss mit dem Russen Leonid planen und dabei auf viel Alkohol, schöne Frauen und bewusstseinserweiternde Drogen stoßen. Einen unerwarteten Ausgang nimmt auch die Bestattungsreise der verwitweten Französin Livia, die sich mit dem Heimatland ihres verstorbenen Gatten vertan hat und nun mit dem lettischen Begräbnisbestatter Peteris und ihrem Bodyguard Tony nach Litauen fährt. Zuletzt sind zwei hoffnungslos chaotische Brüder unterwegs, die das Treiben des Mitsommerfestes ausnutzen wollen, um ihre Rachepläne an der russischen Ölindustrie auszuführen.
Alexander Hahns romantische Komödie ist glänzend besetzt: Orlando Wells spielt den Amerikaner Curt, Birgit Minichmair seine vermeintliche Halbschwester Maja, Maria de Medeiros die trauernde Französin, Dominique Pinon ihren Bodyguard und Detlev Buck sowie Roland Düringer sind in der Rolle der beiden Deutschen zu sehen. Allerdings bringt die beste Besetzung nichts, wenn ein Film seine Wirkung nicht erzielt und seine Rollen nicht überzeugen, wie es bei „Midsummer Madness“ leider der Fall ist.
Dabei ist die Idee einer Verstrickung von Liebesepisoden vor dem Hintergrund einer symbolträchtigen lettischen Mitsommernacht gar nicht schlecht. Zwar erinnert der Plot an das Theaterstück und den gleichnamigen Film „Ein Mittsommernachtstraum“, aber die Verbindung mit Lettland hätte zu einer amüsanten Weiterentwicklung dieser Komödie führen können.
Dies misslingt in erster Linie, weil die Filmmacher dem Genre nicht treu bleiben. Wild mischen sich skurrile und humorvolle Situationen mit ernsthaften und romantischen Momenten, die den Zuschauer hin- und her reißen. Das Resultat sind Figuren, die von wenigen Ausnahmen abgesehen, ihre Wirkung verfehlen: So wirkt die sexbesessene Aida völlig plastisch, der ernsthafte Curt auf der anderen Seite steif wie ein Brett und die trauernde Französin überzogen.
Aber auch innerhalb der Genres krankt es: Für einen romantischen Film sind die Episoden zu kurz, für eine Komödie erinnern die Übertreibungen – der Nährboden einer Komödie - zu sehr an bereits bekannte Stereotype. Osteuropäer, die alte Karren fahren und korrupt sind, heimtückische Deutsche, die mit Russen Verträge abschließen, nicht feiern können und schönen osteuropäischen Frauen hinterher hecheln hat man schon zu häufig gesehen, um noch lachen zu können.
Zuletzt ist scheinbar die Zeit eng oder das Geld knapp geworden, denn die Episoden werden quasi im Abspann in Form von Fotomontagen beendet. In diesem Fall keine gelungene Lösung. Vielmehr verschärft diese Entscheidung den Eindruck eines unausgereiften Filmprojekts. (Julia Radonjic)
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