Résiste! Aufstand der Praktikanten – Komödie
Till (Hannes Wegener) hat die Misere deutscher PraktikantInnen erkannt: Für minimale Gehälter füllen sie komplette Stellen aus. Mit seiner Firma versucht er, diesen Missstand zu ändern und gleichzeitig damit Geld zu verdienen. Die Revoluzzerin Sydelia (Katharina Wackernagel) bringt ihn zum Umdenken.
Es ist wahrlich eine Familienproduktion, auch wenn das nur zum Teil ersichtlich ist. Der Name Wackernagel taucht in der Besetzungsliste gleich dreimal auf, aber auch Regisseur Jonas Grosch ist mit der Schauspielerfamilie verbandelt: Er ist der Neffe von seinen beiden Darstellern Sabine und Christof Wackernagel und der Cousin von seiner Hauptdarstellerin Katharina. Schon einmal hat der Filmstudent, der mit „Résiste – Aufstand der Praktikanten“ seinen Diplomabschlussfilm an der Film- und Fernsehhochschule Konrad Wolf vorlegte, ein familiäres filmisches Projekt realisiert. 2007 entstand „Der Weiße mit dem Schwarzbrot“, ein auch in den Kinos ausgewerteter Dokumentarfilm über seinen Onkel Christof, der als Schauspieler begann und schließlich als Mitglied der RAF und jahrelanger Gefängnisinsasse prominenter wurde als durch seine darstellende Kunst. Es ist interessant, dass Jonas Grosch nun mit seinem Spielfilmdebüt eine Problematik aufgegriffen hat, die auch den Vorstellungen der RAF nicht unähnlich ist, und dass er seinen Onkel einmal sagen lässt, dass die Ideen der Rote Armee Fraktion gar nicht so schlecht waren, aber deren Mittel unangebracht.
Christof Wackernagel spielt hier mit viel Selbstironie einen linken Revoluzzer, der in der Theorie noch hinter seinen Ideen steckt, seinen Aktionismus jedoch eingebüßt hat. Frischen Wind in die Szenerie bringt Katharina Wackernagel als französische Linke, der es nicht an Drive mangelt und der es auch gelingt, Hannes Wegener in der Rolle des Wackernagel-Filmsohnes moralisch zu bekehren. Der lebt nämlich nach der Devise „Umsatz statt Umsturz“ und versucht, aus dem Leid der unterbezahlten Praktikanten seinen eigenen Profit zu schlagen. Seine Firma ist derart erfolgreich, dass sich ein ganz in Weiß gekleideter Wirtschaftshai (Devid Striesow in einer schmierigen Paraderolle) redlich darum bemüht, das Unternehmen zu schlucken und damit unschädlich zu machen. Politische Filme werden hierzulande nur noch sehr selten gedreht, ein Umstand, der mit der gesellschaftlichen Entwicklung einhergeht, stets und überall so unpolitisch wie möglich zu sein. Da sind Filme wie „Muxmäuschenstill“ oder dieser eine willkommene Abwechslung. Auf sympathische Weise werden soziale Missstände angeprangert und mit Hilfe der Satire überzeichnet und bloßgestellt. Grosch hat seine Polemik ähnlich wie Hans Weingartner mit „Free Rainer“ in eine gut funktionierende Komödie verpackt, die auch hinsichtlich des Unterhaltungsfaktors kaum Wünsche offen lässt. So werden ganz nebenbei Probleme aufgezeigt, die man endlich aktiv aus dem Weg räumen sollte. Résiste!
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