Salami Aleikum – Komödie
Auf einer Fahrt nach Polen strandet der iranische Metzgersohn Mohsen in der ostdeutschen Provinz. Er verliebt sich in Ana, deren Vater hinter Mohsen und seiner Familie die lange gesuchten Investoren für seine heruntergekommene Textilfabrik zu erkennen glaubt. Temporeiche Multi-Kulti-Farce.
Komödien haben es traditionsgemäß schwer, wenn sie aus deutschen Landen kommen. Nicht nur, dass man uns keinerlei Humorverständnis zugesteht, so manche Geschmacksentgleisung wie der „Ausbilder Schmidt“-Film oder Atze Schröders „U-900“ geben solchen Vorurteilen auch noch regelmäßig recht. Wenn man dann hierzulande auch noch versucht, kulturelle Unterschiede, Rechtsextremismus und ähnlich diffizile Themen zum Zentrum des Spotts zu machen, ist gleich doppelte Vorsicht angebracht. Mit „Salami Aleikum“, dessen alberner Titel über die Qualitäten des Films hinwegtäuscht, hat dieses Kunststück nun doch mal wieder funktioniert. Auf dem Regiestuhl saß mit Ali Samadi Ahadi allerdings auch ein gebürtiger Iraner – kein Wunder also. Der war bislang nur mit dem Dokumentarfilm „Lost Children“ aufgefallen, der ein erschreckendes Bild von afrikanischen Kindersoldaten zeichnete. Umso überraschender ist es dann doch wieder, dass Ahadi die 180°-Wendung gelang und er eine vorbildliche „deutsche“ Komödie inszenierte.
Es kommt zum Culture Clash, wenn der Iraner Mohsen auf der Suche nach Schlachtschafen für die väterliche Metzgerei in der ostdeutschen Provinz strandet, wo Ausländer noch kritischer beäugt werden als anderswo in der Republik, zumal solche, die potenziell terrorverdächtig sind. Dennoch kommt es zwischen ihm und der resoluten Ana, einer körperlich eindrucksvollen Automechanikerin, die zu DDR-Zeiten als Kugelstoßerin für Furore sorgte, zu einem Techtelmechtel, von dem durch allerlei Missverständnisse die Familien der beiden Liebenden zu profitieren hoffen. Auf den quietschbunten Look von Ali Samadi Ahadis Film muss man sich zunächst einmal einlassen, auch auf das anfängliche Direkt-in-die-Kamera-Sprechen und die schrägen, aber äußerst fantasievollen Traumsequenzen im Trickfilmstil. Solch einen überbordenden Einfallsreichtum hat man zuletzt in Michael Glawoggers österreichischer Satire „Contact High“ gesehen. Und auch hier entsteht aus den lauten, schrillen und skurrilen Einzelteilen ein überaus stimmiges Ganzes. Da macht es auch Sinn, dass NavÃd Akhavan, seines Zeichens im Iran ein gefeierter Popstar, plötzlich in eine bollywood-mäßige Gesangsnummer ausbricht. Überhaupt ist Ahadi eine ausgezeichnete Schauspielerführung zu attestieren, denn bei seinem herrlich aufgelegten Ensemble stimmt einfach jede Geste, sitzt jedes Brauenheben, jede Dialogzeile und jedes noch so kleine Detail, das man nur bei genauer Beobachtung im Hintergrund wahrnimmt. Eine wahrlich gelungene Komödie, mit der das Klischee der unlustigen Deutschen wenigstens indirekt gehörig ins Wanken gebracht wird. (5/6)
D/A 2009. Regie und Buch: Ali Samadi Ahadi. Buch: Arne Nolting. Musik: Ali N. Askin. Kamera: Bernhard Jasper. Schnitt: Dirk Grau. Produktion: Dreamer Joint Venture, ZDF Das kleine Fernsehspiel, ORF. Mit: NavÃd Akhavan, Anna Böger, Michael Niavarani, Proschat Madani, Wolfgang Stumph, Eva-Maria Radoy. Zorro. 102 Min. Ab 23.07.2009 im Kino.
Salami Aleikum – Komödie wurde bearbeitet von Frank Brenner • Permalink • Kommentar schreiben »






Theo zu dem Thema:
Hatte das Glück, den Film in der Sneak zu erwischen.
Sehr unterhaltsamer Streifen, der trotz der vielen Lacher auch zum Nachdenken anregt.
Der Film ist überfüllt von genialer Situationskomik und hervorragenden Schauspielern.
Ein Muss für jeden Fan der etwas anderen Kino-Unterhaltung.
Montag, 20 Juli 2009 @ 3:29pm
Jens zu dem Thema:
Da kann ich nur zustimmend sagen: Ein sehr gut gelungener Film.
Sowohl Handlung und Text, wie auch die Schauspielerische Leistung.
In meinen Augen, ein sehr begeisterungsfähiges Meisterstück.
Dienstag, 21 Juli 2009 @ 4:26pm