Willkommen bei den Sch’tis – Schipfel-Parade
Um Philippes Ehe ist es nicht zum Besten bestellt. Eine Versetzung an die sonnige Côte D’Azur könnte nachhelfen, doch sein fauler Trick wird durchschaut und die Disziplinarmaßnahme ist die Strafversetzung in die nördlichste französische Provinz, wo eine ganz eigene Mentalität herrscht. Liebenswerte Blockbuster-Komödie.
In kürzester Zeit konnte dieser Film in Frankreich über 20 Millionen Zuschauer verbuchen und stieg damit zur erfolgreichsten Eigenproduktion des Landes auf. Ein entsprechender Ruf eilt ihm deswegen nun voraus. Da er einen Großteil seiner Popularität sicherlich dem eigenartigen Dialekt der Nordfranzosen verdankt, über die er sich liebevoll lustig macht, lässt eine Übertragung in andere Sprachen geradezu unmöglich erscheinen. Doch die deutsche Synchronbranche beweist einmal mehr ihre Klasse: Gewitzt hat man sich aus der Affäre gezogen, eine unsinnige Anpassung an beispielsweise den friesischen Dialekt vermieden, und extra für den Film eine Kunstsprache kreiert, die die Befremdlichkeit des Original-Dialektes widerspiegelt und auch auf Deutsch Anlass für Sprachverwirrung und Schmunzelgags liefert. Dass man mit Christoph Maria Herbst auch auf einen synchronerfahrenen Comedian zurückgreifen konnte, der die Komödie hierzulande vermarkten hilft, ist ebenfalls ein gelungener Schachzug. Immerhin kommen dem Vollblutkomödianten („Stromberg“) die unsinnigen Kauderwelschsätze, in denen „s“ durch „sch“ und „sch“ durch „s“ ersetzt werden, spielend über die Lippen. Das macht schon einen Großteil des Witzes aus, der dadurch auch in der Eindeutschung funktioniert.
Nebenbei erzählt „Willkommen bei den Sch’tis“ aber auch eine liebenswerte Geschichte, die das Individuelle preist und mit Vorurteilen und Klischees zu Gerichte zieht. Aus dieser Konstellation sind die wahren Kinohits gemacht. Wenn dann auch noch, wie hier, zum Sprachwitz und der gehaltvollen Story eine gesunde Portion Situations- und Typenkomik mit jeder Menge visuellem Einfallsreichtum dazukommt, kann kaum mehr etwas schiefgehen. (4/6)
F 2008 (Bienvenue chez les ch’tis) Regie und Buch: Dany Boon. Buch: Alexandre Charlot, Franck Magnier. Musik: Philippe Rombi. Schnitt: Luc Barnier, Julie Delord. Kamera: Pierre Aïm. Produktion: Hirsch/Pathé, TF1 Films, du Ch’timi, CRRAV, Nord-Pas-de-Calais. Mit: Kad Merad, Dany Boon, Zoé Félix, Anne Marivin, Philippe Duquesne, Line Renaud, Michel Galabru, Stephane Freiss. Prokino. 106 Min. Ab 30. Oktober 2008 im Kino.
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