Public Enemies – Krimi
Anfang der 1930er Jahre versetzen John Dillinger und seine Gangsterkumpane ganz Amerika in Angst und Schrecken. Den Bankräubern, die in mehreren Bundesstaaten aktiv sind, soll das neu gegründete FBI unter Leitung von J. Edgar Hoover einen Riegel vorschieben. Bleihaltige Gangsterballade.
John Dillinger und seine Gangsterkumpane wie Babyface Nelson oder Homer Van Meter waren am aktivsten zur Zeit der großen Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1930er Jahre. Dass ihre tollkühnen Taten, mit denen es ihnen über Jahre spielend gelang, die Polizei an der Nase herumzuführen, nun gerade in der Zeit einer weiteren weltweiten Wirtschaftskrise für einen großen Hollywoodunterhaltungsfilm herangezogen wird, ist schon mehr als eine ironische Fußnote. Auch die waghalsigen Aktionen des französischen Staatsfeinds Nr. 1, Jacques Mesrine, wurden vor wenigen Wochen in den Kinos in einem aufwändigen Zweiteiler aufbereitet. Die Zeit scheint also wieder einmal reif zu sein, den bösen Helden auf romantisch-verklärte Weise vom Kinosessel aus zu huldigen. Wobei Michael Mann („Collateral“) in seiner Interpretation der Dillinger-Legende nur gelegentlich zu Romantisierungen neigt und ansonsten einen bleihaltigen und blutigen Großstadtwestern inszenierte.
Der Film setzt im Jahr 1933 ein, als John Dillinger gerade auf dem Höhepunkt seines Erfolges ist. Jeder Coup scheint ihm zu gelingen, er ist der Polizei stets um eine Nasenlänge voraus. Doch J. Edgar Hoover, der Leiter des neu gegründeten FBI, mit dem eine Strafverfolgung auch über Bundesstaatengrenzen hinaus ermöglicht werden soll, setzt in Chicago einen neuen Mann auf Dillinger und seine Bande an: Melvin Purvis geht mit der gleichen Entschlossenheit und Härte wie sein Gegner vor und zieht den Kreis immer enger um die Gangster zusammen. Dillinger indes genießt das Leben und macht der Garderobiere Billie Frechette schöne Augen, die schon bald darauf ebenfalls in den Kreis der gewalttätigen Bankräuber involviert ist. Michael Mann hat hier mehr als nur eine weitere Aufarbeitung einer Gangsterlegende abgeliefert, sein Film ist auch eine akkurat gestaltete Rekonstruktion dieser vergangenen Epoche, die erfreulicherweise mal ohne die sonst üblichen Computeranimationen auskommt: Hier fliegt noch eine echte Propellermaschine durch die Lüfte und auch die Oldtimer sind nicht à la „Sky Captain and the World of Tomorrow“ digital am Rechner entstanden, sondern echte historische Fahrzeuge. Und diese Authentizität merkt man dem Film an, auch in seinen harten Verfolgungsszenen und in den akribisch geschilderten Bemühungen des FBIs, der Supergangster Herr zu werden. Manch einem mag dieser Detailreichtum vielleicht an einigen Stellen etwas zu ausgedehnt erscheinen, aber trotz der Überlänge von fast zweieinhalb Stunden Laufzeit wird es einem eigentlich so gut wie nie langweilig. Ein Gangsterfilm der alten Schule, im besten Sinne des Wortes. (4/6)
USA 2009. Regie und Buch: Michael Mann. Buch: Ronan Bennett, Ann Biderman. Musik: Elliot Goldenthal. Kamera: Dante Spinotti. Schnitt: Paul Rubell, Jeffrey Ford. Produktion: Forward Pass, Misher Films. Mit: Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Billy Crudup, Stephen Dorff, Stephen Lang, Giovanni Ribisi. Universal. 143 Min. Ab 06.08.2009 im Kino.
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