Lakeview Terrace
Chris und Lisa ziehen in eine vornehme Wohngegend in Südkalifornien. Im benachbarten Haus wohnt ein dunkelhäutiger Police-Officer, der sich aber als das Gegenteil von dem erweist, was seine schützende Autorität verspricht. Das Paar ist ihm ein Dorn im Auge. Rassismus als Thrillerstoff.
Die Rassentrennungsgesetze sind schon seit Jahrzehnten Vergangenheit, aber der Schmelztiegel USA ist nach wie vor auch die Brutstätte für Ausgrenzung, Separatismus und Rassismus. Auch wenn diese Tatsache mehr und mehr aus der Wahrnehmung eines europäischen Kinopublikums verschwunden ist, weil dunkelhäutige Schauspieler heute gleichberechtigt zu kassenträchtigen Stars werden können, sieht die gesellschaftliche Realität doch noch deutlich anders aus. Nun hat Neil LaBute das Problem für einen Hollywood-Film aufgegriffen und drum herum einen Thrillerstoff gestrickt, der das Publikum an den Sitz nageln wird. Auf dieser Ebene funktioniert er auch ungleich besser wie als Diskussionsgrundlage für soziale Veränderungen, aber wenn er über sein Spannungspotenzial die Aufmerksamkeit auf ein ungelöstes Problem lenkt, hat er sein Ziel fraglos erfüllt.
Samuel L. Jackson mimt in „Lakeview Terrace“ einen rassistischen Gesetzeshüter, der auf seine ethnischen Wurzeln einen Tick zu stolz ist und es deswegen nicht sehen kann, dass es auch gemischtrassige Paare gibt. Als ein weißer Mann und seine dunkelhäutige Frau zu Abel Turners neuen Nachbarn werden, gibt er ihnen zunächst mit nicht allzu sensiblen Andeutungen zu verstehen, dass er solch ein Paar in seiner Nachbarschaft nicht gutheißen kann. Je offensiver sich das junge Paar gegen seine Spielchen aufzulehnen beginnt, desto schwerere Geschütze fährt der Cop auf. Seine gesellschaftliche Stellung als Mann des Gesetzes nutzt der cholerische Polizist dabei mehr und mehr aus. Insbesondere die bedrohliche Performance des Oscar-nominierten Mimen Jackson („Pulp Fiction“, „Shaft“) trägt einen Großteil zum Gelingen des Filmes bei. Bis auf einige dramaturgisch bedingte Unwahrscheinlichkeiten beim Showdown ist es seine Darstellung, die die Spannung permanent am Köcheln hält und schließlich immer weiter eskalieren lässt. Der Zuschauer schlägt sich schon recht früh auf die Seite des bedrohten Liebespaares, dessen Eheglück durch die Intrigen des Nachbarn auch zunehmend gefährdet ist. Geschickt lenkt Neil LaBute („Besessen“) die Emotionen seines Publikums, und bleibt dabei in der Schilderung der Zuspitzung der Ereignisse bis auf den bereits erwähnten Schluss durchweg glaubwürdig und nachvollziehbar. Wer im Kino mal wieder einen spannenden Abend verbringen möchte, bei dem sich auch das Niveau der Story sehen lassen kann und bei dem nicht nur hirnlose Action geboten wird, der ist bei „Lakeview Terrace“ richtig aufgehoben. (4/6)
USA 2008. Regie: Neil LaBute. Buch: David Loughery, Howard Korder. Musik: Jeff Danna, Mychael Danna. Kamera: Rogier Stoffers. Schnitt: Joel Plotch. Produktion: Overbrook Entertainment, Screen Gems. Mit: Samuel L. Jackson, Patrick Wilson, Kerry Washington, Ron Glass, Justin Chambers, Jay Hernandez, Keith Loneker. Sony. 110 Min. Ab 18. Dezember 2008 im Kino.
Lakeview Terrace wurde bearbeitet von Frank Brenner • Permalink • Kommentar schreiben »










sanders zu dem Thema:
Hallo Herr Brenner, ist diese Kritik zu diesem Film ihr Ernst?
Sonntag, 10 Juli 2011 @ 10:53pm
sanders zu dem Thema:
P.S.: oder einfach nur “ihr Job”?
Sonntag, 10 Juli 2011 @ 10:56pm
Frank Brenner zu dem Thema:
Hallo Sanders,
wieso sollte sie nicht mein Ernst sein? So habe ich den Film empfunden. Da es meine subjektive Einschätzung ist, steht ja auch mein Name drunter…
Montag, 11 Juli 2011 @ 7:34am