Rock N Rolla
In London spitzt sich die Situation in der Unterwelt zu: Einem russischen Investor wurde sein Talisman in Form eines Gemäldes gestohlen, sein Bestechungsgeld für den Stadtrat wird wiederholt abgefangen, der Rocksänger Johnny scheint doch nicht so tot, wie die Zeitungen behaupten. Sarkastischer Gangsterfilm.
Entweder, es gelingt einem Rezensenten, den Inhalt eines Films von Guy Ritchie in nur einem Satz zusammenzufassen, oder man findet sich unversehens dabei wieder, seitenlang sämtliche Ereignisse haargenau nachzuerzählen. Beides ist für den Leser und potenziellen Kinogänger nicht gerade sehr erbaulich. Deswegen hilft im Zweifelsfall einfach nur, sich selbst ein Urteil zu bilden und einfach ins Kino zu gehen. „Rock N Rolla“ kommt nun jedenfalls genau im richtigen Moment, um das arg gebeutelte Image von Ritchie mal wieder etwas aufzupolieren. Jahrelang galt er nur noch als Mr. Madonna, nachdem er die Queen of Pop geheiratet hatte und seine eigene Karriere als umtriebiger und innovativer britischer Filmemacher mehr und mehr darunter zu leiden begann. Denn nach Perlen wie „Bube Dame König grAs“ und „Snatch.“ hat er sich den unverzeihlichen Fehler erlaubt, mit seiner besseren Hälfte auf Malta und Sardinien den überaus überflüssigen „Stürmische Liebe – Swept Away“ zu drehen. Kein Wunder, dass sein nächster Film „Revolver“ nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit lief. Nun ist Mr. Ritchie frisch geschieden, der Rosenkrieg hielt sich in Grenzen – da kann es mit der eigenen Karriere ja eigentlich nur wieder aufwärts gehen.
Wer die beiden Meisterwerke von Guy Ritchie mag, wird auch sicherlich bei „Rock N Rolla“ wieder seinen Spaß haben. Zwar ist der Film längst nicht so skurril und witzig, wie man das von seinem Macher vielleicht erwarten würde. Aber sein unverkennbarer Stil ist nicht von der Hand zu weisen. Wahrscheinlich könnte es ihm mit dieser wilden Mischung aus Gangster-, Rocker- und Junkiefilm sogar gelingen, einen neuen Fankreis zu rekrutieren, weil er seine Geschichte wesentlich stringenter und ernster angelegt hat. Dennoch gibt es auch hier einen Wust an Figuren und komplex ineinander verwobenen Beziehungsgeflechten, die man als Zuschauer erst einmal entwirren muss. Aber Ritchie hat auf die ihm eigene Art mit Off-Kommentaren und Rückblenden dafür gesorgt, dass man schon recht schnell weiß, wo der Hase läuft, und an den vertrackten Konstellationen seine Freude haben kann. Sein Darstellerensemble setzt sich aus munter agierenden Vollprofis (Tom Wilkinson als Meister des Understatements) und sehr talentierten Nachwuchsschauspielern (Toby Kebbell als abgefuckter Rocker) zusammen, denen man einfach gerne zuschaut. Highlight eines durchaus sehenswerten Films: die wohl kürzeste Sexszene der Filmgeschichte, die einem in wenigen, sekundenkurzen Schnitten alles sagt, was gesagt werden muss und einmal mehr das verspielte Talent Ritchies unterstreicht. (4/6)
GB 2008 (RocknRolla) Regie und Buch: Guy Ritchie. Musik: Steve Isles. Kamera: David Higgs. Schnitt: James Herbert. Produktion: Dark Castle Entertainment, Toff Guy Films. Mit: Gerard Butler, Tom Wilkinson, Thandie Newton, Mark Strong, Idris Elba, Tom Hardy, Toby Kebbell, Jeremy Piven, Chris Bridges. Warner. 114 Min. Ab 19.03.2009 im Kino.
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