The Pianotuner of Earthquakes
In den 30er Jahren hätte der Stoff der Quay-Brothers sicherlich auch den einen oder anderen Horrorregisseur zu einem atmosphärischen Nervenkitzler inspirieren können. Im Zentrum der Handlung steht ein sinistrer Doktor (der markante deutsche Weltstar Gottfried John), der sich um seine mental gestörten Patienten kümmert, gleichzeitig aber eine manische Liebe zur Musik hegt und die liebliche Stimme der Opernsängerin Malvina für immer konservieren möchte. Als Mittelsmann tritt Felisberto auf, ein Klavierstimmer, der in der Abgeschiedenheit von Dr. Drozs Villa dessen Musikmaschinen generalüberholen soll, damit sie zum Finale das Lebenswerk des Arztes zum Triumph machen. Ein bisschen was von Léo Delibes’ Ballett „Coppelia“ hat die Handlung auch, das sich ja seinerseits bei E.T.A. Hoffmanns „Sandmann“ bediente; gemischt wird das Ganze mit dem schrägen Flair der sperrigen Terry-Gilliam-Filme (der hier übrigens als ausführender Produzent fungierte) und surrealen Momenten, die durch die Szenarien der aufwändigen Musikmaschinen entstehen. Der künstlerische Anspruch trieft aus allen Ecken und Enden, worauf man schon im Eröffnungssatz eingestimmt wird: „Diese Dinge geschehen nie, sind aber immer“. Den artifiziellen Dialogen in den artifiziellen Settings zu folgen, dürfte indes so manchen Zuschauer vor eine harte Geduldsprobe stellen. Einige Bilder sind zwar von betörender Schönheit, oftmals versinkt das Geschehen aber auch in einem unterbelichteten Brei, der den Film auf die beschränkten Mittel einer dialoglastigen Theaterproduktion zurückwirft. Einer Produktion zudem, bei der nur drei der Hauptdarsteller wirklich etwas zu sagen haben. Trotz löblicher Ansätze wohl nur für ausgemachte Kunstliebhaber zu empfehlen.
D/GB/F 2005. Regie und Buch: Stephen Quay, Timothy Quay. Buch: Alan Passes. Mit: Amira Casar, Gottfried John, Assumpta Serna, César Sarachu, Ljubisa Lupo-Grujcic, Marc Bischoff, Henning Peker. Piffl Medien. 99 Min.
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