Tropa de Elite – Thriller
Nascimento arbeitet in Rio für die Elitetruppe der brasilianischen Militärpolizei. Seine Frau ist schwanger und er macht sich mehr und mehr Gedanken darüber, den brutalen und gefährlichen Job an den Nagel zu hängen. Er sucht nach einem potenziellen Nachfolger. Knallharter Sozialthriller.
2008 hat dieses Spielfilmdebüt des vormaligen Dokumentarfilmers José Padilha („Bus 174“) auf den Internationalen Filmfestspielen in Berlin unter Jurypräsident Costa-Gavras den Goldenen Bären als bester Wettbewerbsbeitrag gewonnen. Dass ausgerechnet unter Leitung dieses politischen Linksintellektuellen eine solche Auszeichnung möglich war, sollte alle Unkenrufe, „Tropa de Elite“ sei ein faschistoides Machwerk, eigentlich im Keim ersticken. Natürlich ist bei solch einem brisanten Thema auch diese Lesart möglich, aber da sollte man es sich auch nicht zu einfach machen und etwas genauer hinschauen. José Padilha schildert die haarsträubende Situation von „Recht und Ordnung“ in seinem Heimatland Brasilien an einer Geschichte, die im Rio de Janeiro des Jahres 1997 angesiedelt ist. Der damalige Papst Johannes Paul II. hat einen Besuch in der Stadt angekündigt und will in der Nähe einer der gefährlichsten Favelas von Rio übernachten. Zur Aufrechterhaltung der Sicherheit sorgt in solchen Fällen die „Tropa de Elite“, eine Spezialeinheit der Polizei in schwarzer Arbeitskluft. Auf die normalen Polizisten ist kein Verlass, da das gesamte System von Korruption durchzogen ist, viele ihr Leben angesichts der schwer bewaffneten Bandenbosse nicht für einen Hungerlohn in Gefahr bringen wollen. Anders die Männer der Spezialeinheit, die ein knochenhartes Training durchlaufen haben und zum Töten ausgebildet sind.
Als Identifikationsfigur dient Padilha der Militärpolizist Nascimento, der dem psychischen Druck nicht mehr gewachsen ist, zumal er gerade Vater wird. Anhand seiner Suche nach einem würdigen Nachfolger schildert der brasilianische Filmemacher eindrucksvoll und aus nächster Nähe den Alltag auf den Straßen Rios. Drogengeschäfte, ständig präsente Gewalt, bestechliche Ordnungshüter, Schutzgelderpressungen und die enorme Kluft zwischen Arm und Reich bestimmen das Bild dieser Stadt. Natürlich kann auch das brutale, menschenverachtende Vorgehen der Spezialeinheit nicht die Lösung all dieser Probleme sein. Es ist in der Tat schwierig, die Vorkommnisse aus der Sicht eines Anhängers dieses rücksichtslosen Killerkommandos geschildert zu bekommen. Hier ist der kritische Zuschauer gefragt, der zwischen den expliziten Gewaltdarstellungen und Glorifizierungen der Eliteeinheit auch die Schattenseiten ausmacht, die Padilha einerseits in den Problemen Nascimentos, andererseits aber auch in der Wandlung des Novizen Matias aufzuzeigen versteht. „Tropa de Elite“ ist wahrlich keine leichte Kost, aber er entwirft auch bei weitem nicht die einseitige Perspektive, die ihm wiederholt unterstellt wurde. (4/6)
BRA/NL/USA 2007. Regie und Buch: José Padilha. Buch: Bráulio Mantovani, Rodrigo Pimentel. Musik: Pedro Bromfman. Kamera: Lula Carvalho. Schnitt: Daniel Rezende. Produktion: Zazen Produções, Posto 9, Feijão Filmes, The Weinstein Company. Mit: Wagner Moura, André Ramiro, Caio Junqueira, Milhem Cortaz, Fernanda Machado, Maria Ribeiro, Fábio Lago. Senator. 115 Min. Ab 06.08.2009 im Kino.
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