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ALL INCLUSIVE – Interview mit Peter Billingsley

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ALL INCLUSIVE – Interview mit Peter Billingsley

all inclusive 150x100 ALL INCLUSIVE   Interview mit Peter BillingsleySie sind gerade auf Premieren-Tour, gestern waren Sie auf der deutschen Premiere in Hamburg. Gestartet ist Ihre Reise auf Bora Bora – das natürlich nicht ohne Grund, denn der Film wurde da ja zu einem großen Teil gedreht. Ihre Aufnahme war ja das erste Filmprojekt seit langem auf diesen Inseln im Pazifik, nicht wahr?

Ja, das erste seit dem Film „Hurricane“ mit Mia Farrow. Diese Inseln sind nämlich wirklich am Ende der Welt – drei Stunden südlich von Hawaii mitten im Ozean. Das war aber ganz in unserem Sinne, denn die Inseln spielen im Film ja eine eigene Rolle. Üblicherweise wird in Hawaii, Mexico oder – wenn du Glück hast – vielleicht auch in Florida gedreht. Aber wir wollten schon eine andere, eine neue Kulisse für den Film finden. Das war mir wichtig, weil es in der Handlung darum geht, dass ganz normale Großstadtmenschen an einen total fremden Ortversetzt werden. Die Location durfte also weder den Darstellern noch dem Zuschauer bekannt sein.

Haben Sie sich aber nicht vorher gefragt, warum wohl – wenn Bora Bora denn so ein schöner, unbekannter Ort ist –da noch fast keine Drehs stattgefunden haben?

Ja, auf jeden Fall! Da habe ich mich gefragt, ob sie alle irgendetwas wussten, was ich nicht bemerkt hatte?

So einen Dreh auf Kleininseln zu organisieren muss ja nämlich schwierig sein…

Zum Teil ist das schon sehr schwierig, ja. Da war ich auch in der Tat froh, dass ich Regie geführt habe und nicht Produzent war! Aber es hat sich natürlich gelohnt, sich die Mühe zu machen. Allein die Farben – das türkisblaue Meer, haben zum Film wesentlich beigetragen. Da brauchten wir gar nichts nachzubearbeiten am Computer oder so etwas in der Art.

Und konnten Sie nach dem Dreh auch anschließend einen schönen Urlaub machen?

Klar! Das sind wunderbare Inseln. Nicht von ungefähr suchen sich viele Paare diese Inseln für Ihre Flitterwochen aus. Die Pärchen in unserem Film sind dann aber aus anderen Gründen hingeflogen: Denn sie sind alle schon so lange zusammen, dass sie Therapie nötig haben.

Mussten Sie die ganzen Therapien zunächst recherchieren? Und wie haben Sie das gemacht?

Da müssen Sie nur bei Google Paartherapie eintippen und schon sind Sie gut informiert! Das ist eben eine Stärke des Filmes: Paartherapie ist ein ganz normales Thema. Es gibt viele Beziehungen, in denen beide wollen, dass es gut funktioniert.

Sie geben sich viel Mühe für Ihre Beziehung – und dazu gehört manchmal eine externe Therapie. Dass das längst Alltag ist, ist für uns als Autoren gut: Denn die besten Witze stammen ja aus dem tagtäglichen Leben. Dann muss man sich dann nur noch die extremeren Fälle aussuchen.

Witze aus dem Alltag versteht schließlich jeder.

Eben. Zum Beispiel wie in der Yoga-Szene, wo der Lehrer sich auf seine seelische, mystische Aufgabe beruft, aber sich doch nur über die schönen Frauen hermachen will. Das hat Vince Vaughn – der nicht nur mitgespielt, sondern auch das Drehbuch geschrieben hat – in Los Angeles mit einer ehemaligen Freundin erlebt. Nur haben wir diese Erfahrung aus dem wirklichen Leben dann eben zugespitzt. So funktioniert eine Komödie.

Ist Yoga aber für den Normalbürger wirklich Alltag?

Zugegebenermaßen ist das eher in Kalifornien der Fall! Aber der Kern der Geschichte ist für jeden nachvollziehbar: Vier Pärchen wollen ihre Beziehung retten und ziehen eben alles, was sie an Lösungen finden, zu diesem Zweck heran.

Die vier Pärchen sind auch so gestaltet, dass jeder Zuschauer sich da wiederfinden kann: da gibt es die Freiberufler, die Angestellten, die gestressten Business-Leuten… Haben Sie das bewusst gemacht?

Schon. Und zwar nicht nur von der sozialen Schicht her, sondern auch, dass jedes Paar ein anderes Problem hat: Das eine betrügt sich gegenseitig, das andere führt Machtkämpfe, usw. Ich habe gehört, dass die Zuschauer in Gruppen ins Kino gehen und dass sie sich jeweils mit verschiedenen Figuren identifizieren können. Nichtsdestotrotz haben die vier Pärchen im Grunde alle ein und dasselbe Problem: Ihre Beziehung sind überarbeitungsbedürftig. In die Figuren kann sich daher jeder einfühlen.

Die Zuschauer identifizieren sich aber nicht nur, sondern lassen sich vom Film mitreißen…

… was sicherlich daran liegt, dass wir uns in der Crew alle sehr gut kennen. Vince ist ein langjähriger Freund von mir, mit Jason Bateman stand ich als Kind schon vor der Kamera. Da sind wir als Team sehr gut miteinander klargekommen.

Aber das war sicherlich nicht immer einfach, als Regisseur mit Freunden zu arbeiten?

Die Mischung Kollege und Freund kann auf jeden Fall zu Schwierigkeiten führen. Aber in diesem Film war das kein Thema. Wir haben einfach alle völlige s Vertrauen zueinander – und außerdem schon an einer Menge an Projekten zusammengearbeitet. Das ist für Komödie unheimlich wichtig, denn nur aus diesem Vertrauen kommt es zu der Art Zusammenarbeit, die man braucht. Ein Drehbuch wird zwar geschrieben, ich bin zwar Regisseur, aber viele gute Ideen entstehen aus der Situation heraus – und da kann jeder etwas zu beitragen.

Aber funktioniert das auch noch, wenn Ihr Hauptdarsteller auch noch Drehbuchautor und Produzent ist?

Auch eine mögliche Falle, das stimmt: Aber eigentlich ist das für den Film von Vorteil gewesen, weil Vince so immer vor Ort war. Denn er hat mich immer wieder daran erinnert, dass das Wichtigste bei jedem Film eine gute Geschichte ist. Als

Regisseur kann man sonst dazu neigen, die Kostüme, den Drehort und Organisation über zu bewerten.

Sie waren aber vorher selbst auch schon Darsteller?

Eben, deshalb kam ich mit unseren Schauspielern sehr gut klar. Wir haben zum Beispiel immer die Kameras laufen lassen, falls aus der Improvisation heraus etwas unerwartet Schönes entsteht Auf diese Art und Weise sind einige gute Szenen entstanden.

Warum sind Sie später zur Regie gewechselt?

Als Schauspieler kann man den Film eigentlich nur zu einem Drittel beeinflussen. Das habe ich schon als Kind gemerkt und bin von daher immer länger geblieben nach den Aufnahmen, um zum Beispiel beim Schnitt dabei zu sein. Ich bin so allmählich hinter die Kamera gewechselt.

Der Film ist ihr erstes eigenes Projekt als Regisseur. Warum haben Sie sich den Film für diesen Schritt ausgesucht?

Das hatte viele Gründe. Vince ist auf mich zugekommen mit dieser Idee und mit der männlichen Besetzung, die ich schon alle gut kannte. Und das Konzept fand ich klasse. An dem Film mag ich eben das Einfache, das Alltägliche, die Tatsache, dass sich alle da reinhängen können. Das sind keine „Hollywood-Probleme“ – das sind Fragen, an denen wir uns alle im Verlauf unseres Lebens mal schwertun. Ich konnte von meinen Beziehungen her schon verstehen, worum es ging. Und fand natürlich die Witze super. Außerdem durften wir ja alle nach Bora Bora! Wobei mal wieder im Ernst: Das ist ein super Projekt und ich wollte das mit Vince umsetzen.

Wie war es dann, im Schneideraum als Regisseur zu sitzen?

Es war toll! Es gibt in Hollywood den Spruch: Wenn du deinen ersten Film überlebst, dann überlegst du dir, ob du eventuell noch einen drehen willst. Und ich habe da mehr als überlebt: Ich habe es wirklich genossen, jede Sekunde. Das werden bis zum Projektabschluss schon gute zwei Jahre Arbeit gewesen sein, da muss man die Zeit auch genießen, muss voll hinter dem Projekt stehen. Sonst fragst du dich nach einiger Zeit, „was machst du eigentlich?“.

Und wie sieht Ihre Zukunft aus? Der Film ist zurzeit ja in den USA auf Platz 1 – auf dem Erfolg kann man bauen.

Das will ich auch tun! Mit Vince habe ich eine Produktionsfirma gegründet, wir wollen weiterhin Projekte zusammen umsetzen. Mir ist auch wichtig, dass ich Vince mal dazu bringe, als Regisseur zu arbeiten: Denn mit seinem Talent und seiner Kreativität wird dabei sicherlich etwas sehr Gutes rauskommen. Mit Vince möchte ich auch in Zukunft Filme dieser Art produzieren.

In welcher Art?

Filme, die für ganz normale Zuschauer zugänglich sind, egal, wo sie leben. Filme, bei denen jeder lachen und mitfühlen kann. Das ist zwar vor der Premiere schwierig einzuschätzen, ob das so klappt, aber wir werden uns immer anstrengen, Filme für das Publikum zu machen – nicht für die Kritiker, nicht für Cineasten – für ganz normale Menschen. Und solange ich noch an mich glaube, mich mit guten Leuten umgebe und das Filmemachen selbstbewusst angehe, werde ich das gut hinkriegen.

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