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ALL INCLUSIVE – Interview mit Vince Vaughn

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ALL INCLUSIVE – Interview mit Vince Vaughn

all inclusive 150x100 ALL INCLUSIVE   Interview mit Vince VaughnSie sehen etwas müde aus: Wie war die Premiere gestern Abend?

Ja, super! Wobei wir ja nicht so lange unterwegs waren nachher – die anderen vielleicht. Aber ich war nur kurz mit meiner Verlobten was essen und bin dann früh schlafen gegangen.

Ja?

Ja, ganz ehrlich!

Gut, das glauben wir Ihnen dieses eine Mal. Übrigens: Herzlichen Glückwunsch! Jetzt, wo Sie sich verlobt haben, haben Sie den ersten Schritt in eine Ihnen jetzt wohl sehr vertraute Richtung getan…

Meinen Sie etwa Paartherapie? Ja, darum geht es ja im Film. Bevor wir aber zur Therapie müssen, möchte ich erst mal mit meiner Frau Kinder haben. Oder zumindest adoptieren, was sogar besser wäre: Da könnte man nämlich ein Kind im Alter von 17 aufnehmen. Dann muss man es nur noch ein Jahr unterstützen…

Ihr kleiner Sohn im Film ist längst noch nicht so weit, aber denn könnten Sie auch adoptieren, oder?

Ja, durchaus! Ist er nicht süß? Übrigens finde ich das toll, mit Kindern vor der Kamera zu stehen. Sie sind so direkt, so ehrlich. Da muss man nur die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, dass sie sich wohlfühlen und Spaß haben, und dann passieren sehr schöne Sachen. Da habe ich als Onkel zweier Kinder schon Erfahrung gesammelt; und unser Regisseur der Peter Billingsley stand schon als Kind vor der Kamera und weiß, wie man es machen muss, damit sie Spaß haben.

Lassen Sie sich von den Kindern gelegentlich auch inspirieren?

Das auf jeden Fall! Onkel sein ist ja herrlich, denn ich hole mir diese Inspiration und kann am Ende des Tages nach Hause gehen. Aber auch mal im Ernst: Ich liebe Kinder. Sie lachen gerne und wollen Spaß haben – so wie ich. Ich freue mich schon auf meine Kinder.

Im Film spielen Sie jedenfalls ganz unbefangen wie ein Kind Luftgitarre…

Richtig! Aber das machen eben sehr viele Erwachsene – vor allem deswegen, weil man in einer Beziehung am Wochenende nicht immer weggeht, sondern sich mit anderen Paaren trifft und sich einen Fernsehabend oder einen Videospiel-Abend macht. Ich spiele solche Dinger sehr gerne – ich bin dann ganz bei der Sache und, obwohl es mir in erster Linie um Unterhaltung geht, stecke ganz viel Mühe rein. Nachher lacht man sich natürlich aus, aber Spaß macht es auf jeden Fall. Es ist einem hinterher dann peinlich, aber so sind wir Menschen.

Sie aber nicht so, haben wir den Eindruck?

Das stimmt. Peinlich ist mir fast nichts. Ich war schon immer so, habe immer „Spaß haben“ vor „Coolsein“ gestellt. Erst wenn man sich seine ironische Haltung abschminkt und voll einsteigt, machen die Dinger wirklich Spaß.

Was war denn Ihr Lieblingsspiel als Kind?

Jetzt als Erwachsene schon Luftgitarre! Meinen Videospiel-Konsum habe ich, seitdem ich in einer Beziehung bin, spürbar runtergefahren. Mit meinen Neffen und Nichten spiele jetzt viel, und dann schon eher mit alten Spielzeugen, die die Phantasie herausfordern – also mit traditionellen Spielzeugen, bei denen man sich eine Geschichte ausdenken muss. Heute hingegen sind Kinder aber schon im Alter von vier oder fünf im Internet unterwegs. Das hat sich seit meiner Jugend vielleicht verändert!

Sie haben dann mit Figürchen und so was gespielt?

Ja sicher! Mein Vater war ja Spielzeugverkäufer, also hatte ich eine ausgezeichnete Quelle. Er musste immer durchs Land fahren und neue Spielzeuge vorstellen – und die Exemplare habe ich nachher immer geschenkt bekommen. Und er war viel unterwegs!

Im Film spielen Sie ja auch einen Vater, der wegen der Arbeit nicht immer für seine Kinder da sein kann. Inwiefern haben Sie Ihre Rolle im alltäglichen Leben recherchiert?

Sehr stark habe ich da recherchiert. Meine Filme liegen immer sehr nah an der Lebenswirklichkeit von normalen Menschen: Schon bei „Swingers“ war das der Fall. Kein Film, der von der Kritik überhaupt beachtet wurde, der aber dafür schon nach paar Jahren als Kult angesehen wird. Denn in dem Film ging es darum, wie das Leben als junger Mann ist: Nichts Aufregendes eigentlich – Party machen, Frauen anlabern – aber genau das, was junge Männer erleben. Nur von uns leicht überspitzt und lustig aufgezogen.

Und in diesem Film geht es um die Lebenswirklichkeit zehn Jahren später.

Ganz genau. Damals waren wir wie die Swingers, jetzt bin ich wie viele andere Menschen: Man ist verheiratet, hat eventuell Kinder und möglicherweise ein Haus, das man abbezahlen muss. Kinder wollen ja erzogen werden, und so ein Haus will gepflegt werden: Man hat kaum mehr Zeit für sich oder für seine Frau. Man ist gehetzt und kommt nie zur Ruhe – wie im Hamsterrad fühlt sich das an.

Also bleibt die Beziehung auf der Strecke?

Eben. So wie ich es bei einigen Freunden beobachtet habe, man wächst so langsam auseinander. Dann fängt es mit kleinen Meinungsunterschieden an – zum Beispiel wie oder ob die Kinder jetzt bestraft werden sollen, weil sie etwas falsch gemacht haben – und das vertraute Heim wird zu einem Arbeitsplatz, wo man sich durchsetzen muss: Seiner Frau oder seiner Freundin gegenüber! Meistens schafft man das schon, längst nicht alle Beziehungen scheitern daran. Aber es ist manchmal schwierig. Es ging mir in diesem Film darum, die Frage zu stellen, ob das so sein muss? Ob zu einem gemeinsamen Leben doch nicht mehr als Argumentieren, Abstimmung und Abfindung dazu gehört?

Ist das also die Botschaft des Filmes? Dass eine Beziehung mehr ist?

Das ist die Botschaft, ganz genau. Nicht jedes Paar wird – wie wir im Film – das Glück haben, nach Bora Bora fliegen zu können und Hilfe von Paartherapeuten zu bekommen. Aber im Film zeigen wir, dass die Therapie eben allein nicht ausschlaggebend ist. Die Paare müssen wieder zueinander finden – und das geht ganz einfach. Zum Beispiel trinkt meine Figur gegen Ende des Filmes wieder ein Bierchen mit seiner Frau zusammen nachts, draußen, unter den Sternen – ganz wie sie das früher gemacht hätten. Das kann man nun in einer Familie nicht jeden Tag machen, aber man sollten mal die Meinungsunterschiede beiseitelassen und hin und wieder einfach das machen, was man früher gerne zusammen gemacht hat. Vielleicht nur einmal die Woche, aber dann auf jeden Fall.

Paare müssen also lernen, wieder aufeinander zuzugehen?

Ja, und nicht nur das. Lernen überhaupt! Wir lernen ja alle am schnellsten aus unseren Fehlern. Die muss man also eingestehen können und dann weitermachen. Das kommt vor allem mit dem Alter und mit der Erfahrung.

Sie sagen Fehler und Erfahrung: Aber viele Menschen wollen das alles direkt vom Therapeuten lernen – sind wir als Gesellschaft zu abhängig von Therapien und Beratung?

Ich kann da keinem erzählen, was für ihn am besten geeignet ist. Jeder muss sehen, was ihm was bringt, und was nicht. Aber wenn eine Therapie ihm in der Tat nichts bringt, dann sollte er das schon abbrechen.

Haben Sie da Erfahrung gemacht?

In der Schule musste ich in die Therapie, weil ich Lernschwierigkeiten hatte. Aber das ist ja alles lange her und abgeschlossen.

Sie brauchten aber bestimmt eine Therapie, bevor Sie für die eine Szene mit diesen ganzen Haien schwimmen konnten…

Der Film Der weiße Hai hat mich da schon traumatisiert. Zudem bin ich in Chicago aufgewachsen – also weit vom Ozean weg – und es ist mir in L.A. dementsprechend nie wichtig gewesen, nah am Strand daran zu wohnen. Der Dreh kostete mich schon echte Überwindung. Stellen Sie sich das mal vor: Haie! Der Verstand sagt: „Nicht rein springen. Unter keinen Umständen!“

Aber Sie haben es schließlich doch gemacht.

Ja, mussten wir auch. Und so schlimm war es letztendlich nicht. Wir waren dann noch einige Wochen auf der Insel und, weil ich das dann konnte, bin ich öfter neben den Dingern schwimmen gegangen. Das war schön, diese Erfahrung gemacht zu haben und Herr der Situation geworden zu sein.

Eine neue Erfahrung für Sie wäre es auf jeden Fall, im Regiestuhl zu sitzen – Ihr Freund und Regisseur Peter Billingsley hat uns erzählt, dass er Sie dazu bringen will. Haben Sie vor, das auszuprobieren?

Vielleicht schon. Ich kenne mich da nämlich insofern aus, als Peter alles mit uns bespricht und unsere Meinungen sehr schätzt. Von daher habe das schon einigermaßen kennen gelernt.

Und ist das für Sie die gute Art, einen Film zu machen? Mit Freunden auf eine Insel zu fahren und da was zu drehen?

Natürlich steckt viel mehr dahinter, aber im Grunde genommen finde ich das schon gut, ja. Vor allen wenn man einen Draht zu bestimmten Leuten hat, will man mit denen arbeiten: Unser Therapeut im Film, zum Beispiel, Michael Higgins. Auch schön war die Zusammenarbeit mit anderen engen Freunden von mir: Jason Batemen, Jon Favreau, Faizon Love… Das war aber keine Spaßveranstaltung. Ich habe meine Freunde gewählt, weil ich weiß, dass sie das gut können. Wir haben uns jeden Tag angestrengt, einen guten Film zu machen: Und die Arbeit hat sich gelohnt, da das Publikum unseren Film offenbar sehr gut annimmt. Die Menschen wollen sehen, wie sich die Beziehungen unserer Figuren entwickeln – das ist ein Riesenkompliment.

Was hat Sie denn speziell am Thema Beziehungen interessiert?

Naja, das Leben besteht eben aus Beziehungen: Daher handeln eigentlich alle meine Filme von Beziehungen – auch wenn es nicht immer gleich Liebesbeziehungen sind. Denn keine Komödie und kein Action-Film funktioniert nur als Aneinanderreihung von Witzen beziehungsweise Stunts – der Kinogänger muss sich auch noch für die Menschen und die Beziehungen interessieren.

Und woher haben Sie ihr Material, um sich Beziehungen auszudenken, die das Publikum auch mitreißen?

Ich bin seit langer Zeit ein eifriger Menschenbeobachter. Ich habe gelernt, dass jeder Mensch mal Recht haben kann, dass es immer mehr als eine Art gibt, ein Problem zu lösen. Aber es sind auf jeden Fall Menschen, ihre Fehler und ihre Beziehungen, die der Schlüssel sind für jede Geschichte.

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