DAS VERMÄCHTNIS DES GEHEIMEN BUCHES – Interview Nicholas Cage, (Benjamin Franklin Gates)
Erklären Sie uns ein wenig, was Ben und seine Gang in DAS VERMÄCHTNIS DES GEHEIMEN BUCHES wieder auf Schatzsuche treibt?
Nicolas Cage: Zunächst einmal sieht er sich in die Pflicht genommen, den guten Ruf seines Ururgroßvaters wiederherzustellen. Thomas Gates war ein Freiheitskämpfer, der in Wirklichkeit die Überzeugungen Lincolns unterstützte. Im Film dagegen erfahren wir, dass er als Sympathisant der Südstaaten hingestellt wird und dass er die verschwundenen Seiten aus dem Tagebuch von Booth verbrannt haben soll, da er auf der Suche nach einem unglaublich wertvollen Schatz war, mit dem eine Rebellion auf Seite der Südstaaten finanziert werden sollte. Die Wahrheit aber ist, dass er verhindern wollte, dass der Schatz in die Hände der Südstaaten fällt. Dann kommt Ed Harris ins Spiel, der im Film behauptet, mein Ururgroßvater habe sozusagen auf der falschen Seite gestanden.
Dieser Film ist nun ihr erstes Sequel. Was hat Sie bewogen, auch bei DAS VERMÄCHTNIS DES GEHEIMEN BUCHES mitzuwirken?
Nicolas Cage: Ja, das ist tatsächlich so. Beim ersten Film hatte ich einen riesigen Spaß. Jemand hat mal gesagt, das einzige worauf es ankomme sei, ob man die Leute und den Ort mag, wo man arbeitet. Dem kann ich nur beipflichten. Außerdem denke ich, wenn man schon ein Sequel dreht, gibt es wirklich schlimmeres, als junge Leute anzuregen, ihre Geschichtsbücher aufzuschlagen. Es sprach also einiges dafür.
Interessierten Sie sich bereits vor Sie diesen Film für Geschichte?
Nicolas Cage: Oh ja, ich befasse mich gerne mit der Vergangenheit und mit dem, was von ihr übrig ist. Ich mag alte Gebäude und es ist ein Genuss, in London zu drehen, denn in L.A. haben wir ja nichts dergleichen. Abgesehen davon, haben mich Kunst und antiquarische Bücher stets fasziniert. Mir gefällt einfach, wie sie gemacht sind.
Gibt es eine Ära, die Sie besonders interessiert?
Nicolas Cage: Im Augenblick beschäftige ich mich viel mit der Zivilisation der Kelten, ihrem Glauben sowie der ganzen damaligen Zeit, als christliche und heidnische Zivilisationen nebeneinander existierten. Die ganze Verflechtung zwischen ihnen finde ich überaus interessant.
Wie sehr haben Sie angesichts Ihres Geschichtsinteresses das Drehbuch und die Handlung beeinflusst?
Nicolas Cage: Das ist eben einer der Aspekte, die ich an diesem Team besonders schätze. Sie ermutigen einen, hören zu und setzen sich dann noch mal mit den Drehbuchschreibern zusammen. Gelegentlich spreche ich mit den Autoren und erkläre Ihnen, was ich gerne realisieren möchte, und sie geben mir dann Spielraum für Improvisation. Es ist also ein sehr kooperativer Prozess.
DAS VERMÄCHTNIS DES GEHEIMEN BUCHES ist eine recht einfache Darstellung von Geschichte. Verfolgen Sie auch „ernstere“ Geschichtsfilm-Projekte?
Nicolas Cage: Natürlich, ich bin für alles offen. Das Schöne an einem Popcorn-Movie dagegen ist, dass man ein größeres Publikum anspricht, vor allem das junge Publikum, das man auch stärker begeistern kann, denn ich möchte in der Lage sein, alle Altersgruppen zu erreichen. Welche Entwicklung macht Benjamin Gates in diesem Film durch. Beim ersten Film überwog in ihm der Held wider Willen…
Wenn ich ihn in eine Schublade stecken muss, dann ist er teils ein Spießer, teils ein besserer Straftäter. Ich meine schon, das Beutemachen gefällt ihm und gibt ihm einen Stoß Adrenalin. Er macht dies aber auch, weil ihm sein Großvater ein Geheimnis verraten hat, als er noch ein Kind war, und ich glaube, dass er deshalb das Schatzsuchen als persönlichen Auftrag ansieht. Das nimmt er sehr ernst und ich würde sagen, dass er tatsächlich an eine Art altmodischen, geradezu altertümlichen Ehrenkodex glaubt, der heutzutage fremd wirkt.
Wie wird Ihre Rolle aufgefrischt?
Nicolas Cage: Indem neue historische Themen ins Spiel kommen. Diesmal werden die indianischen Kulturen der Azteken und Olmeken berührt, es geht um den Attentäter Lincolns, John Wilkes Booth, das Gold der Südstaaten und den Sezessionskrieg. Ich versuche daher, die Geschichte zu betrachten wie Basil Rathbone seine Sherlock-Holmes-Filme. Jede Episode war ein völlig neues Abenteuer, bei dem er zusammen mit Doktor Watson unterschiedlichste Fälle aufzuklären hatte.
Trifft Ben den Charakter, den Sie am liebsten verkörpern?
Nicolas Cage: Nun, ich mag Stanley Goodspeed (The Rock – Entscheidung auf Alcatraz) sehr gern. Ich mag solche untypischen Helden, von denen man als allerletztes erwarten würde, dass sie eine Mission hinbekommen. Doch muss ich dazusagen, dass mir Ben Gates wohl mehr Gelegenheit bietet, um ein vielseitiges Abenteuerspektrum zu entwickeln.
Es war auch mal die Rede von einer Fortsetzung von „The Rock“…
Nicolas Cage: Sean Connery und ich sind gute Freunde und ich wette, dass er mitmachen würde. Es wäre phantastisch, denn ich arbeite sehr gerne mit ihm und würde liebend gerne wieder einen Film mit ihm machen. Es war mal im Gespräch, aber ich weiß nicht, was daraus wurde. Ich glaube es war halt eine zu harte Nuss, weil „The Rock“ eben Alcatraz ist, und das haben wir schon gemacht.
Haben Sie früher schon mal Sequels abgelehnt?
Nicolas Cage: Ich bin ihnen immer aus dem Weg gegangen, da mir früher der Gedanke, mich zu wiederholen, eigentlich nicht zusagte. Doch in diesem Fall hatte ich den Eindruck, dass jede Episode ein vollkommen neues Abenteuer voller Möglichkeiten in sich birgt, allein schon deshalb, wie die Rolle angelegt ist, nämlich als Geschichtsdetektiv. Der Originaltitel lautet „National Treasure“, im Grunde genommen wäre „International Treasure“ passender… In gewisser Hinsicht stimmt das. Mir gefällt dieser Gedanke eines solchen Titels. Hoffentlich wird daraus irgendwann mal eine neue Folge: International Treasure.
Wie stark wiegen Ihre italienische Wurzeln?
Nicolas Cage: Sie sind mir sehr wichtig. Mein Vater war sehr stolz darauf, Italiener zu sein, und ich bin in diesem kulturellen Umfeld aufgewachsen. Allerdings tendiere ich eher zu einer internationalen Sichtweise. Nach meiner Auffassung wird der Friedensgedanke von einer kosmopolitischen Haltung getragen und ich denke, wenn man sich von Nationalstolz treiben lässt, verfällt man leicht gefährlichen Gedankengängen. Daher betrachte ich mich selbst lieber als Weltbürger.
Was lesen Sie und woher beziehen Sie Ihre Informationen zu politischen oder aktuellen Themen?
Nicolas Cage: Ich habe meine eigenen Ansichten, diesen Anspruch nehme ich für mich ein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand besser als die anderen sein soll. Wenn ich in einem anderen Land bin, versuche ich daher, mich irgendwie als Mitbürger zu sehen; so lassen sich besser Beziehungen herstellen.
Welche Gedanken bewegten Sie bei der Arbeit zu einem Film wie World Trade Center?
Nicolas Cage: Das hat sich wirklich zugetragen und ist eine Tatsache, die es zu erinnern gilt. Es geht weniger um Politik als um ein Stück Geschichte. Was sich dort zutrug, kann sich überall ereignen und ist auch anderswo rund um die Welt geschehen, weshalb jeder einen Bezug dazu hat. Letzten Endes handelt die Geschichte vom Überleben. Ob sie sich nun in Amerika, in England oder in Asien zuträgt, ist unwesentlich. Wie können Leute auf dem Grund eines Schachts mit all den Trümmern über ihnen überleben? So schlicht und einfach sehe ich das. Auch halte ich es für wichtig, diese historischen Ereignisse mit Tatsachen zu dokumentieren, vor allem für Kinder, denn sie stellen Fragen und wollen wissen, was geschah.
Die letzten Jahre waren sehr arbeitsintensiv für Sie. Haben Sie da noch Zeit, Ihren eigenen Interessen nachzugehen?
Nicolas Cage: Für mich hängt beides zusammen. Wenn mich etwas persönlich interessiert, schlägt es letztendlich in meiner Arbeit durch, was sie auch glaubhaft macht. Nur wenn ich daran arbeite und ausdrücke, was mir wirklich wichtig ist, kann ich auch überzeugend sein.
Mit Jerry Bruckheimer haben Sie bereits mehrmals gearbeitet. Was macht die Arbeit mit ihm so interessant?
Nicolas Cage: Vor allem die Tatsache, dass es eine sehr enge Zusammenarbeit ist. Ein wenig ähnelt das einem Hochseilakt, es ist einem stets ein wenig bange, da man nicht genau weiß, was bevorsteht und wann man es macht. Andererseits verleiht es der Arbeit eine gewisse Spontaneität. Wenn man sich gern auf ein Hochseil stellt, dann ist das genau die richtige Arbeitsmethode und ich neige sowieso dazu, gern Risiken einzugehen.
DAS VERMÄCHTNIS DES GEHEIMEN BUCHES – Interview Nicholas Cage, (Benjamin Franklin Gates) wurde bearbeitet von Patrick Fiekers • Permalink • Kommentar schreiben »













