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Interview: Heino Ferch zu Troja

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Interview: Heino Ferch zu Troja


schatz von troja.thumbnail Interview: Heino Ferch zu Troja

„Der geheimnisvolle Schatz von Troja“: Auf den anstrengenden Spuren des Archäologen Heinrich Schlieman. Heino Ferch sprach mit DigitalVD.de über den enormen Kraftakt, ein guter Schauspieler zu werden…

Ein sehr ehrgeiziges und ein immens an den Kräften zehrendes Projekt, den Zweiteiler „Der geheimnisvolle Schatz von Troja“ über das Leben des besessenen Hobby-Archäologen Heinrich Schliemann (1822-1890), strahlte im März aus. Die Titelrolle spielt kein geringerer als Heino Ferch. An seiner Seite ist der französische Shooting-Star Mélanie Doutey als Heinrich Schliemanns junge griechische Ehefrau Sophie Angastromenos zu bestaunen:

DigitalVD.de: Wie sind Sie auf Heinrich Schliemann gestoßen?

Ferch: Vor einigen Jahren las ich im Flugzeug das Buch „Der Schatz des Priamos“; das faszinierte mich derart, daß mir sogleich eine Verfilmung durch den Kopf ging. Da war die Idee geboren, in die Rolle des Geschäftsmannes und Archäologen zu schlüpfen. Es gibt gewisse Bücher, Serien und Filme, die einen von Kind auf begleiten, wie beispielsweise „Meuterei auf der Bounty“ oder „Robinson Crusoe“.

DigitalVD.de: Was hat Sie dann an den großen Schliemann näher herangebracht?

Ferch: Die Idee für einen Film, oder Zweiteiler stammt eigentlich von meiner Agentin und mir. Ariane Krempe von „teamWorx“ war davon sofort begeistert. Dann kniete ich mich, wie gesagt, sehr intensiv in die Bibliographien und Romane über Heinrich Schliemann. Besonders beeindruckte mich, dass er wirklich nicht in eine Schublade passte, er war sehr bewundernswert, zum anderen auch sehr ungemach, grenzenlos selbstsüchtig. Das war eine gewisse graue Aura, die ihn umgab. Und die machte für mich die Sache noch viel interessanter.

DigitalVD.de: Da war dann noch der Handel mit der wesentlich jüngeren Braut…

Ferch: Ganz genau, eine 18jährige griechische Braut zu kaufen, ist schon ziemlich heftig, finde ich und zeigt, was für ein grenzenloser Macho er doch war. Es musste „seine Helena“ sein, mir der er gemeinsam den Schatz ausgraben wollte. Klar, dass die über Homer bescheid wissen musste! Die beiden streiten, vertragen sich, sie reist ab, kommt wieder, usw. Da ging es schon drunter und drüber.

DigitalVD.de: Wer waren denn Ihre ganz persönlichen Helden?

Ferch: Als Kind schon, aber die beiden Meeresforscher Jacques Cousteau auf seiner „Calypso“ und Hans Hass haben mich schon immer stark und nachhaltig beeindruckt. Ich fand es toll, dass die so wagemutig, ja fast todesmutig ihre Sache, an die sie fest glaubten, durchzogen, ohne Rücksicht auf eigene Verluste. Und obendrein erwiesen sie durch ihre Forschung den Menschen einen großen Dienst. Die beiden haben wirklich ein großartiges Erbe hinterlassen. Man kann das gar nicht genug bewundern, wenn sich Menschen ganz arg für ihre Sache einsetzen, um die mit absoluter Kraft und Disziplin zu erfüllen.

DigitalVD.de: Dann haben Sie auch Kraft und Disziplin?

Ferch: Das habe ich auf jeden Fall sehr strapaziös gelernt und dabei auch viele Federn lassen müssen. Mein Leistungs-Sport hat mir dabei die nötige Disziplin und den Respekt beigebracht, weil man unendlich lange trainieren und üben muß, um sein Ziel endlich zu erreichen. Das verhält sich beim Schauspielern ganz ähnlich. Üben, üben und noch mal üben…

DigitalVD.de: Wer hat Ihnen dann den Weg geebnet, diese Fähigkeiten effektiv einzusetzen?

Ferch: Das war der Regisseur Franz Baur-Pantoulier von der bayerischen Staatsoper. Der inszenierte als Regisseur viele Musicals, Opern und andere Events, wie die Eröffnung der Olympischen Spiele 1972. Ende der 70iger Jahre suchte er in Bremerhaven Artisten, die tanzen konnten und auch noch akrobatisch sein mussten. Es ging um das Musical „Can Can“; da bekam ich eine Rolle, und er hat mir dann die Möglichkeiten vor Augen geführt, auf der Bühne zu agieren.

DigitalVD.de: Apropos Sport: Sie reiten ja selbst sehr gerne, da kamen Ihnen doch die Reitszenen in Kroatien sehr zupaß…r?

Ferch: Aber natürlich, ich saß auch in den meisten Szenen selbst auf dem Pferd, und habe mich nicht doubeln lassen. Das war schon sehr spannend. Und für die Dreharbeiten selbst war es ebenso erleichternd, mich in Großaufnahmen filmen zu können. Da ich seit mehreren Jahren sehr gerne Polo spiele, war das dann sehr vorteilhaft für die gesamte Filmcrew.

DigitalVD.de: Wie definieren Sie den Begriff „Star“ oder gar „Superstar?“

Ferch: „Superstar?“ – Das ist doch lächerlich, ein Star wird gemacht, vom Publikum und den Medien. Ich kann diesen Rummel gar nicht so nachvollziehen. Das will ich auch nicht. Die Schauspieler sollen ihre Arbeit gut machen und mehr nicht. Wenn ich diese Show und die millionenschweren Partys sehe, wird mir ganz anders.

DigitalVD.de: Was ist denn Ihre eigene größte Schwäche?

Ferch: Das ist mit Sicherheit das Ungeduldige, oft konnte es gar nicht schnell genug gehen, und ich wollte alles geben, was ich aufzubieten hatte. Dennoch zeigte ich natürlich einige Unsicherheiten, wie halt jeder Mensch bei einer unbekannten Sache. Manchmal ist es wirklich gut, wenn die Ungeduld durch andere und äußere Umstände gebremst wird.

DigitalVD.de: Wie beurteilen Sie nun, nach getaner Filmarbeit, den „großen“ Heinrich Schliemann?

Ferch: Ich habe mich immer gefragt, was das für ein Mensch gewesen sein muß. Besonders reizvoll ist es in diesem Sinne, dass ihn eine gewisse Grauzone umgibt. Das war kein einfacher Typ, sehr egoistisch, für seine Ideale ist Schliemann über Leichen gegangen. Böse Zunge behaupten auch, er habe sich den Ruhm nur ergaunert. Tatsächlich hat er sich nicht nur seine Frau, sondern auch seinen Doktortitel gekauft. Er war kein Akademiker im klassischen Sinn. Im Gegenteil, ein Chauvi der hoch stapelte. Dennoch bleibt Schliemann ein Mythos, der bis in unsere Zeit reicht, und ein Mann, der für seinen Traum weit über die Grenzen seiner physischen Kapazität gegangen ist. „Dieser Mann hatte eine Obsession, für die er alles aufgab. Trotz des Gelächters um ihn herum jagte er seinem Traum nach.

DigitalVD.de: Welchem Traum jagen Sie denn nach?

Ferch: Keinen großartigen Traum bin ich je nachgejagt, denn die Träume werden ja nun wirklich im Laufe der Zeit immer kleiner. Aber schon als Kind habe immer schon Sport geliebt, dann ja auch sehr stark ausgeübt, zum anderen insbesondere den Zirkus mit all seinen Begleiterscheinungen abgöttisch bewundert. Die riesigen Zelte zogen mich magisch an. Wenn Busch-Roland, Krone, Knie oder Althoff in unsere Stadt kamen, war ich immer sofort zur Stelle, habe sogar teilweise mit Hand angelegt, mit aufgebaut und auch im Zelt geschlafen. Das war manchmal ganz schön ungemütlich. Aber die unterschiedlichen Schicksale in diesem bunten Milieu faszinierten und faszinieren mich immer noch, weil ich Artisten und Künstler, vor allem aber die zirzensische Atmosphäre liebe, die die Zirkuswelt umweht. Diese Welt ist für mich sehr ehrlich, zumal die jeden Abend scheitern und verunglücken könnten. Auf der anderen Seite finde ich Dirigenten klasse, die allein auf sich gestellt ein gesamtes Orchester leiten können, etwas auf die Beine Stellen, so daß sie einen kompletten Konzertsaal oder ein Opernhaus erzittern lassen können. Es ist immer eine tolle Sache, wenn man Menschen mitreißen und ihre Emotionen aufwecken kann.

Zu Heino Ferch: Der Sohn eines Kapitäns stand im Alter von fünfzehn Jahren für „Can Can“ zum ersten Mal auf der Bühne und reiste als Leistungsturner durch Europa. Sein großer Durchbruch als Filmschauspieler gelang ihm 1997 mit Hauptrollen in „Comedian Harmonists“(Regie: Joseph Vilsmaier), „Das Leben ist eine Baustelle“ (Regie: Wolfgang Becker) und „Winterschläfer“ (Regie: Tom Tykwer). Ein Jahr später hatte er eine Gastrolle als Gangster Ronnie in Tom Tykwers Lola rennt: Ferch hat in einigen Filmen mit Alexandra Maria Lara gespielt: „Der Untergang“ (Regie: Oliver Hirschbiegel), „Vom Suchen und Finden der Liebe“ (Regie: Helmut Dietl), „Napoléon“ (Regie: Yves Simoneau), „Der Tunnel“(Regie: Roland Suso Richter). Der Bremerhavener gehört zweifelsohne zur Männer-A-Riege des deutschen Films.

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