Interview mit Alexandra Maria Lara
DigitalVD.de: Was hat Sie an der Rolle besonders gereizt?
Alexandra Maria Lara: Vor allem Doris Dörrie. Ich hatte ja schon mit ihr in „Nackt“ zusammengearbeitet. Sie ist sehr professionell und es macht sehr viel Freude, mit ihr zu drehen. Interessant war natürlich auch für mich die Geschichte vom Fischer und seiner Frau; darin kann Ida filmisch eine tolle Position einnehmen, die sich immer wieder verändert.
DigitalVD.de: Sehen Sie Parallelen zu Ihrer eigenen Biographie?
Alexandra Maria Lara: Biographisch gesehen ist Ida Rumänin wie ich. Sicherlich gibt es da Ähnlichkeiten, wie meine Eltern, die 1983 aus Rumänien flohen. Das fließt natürlich irgendwo im Film ein. Das sind plausible Möglichkeiten, aber keine nennenswerten Parallelen.
DigitalVD.de: Lieben Sie Märchen?
Alexandra Maria Lara: Auf jeden Fall. Sie begleiten einen das ganze Leben und sind so wundervoll, weil es doch im Alltag viele Parallelen gibt. Besonders liebe ich „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen; das ist so ein trauriges Märchen…
DigitalVD.de: Wie sehen Sie die Beziehung im Film?
Alexandra Maria Lara: In einer Beziehung muß jeder seinen eigenen Raum haben, und jeder bewegt sich weiter. Das ist die Kunst jeder Beziehung. Wenn beide Partner auseinander driften, kann das natürlich sehr schwer werden, wie man sieht.
Ich finde es gut, wenn man sich weiter entwickelt, nicht nur stehen-bleibt, aber ab und zu sollte man sich eine Pause gönnen, um zu verschnaufen.
DigitalVD.de: Sind Sie so wie Ida?
Alexandra Maria Lara: Nein, nicht exakt, obwohl ich mich mit dem Charakter sehr gut identifizieren kann, nur treibt sie es bisweilen zu extrem und erreicht einen Punkt, den ich nicht für erstrebenswert halte. Trotzdem finde ich ihre Power und Ausdauer klasse. Im Film will Ida ja auch immer mehr, weil er überhaupt nichts will, dadurch entwickelt sie ja diesen Extremdrang. Das, was sich gut ergänzen könnte, driftet hier jedoch auseinander.
DigitalVD.de: Geben Sie denn den beiden keine Chance?
Alexandra Maria Lara: Doch schon. Es gibt sicherlich Paare, die es schaffen, wie Ida und Otto, zueinander zu finden, wenn sie wollen. Andere nicht, wenn sie nicht kompromissbereit sind oder nicht imstande sind, die eigenen Fehler einzugestehen.
DigitalVD.de: Ist Ida zu schwierig?
Alexandra Maria Lara: Na ja; sie verlieben sich, und keiner weiß, wie der andere ist. Beide haben plausible Gründe. Sie ist kreativ, aktiv und interessiert sich für alles, er aber nicht. Die Liebe zwischen den beiden beginnt zwar wundervoll, aber irgendwann haken die Interessen, weil Otto die andere, passive Richtung geht. Da entwickelt sich dann bei Ida der Drang noch extremer, immer mehr, immer Neues zu wollen. Sie verliert sich dann darin, findet keine Grenzen mehr. Und sie fordert Anerkennung, Emotionen von ihrem Mann, bittet darum, von ihm geliebt zu werden zu. Sie will ihn beteiligen, aber er regt sich nicht.
DigitalVD.de: Aber Ida erlebt doch zum Schluß auch eine Entwicklung?
Alexandra Maria Lara: Auf jeden Fall erfährt sie am Ende einen Lernprozeß und Kompromiß. So richtig glücklich war sie ja am Ende, als sie reich waren, doch nicht. Sie will ihr Glück finden, obwohl sie ihren Charakter doch nicht ändern kann. So träumt sie wieder davon, Camping-Mode zu entwerfen. Aber sie ist nicht mehr so exaltiert.
DigitalVD.de: Was war für Sie denn problematisch?
Alexandra Maria Lara: Besonders schwierig war für mich der Wechsel von Japan nach Deutschland. Ich musste mich knallhart umstellen, weil wir direkt die Schlossszenen drehten, also jenes Stadium, in dem Ida und Otto sehr reich sind. Vom Zelt in Japan in die Prachtvilla am See, da musste ich mich mental schon gehörig umstellen. Deutschland und Japan, das ist wie Feuer und Wasser.
DigitalVD.de: Welche Erfahrungen haben Sie in Japan gesammelt?
Alexandra Maria Lara: Ich bin sehr glücklich über diese drei Wochen in Japan. Die Eindrücke, die ich dort sammeln konnte waren fantastisch, ich war ja das 1. Mal dort. Wir haben sehr schnell Anschluß bekommen, die Japaner sind sehr höflich und hilfsbereit. Diese Höflichkeit hat wirklich viel Anrührendes. Aber das Kurioseste waren für mich die Touristenscharen aus Deutschland und England, die dort, mit Kamera und Reiseführer bewaffnet, genau so auftreten, wie die Japaner hier. Das war schon lustig. Es ist phänomenal, Großstädte wie Tokio zu erleben, es ist alles völlig anders als in Europa. Während des Drehs in Deutschland lernte ich übrigens so ganz nebenbei Stricken und Häkeln…
DigitalVD.de: Wie war die Zusammenarbeit mit Doris Dörrie?
Alexandra Maria Lara: Nach „Nackt“ ist es ja der zweite Film, den ich schon mit Doris gedreht habe: Ich muß sagen, dass ich jedes Mal reich an Erfahrung und mit vielen Erkenntnissen aus den Dreharbeiten gekommen bin. Doris hat den speziellen Kopf und Charakter, manchmal nicht einfach, jedoch immer wieder wunderbar, mit ihr zu arbeiten, denn sie hat ein wahnsinniges Wissen und eine Disziplin, die sie sehr gut vermittelt.
Was mich besonders fasziniert, ist ihr Sinn und das Feeling für jedes einzelne Detail; das sieht man beispielsweise an der japanischen Glückskatze im Film, die sich in ihrer Größe den jeweiligen Besitzverhältnissen angleicht. Es stimmt einfach alles bei ihr, die Dialoge, die Farben, das Dekor, die Stimmung. Es ist wirklich eine Freude, mit Doris zu drehen. Darüber bin ich sehr glücklich.
DigitalVD.de: Was planen Sie als nächstes?
Alexandra Maria Lara: Ich drehe einen Film an der Seite von Till Schweiger und Jürgen Vogel, worauf ich mich jetzt schon freue. Da geht es diesmal nicht um Fische…
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