Interview mit Candela Pena zu Princesas mit DigitalVD.de in München
DigitalVD.de: Was hat Dich an dem Projekt besonders gereizt?
Candela Péna: Das Drehbuch! Ich noch nie ein solches interessantes Drehbuch gelesen. Das war wie für mich geschrieben. Ich kannte Fernando nicht, ich hatte mir ein Bild von ihm gemacht, nachdem ich seinen Film „Familia“ bewunderte hatte. Es war wirklich eine tolle Sache, das Script zu studieren. Es war nicht nur das Aufregendste, was mir je in meinem Leben untergekommen ist, ich habe mich vor allem gefragt, wie jemand das schreiben konnte, ohne das entsprechende Pendant zu kennen. Wie konnte jemand meine Persönlichkeit in eine Filmfigur einbauen? Es war fast unglaublich, wie sehr sich die Art, wie Caye etwas sagt, wie sie sich schützt und zu retten versucht. Für mich eine sehr harte, aber einzigartige Erfahrung.
DigitalVD.de: Wie war überhaupt die Arbeit mit Fernando León de Aranoa?
Candela Péna: Schön heftig! Aber das liegt nicht an der mangelnden Erfahrung, sondern daran, dass jeder ein anderer Typ und jeder Regisseur eine eigene Welt für sich darstellt. Und seine Welt ist mit anderen Nuancen, mit anderen Farben ausgefüllt. Ich glaube, dass es manchmal nicht leicht für ihn war, einen Film mit lauter Weibern zu produzieren. Ich persönlich fand es manchmal wirklich richtig nervig. Die Kleiderproben zum Beispiel, bei denen es nicht darum ging, irgendein Kostüm anzuziehen, sondern es auszuziehen, oder unsere Zweifel und Unsicherheiten, mit denen er stündlich umgehen musste. Fernando war immer wie ein Zwilling bei uns. Und die zweite Drehwoche war unglaublich. Mit allen diesen Superfrauen in der kleinen Friseurbude eingesperrt zu sein, in dem es obendrein höllisch heiß war. Da lagen die Nerven manchmal blank.
DigitalVD.de: Haben Sie sich besonders auf das Thema vorbereitet?
Candela Péna: Aber wie, wochenlang, ja Monate! Zunächst über Bücher und Artikeln „schlau“ gelesen, dann vor Ort: Wir haben in Entrevías gedreht, einem Stadtteil von Madrid, gegessen wurde in kleinen Kneipen um die Ecke. Ab dem zweiten Drehtag dort waren wir die Prinzessinnen des Viertels. Den Dreh in Casa de Campo, dem Prostituiertenviertel, haben wir mit den Leuten von „Hetaira“ vorbereitet, einem Verein, der mit den Prostituierten dort zusammenarbeitet. Sie kommen mit einem kleinen Auto, um den Mädchen Getränke, Kekse und natürlich Kondome zu geben. Und die Prostituierten erzählen ihnen dann, wenn sie ein wenig vertrauen gefasst haben, ihre teilweise unglaublichsten und bizarrsten Geschichten.
DigitalVD.de: Wie kann man den Mädchen denn helfen?
Candela Péna: Das ist fast aussichtslos, weil gerade Spanien ein Immigrationsland in höchster Form ist. Hier trudeln und stranden aus aller Welt alle möglichen Menschen, Mädchen ein, die von einem kleinen bisschen Glück träumen. Im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten sind die spanischen Prostituierten nicht unbedingt an einen Zuhälter fixiert. Es ist wirklich unglaublich, aber die meisten Mädchen machen das freiwillig, teilweise sogar gerne. Das böse Erwachen kommt dann später. Man sollte die Frauen selbst besser, wie auch den Normalbürger, über deren Situation informieren. Dann würden sie von den Scheinheiligen Spießern auch nicht so böse vorverurteilt und verteufelt. Die Information und Kommunikation ist das Wichtigste in diesem Metier.
DigitalVD.de: Wer ist denn für Dich eine wahre „Princesas?“
Candela Péna: Alle Mädchen dieser Welt, die für ihre Träume kämpfen, ganz gleich, auf welche Art und Weise. Wenn ich erklären sollte, was eine Prinzessin ist, würde ich sagen: eine einzigartige und starkr Frau. Eine Prinzessin besitzt ein kleines Königreich, ein sehr kleines, aber es ist ihr eigenes. Das Königreich von Caye ist sehr einfach, viele würden es vielleicht „normal“ nennen. Ihr würde es schon gefallen, normal zu sein. Sie hat gar nicht den ganz großen Anspruch, anders zu sein oder einzigartig zu sein. Eigentlich möchte sie nur ganz normal sein und einfach leben. Diese Frauen, die weggehen, um ihren Familien etwas Besseres zu bieten, verdienen für mich ein gigantisches Denkmal. Das, denke ich, hat Fernando mit „Pincesas“ erzählt; mit tiefem Verständnis und einer großen Liebe zum Detail.
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