Interview mit Hendrik Sachs, dem Autor von “New York im Film”
Für wen ist das Buch gemacht?
Ist „New York im Film“ ein Filmbuch oder ein Reiseführer?
Hendrik Sachs: Gedacht ist das Buch durchaus als Reiseführer. Mir ging es darum, den Lesern die Möglichkeit zu geben, New York als den ihnen bekannten Mythos zu entdecken. Praktisch jeder lernt diese Stadt über Film und Fernsehen schon kennen, bevor er das erste Mal eine Reise dorthin macht. Die erlebten Geschichten wecken den Zauber, den der Big Apple verkörpert. Das Buch zeigt neben Orten, die auch in herkömmlichen Reiseführern zu finden sind, zahlreiche „Locations“, die ein „normaler“ New York Besucher ohnedem wohl nie entdecken würde. Wer weiß schon, wo man das Hauptquartier der Ghostbusters (14 North Moore Street) oder den zauberhaften Laden „Love Saves the Day“ im East Village findet? Struktur und Gestaltung des Buches lehnen sich an das auch in anderen Reiseführern übliche Vorgehen an. Die Stadtteile mit ihren Sehenswürdigkeiten, Parks, Hotels, Restaurants, Bars etc. werden von Süden nach Norden in einzelnen Kapiteln genannt bzw. – wo nötig – beschrieben und jeweils mit den dort gedrehten Filmen „unterlegt“. Zu jedem Kapitel gehört eine Karte, in die alle genannten Anlaufpunkte eingetragen sind. Zusätzlich gibt es Themenkapitel zu in den Filmen vorkommenden Hotels, Restaurants, Bars, Kneipen und Discos, zu Theatern, Museen und Shops. Allein schon die 530 Fotos, von denen über 300 aus den zitierten Filmen stammen, machen Lust auf den Trip nach Manhattan unter dem Gesichtspunkt „New York im Film“.
Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Buch?
Hendrik Sachs: Als ich das erste Mal aus der Subway aufsteigend, in das Lichtermeer der bereits in der Dämmerung liegenden Stadt tauchte, packte mich die Begeisterung. Mir kamen unzählige Filmbilder in den Kopf. Neugierig auf diese Orte suchte ich nach der passenden Information, aber es gab sie nicht. Ich musste sie mir selber zusammensuchen. Daraus entstand die Idee zu diesem Buch.
Woher bekamen Sie die für Ihr Buch nötigen Fakten und Informationen?
Hendrik Sachs: Das war natürlich Detektivarbeit. Erst einmal musste ich mir einen Überblick über die in New York gedrehten Filme verschaffen. Von den über eintausend Produktionen habe ich ca. 300 der Wichtigsten ausgewählt. Die zu beschaffen war die nächste Aufgabe. Ohne eBay wäre das wahrscheinlich nicht möglich gewesen, denn die meisten der Filme gibt es gar nicht mehr zu kaufen. Meine Briefträgerin brachten die Berge von kleinen Päckchen fast zur Verzweiflung. Danach kam die Recherche. Film für Film und Szene für Szene wurden gesichtet und nach Anhaltspunkten abgesucht. Oft reichte der Name eines Geschäftes oder ein Straßenschild und eine Hausnummer um den genauen Ort festzustellen. Auch das grenzenlose World-Wide-Web gab viele brauchbare Hinweise. Verblüffenderweise stellte sich heraus, dass eine ganze Reihe von New York Filmen gar nicht in der Stadt gedreht wurden. Toronto ist ein beliebter Ort um das Manhattan Feeling auf den Film zu bannen. Viele Stadtansichten sind ähnlich und mit gelben Taxis und ein paar Straßenschildern ist die Täuschung perfekt. Die wesentlich günstigeren Produktionskosten machen diesen Schwindel verlockend. Um selbst nicht darauf herein zu fallen bin ich dann wochenlang zu Fuß durch Manhattan gewandert und habe Drehort für Drehort mit ca. 2500 Fotos dokumentiert.
Was verbindet Sie mit New York
Hendrik Sachs: Meine erste Berührung mit New York hängt, soweit ich mich erinnere, nicht mit einem filmischen, sondern mit einem familiären Mythos zusammen. Mein Uronkel Fritz war in den 1920er Jahren nach New York ausgewandert und damit der Held der Familie. Eine seiner Postkarten, die das am Abend strahlende Empire State Building zeigt, hing schon in meinem Kinderzimmer. Auch Fotos von Straßenkreuzern vor adretten Vorstadthäuschen sorgten für Bewunderung. Später waren es natürlich Filme und Fernsehserien die mein Bild der Traumstadt formten. King Kong, Hair, Fame aber auch die Fernsehserie „Einsatz in Manhattan“, mit dem kahlköpfigen Telly Savalas, der wie ich am 21. Januar Geburtstag feierte.
Wo sollten die Leser Ihres Buches auf jeden Fall hingehen?
Hendrik Sachs: Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Nachts auf der Sixth Avenue an der 49th Street zu stehen, überwältigt mich immer wieder. Umzingelt von hell beleuchteten Wolkenkratzern stellt sich sofort das kribbelnde New York Feeling ein. Diesen Drehort wusste auch Woody Allen in seinem Klassiker „Manhattan“ zu nutzen.Einen herrlichen Blick hat man vom Dachgarten des Metropolitan Museum. Da es nur einen Lift dort hinauf gibt, muss man etwas suchen, um ihn zu finden. Edward Norton, Ben Stiller und Jenna Elfman konnten im Film “Glauben ist alles” diesen Ausblick genießen. Der coolste Laden ist ohne Zweifel „Love Saves the Day“. Hier kann sich jeder seine Kindheitsträume erfüllen. Madonna verhökert im Film „Susan… verzweifelt gesucht“ Rosanna Arquettes Lederjacke. Steht man im Geschäft, hält man es durchaus für möglich, sie noch heute hier kaufen zu können. Den Central Park darf man auf keinen Fall auslassen. An einem sonnigen Wochenende der Central Park Tour zu folgen, ist besser als manches Broadway Musical. Einen Drink genießt man am besten in McSorley’s Old Ale House. In Amerikas ältester Bar ist wie in jedem ordentlichen Saloon der Boden übersäht von Sägespänen. Eine so lustige Nummer wie sie Michael J. Fox und James Woods in „Auf die harte Tour“ dort abziehen, habe ich aber noch nicht erlebt.
Was sind Ihre persönlichen New York Film Klassiker?
Hendrik Sachs: Der für 9 Oskars nominierte “All that Jazz” zog mich (vor der Wiedervereinigung!) sechs Mal in die Ost- Berliner Kinos. Warum dieser Film den Sprung über die Mauer schaffte, ist mir bis heute ein Rätsel. Möglicherweise gefiel er den Genossen, weil der einen Broadway Regisseur spielende Roy Scheider sich am Ende zu Tode arbeitete. Milosh Formans Hippie Epos „Hair“ und „Fame“, einen Film über die New Yorker School of Performing Arts, die ich beide ebenfalls als Teenie zum ersten Mal gesehen habe, schaue ich mir immer wieder gerne an. Nicht zu vergessen ist natürlich Woody Allens New York Klassiker „Manhattan“. Der Film „Finding Forrester“ ist die überraschendste Entdeckung meiner Recherche. Sean Connery spielt einen eigenbrötlerischen, von der Welt zurückgezogenen Bestsellerautor, der auf den bei ihm einbrechenden jungen Poeten Rob Brown trifft. Aus der Konfrontation wird eine Freundschaft, durch die beide wieder ins Leben zurück finden.
Ähnliche Beiträge:
Interview mit Hendrik Sachs, dem Autor von “New York im Film” wurde bearbeitet von Patrick Fiekers • Permalink • Kommentar schreiben »













