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Interview mit Michael “Bully” Herbig zu “Lissi”

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Interview mit Michael “Bully” Herbig zu “Lissi”

Lissi und der wilde Kaiser“ ist – nach den Kino-Lachbomben „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ – das neueste und zugleich ehrgeizigste Filmprojekt von Michael „’Bully“ Herbig: Eine „Sissi“-Parodie als 3D-Animationsfilm im selbstiro-nischen Stil von „Shrek“. Über 130 Team-Mitglieder und Trick-Spezialisten, die auch schon für Disney oder auch Peter Jacksons „King Kong“ tätig waren, werkelten an der diffizilen Umsetzung von Bullys Vision und Version einer schrägen Geschichtsschreibung. Die Reaktionen der Zuschauer auf die Komödie „Lissi und der wilde Kaiser“, gleichsam eine Filmparodie auf die schwülstigen Sissi-Produktionen der späten und goldenen 50er Jahre, will der beliebte Komiker bei kaschierten Kinobesuchen selbst testen: „Es macht mir einfach Spaß, dazusitzen und zu schauen, ob Sissy abkommen oder nicht“, bekräftigte der der 39jährige Allrounder bei der ersten Präsentation des Films in München gegenüber DigitalVD.de:

DigitalVD.de: Warum wird im Film aus „Sissi“ denn „Lissi?“

Michael “Bully” Herbig: „Ich will für eine besondere Art von „Aufklärung“ sorgen, denn die geschätzte Kaiserin unterschrieb all ihre Briefe immer mit „Lissi“. Unglücklicherweise war nämlich das „L“ so herrlich geschwungen und markant, wie es zu dieser Zeit eben war, daß es als „S“ gelesen und dechiffriert wurde. So kam die große „Kaiserin aller Herzen“ zu ihrem schönen Namen. Ich finde es auch gut und besonders wichtig, daß die Leute ein „B“ einigermaßen von einem „G“ unterscheiden können: Michael „Gully“ Herbig finde ich nämlich gar nicht so lustig.“

DigitalVD.de: Wieso hast Du Dich ausgerechnet für einen doch schwierigen Animationsfilm entschieden?

Michael “Bully” Herbig: Gerade einen Animationsfilm zu produzieren ist meiner Meinung nach vor allem aus „ästhetischer“ Sichtweise die absolut richtige Entscheidung gewesen, ich habe damit aus meinen früheren Auftritten im Sissi-Kostüm Bilanz gezogen. Ich weiß ebenso wenig, wie das Publikum reagiert hätte bei einer wilden Knutschszene zwischen Christian Tramitz und mir. Für mich ist es ein Kompromiß, die computeranimierte Lissi trägt natürlich unverkennbar meine Gesichtszüge. Den Film, für den mehr als 50 Animatoren unermüdlich im Einsatz gewesen sind, ist im besonderen Maß ein ehrfürchtiger Kniefall vor den originalen Sissi-Filmen, eine Art respektvolle Hommage, weil ich mich nie mit der echten Sissi vergleichen könnte. Romy Schneider war einzigartig, ein wahrer und unvergesslicher Star, dem man gar nicht genug Ehre erweisen kann.“

DigitalVD.de: Wie bist Du überhaupt auf das Thema gekommen?

Michael “Bully” Herbig: Mmh, nach „(T)Rraumschiff Surprise – Periode 1“ haben mich immer wieder Leute angequatscht und forderten: „Mei, die Lissi hätten wir aber auch sehr gerne einmal gesehen. Und ich dachte im ersten Moment, mit meinen fast 40 Lenzen und meinem kleinen Bauch kann ich mich unmöglich ins Sissi-Kostüm zwängen und obendrein diese Perücke tragen, die wie ein Betonklotz auf der Birne lastet. Damit zu drehen? Das hätte ich nicht einen Tag im Realfilm geschafft. Und das war dann auch mit entscheidend, endlich den angedachten Animationsfilm zu produzieren, den ich sooo lange im Kopf hatte. Schlappe 30 Jahre lang. Sie sollten wissen; mein allererster Film, mit 10 schon ausgedacht, sollte nämlich so ein Animationsfilm werden. Ich habe mich damals in den Ferien monate-lang darüber gebrütet, während meine Schulkameraden draußen spielten und Streiche ausheckten. Dann mußte ich leider feststellen, daß nur eine Sekunde Film 24 Bilder braucht; klar, mir gingen dann auch die Malstifte aus. Deshalb habe ich so lange damit gehadert.

DigitalVD.de: hat Dich das denn nicht auch als erwachsener Profi überfordert?

Michael “Bully” Herbig: Keineswegs, zumal die Produktion immer aufregend und spannend war, täglich voller Überraschungen. Es hat mich und alle Beteiligten stets von neuem motiviert, zu sehen, wie die Storybards von den Spezialisten umgesetzt wurden. Als nach sechs Monaten beispielsweise die Charaktere der Figuren soweit fertig waren, hat mich das ganz schön umgehauen. Ein solches gutes Resultat hatte ich nie erwartet. Aber ich habe es ja auch nicht alleine produziert, es waren ja eine Menge Mitarbeiter mit von der bunten Partie; zu viele Köche haben hier nicht den Brei verdorben, im Gegenteil!“

DigitalVD.de: Hattest Du keine Angst, dass die Story einen abendfüllenden Film nicht tragen könnte?

Michael “Bully” Herbig: Ein wenig schon: Als ich es anfangs vorschlug, herrschte erstmal bei den Angesprochenen betretenes Schweigen und vielsagende, mitlei-dige Blicke. Denn was sollte Sissi denn 90 Minuten lang überhaupt machen? Die ganze Zeit nur mit ihrem geliebten Franz durch den Kunstpark latschen? Dann habe ich nachgedacht, welche durchgeknallten und schrägen Charaktere in der „Bullyparade“ und in „Bully & Rick“ noch zu finden sind, und mir fiel bald der lustige und verrückte Yeti ein. Da war mir klar, die Sissy wird vom Yeti einfach gekidnappt, weil der Teufel es so will. Das war dann die Geburtsstunde des Filmplots, und ich war aus dem Schneider.

DigitalVD.de: Worin besteht für Dich der Unterschied zwischen Real- und Animationsfilm?

Michael “Bully” Herbig: Zunächst einmal wollte ich nicht einfach einen comicesken Film drehen, sondern eben diese große aberwitzige Hommage an die rudimentären Sissi-Filme überhaupt. Deshalb war es mir und auch der Crew sehr ernst, den einstigen Look und sein Ambiente in gewisser Weise zu bewahren, insbesondere in der Farbgebung, den Kameraperspektiven und die Dynamik. Gerade bei computergenerierten Filmen kann die Kamera alles bewerkstelligen, man kann durch das Ohr ins Gehirn düsen, um aus dem anderen wieder rauszufliegen. Die alles entscheidende Frage hierbei ist stets: „Nützt es denn dem Film?“ Diese Möglichkeiten haben wir gewinnbringend versucht anzuwenden, wenn es denn dem realen Vorbild diente.

DigitalVD.de: Aber gerade Adaptionen verlangen doch viel mehr filigrane Vorgehensweise…?

Michael “Bully” Herbig: Na klar, Animieren solcher Details sehr aufwendig ist. Beispielsweise eine Figur mit Fell, wie unser Yeti, ist wahnsinnig minutiös zu konstruieren, weil viele kleine Dinge beachtet werden müssen. Das verlangt eine gigantische Rechnerkapazität. Wenn diese ausgesuchten Details nicht beachtet werden würden, könnte sich bei falscher Umsetzung eine gesamte große Firma damit am PC vergnügen. Trotzdem passiert es immer wieder, daß Du etwas von den CGI-Animatoren verlangst, was zwar komisch, aber so nicht transformierbar ist. Die sagen nein, und Du siehst dann Deine kopfschüttelnde Kollegen-Gruppe. In solchen Situationen kannst du nur ganz schnell sagen: „Gut, dann versuchen wir eben etwas anderes.“

DigitalVD.de: Dann ist es ja ein teurer Filmspaß geworden…

Michael “Bully” Herbig: Wie man’s nimmt: Im Gegensatz zu manchem US-Animations-blockbuster wie „Shrek“ und „Cars“ mit einem Budget von über 100 Millionen Dollar hat meine Lissi ein Zehntel davon gekostet.

DigitalVD.de: Hättest Du gedacht, einmal so etwas zu produzieren?

Michael “Bully” Herbig: Mit Sicherheit nicht. Ich wollte nie vor die Kamera, ich habe keine Schauspielschule von innen gesehen. Mir hat auch kein Mensch erklärt, wie man Regie führt, produziert, Drehbücher schreibt oder spielt. Mein Rezept: Die beste Schule war und ist immer Filme zu schauen.“

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