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Steven Spielberg verrät spannende Details zu seinem Oscar®-Kandidaten GEFÄHRTEN

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Steven Spielberg verrät spannende Details zu seinem Oscar®-Kandidaten GEFÄHRTEN

gefaehrten 150x102 Steven Spielberg verrät spannende Details zu seinem Oscar® Kandidaten GEFÄHRTEN„Das Wasser stand einen halben Meter hoch in den Gräben und ich rutschte mit meinen Stiefeln aus. Plötzlich landete ich in einem tiefen Loch und war komplett unter Wasser. Meine Crew musste mich wieder herausholen.” Am Set seines Oscar®-nominierten Films GEFÄHRTEN (Kinostart: 16. Februar) zeigte Steven Spielberg vollen Körpereinsatz für die perfekten Kameraeinstellungen. Was sonst noch alles beim Dreh passierte, erzählt die Regie-Legende im ausführlichen Interview:

1. Es ist interessant zu erfahren, wie Sie GEFÄHRTEN entdeckten. Schließlich gibt es sowohl ein Buch als auch ein Theaterstück. Können Sie ein wenig erklären, wie Sie sich das Material aneigneten?
Kathy Kennedy entdeckte es für mich. Sie hatte das Stück im Londoner West End gesehen und erzählte mir davon und wie sehr sie das Stück bewegt hatte. Darauf flog Stacey Snider, die Chefin meiner Firma DreamWorks, hin und sah es sich ohne mich an. Sie war mit Kathy völlig einer Meinung, was das für eine kraftvolle Geschichte sei. Die Puppen auf der Bühne waren bezaubernd und auf eine bestimmte Weise die Stars der Aufführung. Aber wir wussten, wenn wir diese Geschichte erzählen wollten, müssten es echte Pferde sein, keine Nachbildungen oder Marionetten. Anschließend haben wir ein Kaufangebot im Voraus gemacht, noch bevor ich es gesehen hatte, allein aufgrund der Geschichte, die mir wirklich gefiel.
Direkt nachdem Kathy und Stacey die Aufführung im West End gesehen hatten, las ich auch das Buch von Michael Morpurgo. Ich liebe es. Aber das Buch erzählt alles aus Joeys Sicht. Man hört sogar Joeys Gedanken. Ich wusste, dass sich das schlecht in einen Film übertragen ließ, aber es ließ mich die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln sehen. Anschließend flogen meine Frau und ich nach London und wir hatten endlich die Gelegenheit, GEFÄHRTEN zu sehen. Das besiegelte den Deal, soweit es mich betraf.

2. Wie gingen Sie bei der Adaption für die Leinwand vor?
Als erstes nahm ich mir aus dem Buch – und war natürlich durch das Theaterstück dazu inspiriert – die Idee, dass eine Familie, die unter einem sehr strengen und unerbittlichen Landlord leidet, sich Zeit erkaufen muss, um ihren Bauernhof auf Vordermann zu bringen. Der Vater kauft betrunken ein Pferd, das in Zukunft den Pflug ziehen soll. Doch das Warmblut Joey, das er kauft, ist dazu nicht in der Lage. Es ist nicht das passende Pferd für diese Art von Arbeit.
Doch durch seinen hartnäckigen Glauben an Joey gelingt es dem Sohn Albert, eine enge Beziehung zu Joey aufzubauen. Gemeinsam gelingt es ihnen schließlich in letzter Minute die Farm durch das Pflügen davor zu retten, ein steiniger, unfruchtbarer Acker zu werden. Daraus entstehen eine besondere Kraft und eine sehr nachdrückliche Zusammenarbeit zwischen dem Pferd und dem Jungen. Als der Erste Weltkrieg die beiden trennt und das Pferd als Lastenträger an die Front geschickt wird, versteht das Publikum sofort, dass dies ein Himmelfahrtskommando ist. Aber wenn das Schicksal den Jungen und das Pferd wieder zusammen führt, ist das ein wenig der Clou des Films.

3. Können Sie etwas über die Familienaspekte der Geschichte erzählen, über die Narracotts und ihre zerbrochene Beziehung?
Es ist eine durch den Krieg zerstörte Familie. Peter Mullans Figur kämpfte im Burenkrieg, und dieser Krieg hat ihn kaputt gemacht. Er leidet immer noch an den Verletzungen aus dieser Zeit. Es ist also eine Familie, deren Zusammenhalt immer wieder aufs Neue gebrochen wurde. Wenn das Pferd in diese Familie hinein kommt, erinnert das ein bisschen an das Märchen von Jack, der eine Kuh verkaufen sollte, für das Geld Bohnen kauft und mit diesen Bohnen statt dem Geld nach Hause kommt. Seine Mutter wirft die Bohnen weg und natürlich wachsen die Bohnenpflanzen. Auf eine bestimmte Weise ist Joey wie diese Bohnen, die wachsen und blühen und größer werden als alles, was man sich jemals vorstellen konnte. Das Märchen von „Jack und die Bohnen“ und die Geschichte von GEFÄHRTEN sind also vergleichbar in den Aspekten, dass beide Familien anfangs pleite sind und am Boden zerstört und dringend ein Wunder brauchen. Und das Wunder kommt ganz zufällig vorbei.

4. Wie verliefen die Dreharbeiten in Dartmoor?
Ich war auf die Moore in Dartmoor, Devon, nicht vorbereitet. Ich war nicht vorbereitet auf die wunderbare Verwüstung, die diese Moore bieten. Es war früher einmal eine Waldfläche mit großen, stolzen Bäumen, aber die fällte man hunderte Jahre zuvor und es wuchsen niemals wieder neue. Und deshalb klingt der Name, als würden dort stolze Bäume stehen, tatsächlich sieht es dort aber wüst und leer aus, und es gibt nur steinige Hügel, soweit das Auge reicht. Aber der Himmel über dieser Landschaft ist so dramatisch wie unsere Geschichte. Wir haben jede Art von Himmelsschattierung gesehen, die man sich nur vorstellen kann.
Ich habe am Horizont eine Veränderung des Wetters gesehen und sagte: „Schnell. Jetzt drehen wir Szene 7A. Vergesst, dass wir 4B machen wollten. Wir werden jetzt 7A drehen, denn hier kommt gerade die passende Wolke dazu…“ Und zack, die Crew war so mobil und schnell, dass wir in kürzester Zeit alles aufnehmen konnten, was die Natur uns bot, um diese Geschichte erzählen zu können. Dieser Film handelt ebenso von der Landschaft wie von den Menschen.
In der Geschichte, bedeutet das Land alles für die Menschen. Diese Familie könnte ohne ihr Land nicht überleben. Sie sind dem Land ergeben, auch wenn sich das Land ihnen nicht immer ergibt.

5. Der kleine Ort Castle Combe wurde als malerische Szenerie für einige Szenen eingesetzt. Wie verliefen die Dreharbeiten in diesem kleinen Dorf?
Das Dorf bot sich uns an, als ob es nur darauf gewartet hätte, gefilmt zu werden. Es war einfach unglaublich. Als ich das erste Mal nach Castle Combe kam und mich dort umsah, sagte ich „Ist das für Touristen gebaut worden? Wofür sonst hat man es gebaut?“ Es war wie für einen Film gemacht. Aber nein, es ist ein wunderschönes, malerisches und abgelegenes kleines Dörfchen. Man kann es gar nicht begreifen. So etwas hat man einfach noch nie zuvor gesehen.
Es war der perfekte Ort für den Kauf von Joey, wenn Peter Mullan betrunken ein Pferd kauft, das er nicht kaufen sollte, aber ich denke, dass das Schicksal seine Hand im Spiel hatte. Es ist auch der Ort, von dem aus die Jungen munter in den Krieg ziehen. Immer der Ansicht, zu Weihnachen wären sie wieder zuhause, was jeder glaubte, der unterschrieb, um gegen Frankreich zu kämpfen. Es entpuppte sich schließlich als ein vier Jahre langer, zermürbender Krieg.

6. Erzählten Ihnen britische Crew-Mitglieder und Schauspieler ihre Familiengeschichten über den Ersten Weltkrieg?
Ja, sie alle besaßen Angehörige, die gekämpft hatten. Die britische Crew erzählte mir ständig Geschichten über ihre Großeltern und Urgroßeltern, die im Ersten Weltkrieg an der Front standen. Sie kannten all ihre Geschichten, die man sich von einer Generation zur nächsten weitererzählte. Es war ein Krieg, der in besten europäischen Traditionen am Leben erhalten und dadurch wirklich Teil der eigenen Geschichte wurde. Wir pflegen hier in den USA nicht dieselbe Sorgfalt mit unseren Kindern. Aber in England wird es einfach überliefert. Eltern und Großeltern erzählen immer davon. Also war ich der Nutznießer dieser großartigen Erinnerungen an private Heldentaten und musste nicht vier Jahre in einem Grabenkrieg verbringen.

7. Nachdem Joey an die britische Armee verkauft wird, begegnen wir den Charakteren, die Tom Hiddleston und Benedict Cumberbatch spielen. Können Sie etwas über diese Rollen erzählen?
Tom Hiddleston, der den Captain Nicholls spielt, und Benedict Cumberbatch, der Major Stewart ist, waren beide Darsteller, mit denen ich zusammen arbeiten wollte. Ich hatte Benedict im englischen Fernsehen gesehen, habe ihn wirklich gesucht und bin ihm hinterhergelaufen. Tom Hiddleston kannte ich nicht so gut, hatte ihn aber ein einer Reihe kleinerer Rollen schon gesehen und fand, er ist die Reinkarnation von Errol Flynn. Ich dachte, „Wäre es nicht toll, wenn der erste Mensch, der Joey von Alberts Vater abkauft, dieser bestimmte Typ des schneidigen, noblen, klassischen britischen Helden wäre?“
Und deshalb vergaßen wir unsere Vorsicht und ich verließ mich auf meinen Instinkt. Wir casteten nicht mehr gegen den Strich, und so fand ich diesen sehr glatten, anspruchsvollen und aufmerksamen jungen Soldaten.

Man spürt, dass sich Stewart und Nicholls kennen. Vielleicht weil sie zusammen zur Schule gingen und ihre Familien sich kannten oder sie gemeinsam aufwuchsen. Major Stewart, Benedicts Charakter, nahm die Militärschule vermutlich etwas ernster, deswegen bekleidet er schon einen höheren Rang als Nicholls, Tom Hiddlestons Charakter. Aber man spürt ihre Verbundenheit, auch wenn sie sich dem Rang gemäß verhalten. Sie spielen sich gegenseitig bezüglich ihres Ranges immer wieder aus, als ein ständiger kleiner Wettbewerb.
Nicholls ist ein Künstler. Er zeichnet gerne und wenn man ihn sieht, wie er Joey zeichnet, begreift man an der Art, wie er ihn abbildet, dass Joey in guten Händen ist. Er verbringt Zeit mit seinem Pferd, nicht mit seiner Ausrüstung, die er bis zum nächsten Morgen für den Abmarsch zum Ärmelkanal um fünf Uhr morgens vorzubereiten hatte. Er verbringt lieber die ganze Zeit mit seinem Pferd, in das er ganz vernarrt ist. Und das Pferd befindet sich zu diesem Zeitpunkt in Sicherheit.

8. Sie haben zwei atemberaubende Angriffe inszeniert: Einen zu Übungszwecken für die Filmarmee, und dann einen richtigen vor der Kamera. Warum war diese Übung notwendig?
Man muss wissen, dass die Armee ihre Pferde auch trainieren musste. Dieses Training dauert wesentlich länger als wir im Film zeigen. Man muss einfach annehmen, dass sie noch länger geübt haben als nur vor den Augen des Zuschauers. Aber eine dieser Haupt-Trainingssequenzen, die ich zeigen wollte, war ein Übungs-Kavallerieangriff. Wichtig war das auch, weil ich zeigen wollte, wie Joey (Nicholls Pferd) und Topthorn (Stewarts Pferd) sich anfangs als Rivalen begegnen, genauso wie Nicholls und Stewart darum konkurrieren, welches Pferd schneller ist und welches am Ende des Wettkampfes den blauen Ring erringen wird.
Daher war es eine ziemlich wichtige Szene, denn noch mehr als die Konkurrenz zwischen Stewart und Nicholls wollte ich die Konkurrenz zwischen Joey und Topthorn zeigen.
Das Üben eines Kavallerieangriffs ist etwas sehr Britisches. Konnten die damals wirklich munter in einen Angriff ziehen und sich niemals vorstellen, dass ihnen dort eine neue Technik begegnen würde, die den Krieg für immer verändern und alle Pferde im Kriegseinsatz überflüssig machen würde? Es ist daher sehr wichtig, beide Seiten zu sehen, diese beiden Arten des Kämpfens zu zeigen – die eine, die eher eine Art von reinem Gesellschaftssport ist, auch wenn man für ihn die Pferde trainieren muss, und die andere, tödlich ernste Art.

9. Haben Sie für diese Szenen ein Storyboard verwendet?
Ja. Das war sehr wichtig, damit jeder erkennen konnte, was er tun sollte. Und ich wollte, dass die „Humane Society“, die Stuntleute und die Pferdetrainer die Möglichkeit hatten, sich die gesamten Szenen im Voraus anzusehen und sagen konnten: „Nein, unmöglich. Das ist nicht sicher.“ Oder „Ja, das können wir umsetzen.“ „Ja, das können wir so ähnlich machen.“ Oder „Das wird nicht funktionieren.“ Deshalb habe ich so viel Vorarbeit für diesen Film geleistet. Der Kavallerieangriff und auch noch viele andere Dinge, die sich im No man’s Land ereignen, wenn Joey in Panik durch die Schützengräben rennt, konnte man vorher sehr genau am Computer ansehen.
Es war mehr eine Übung, damit sich alle vorbereitet und damit sich die Pferde und Reiter und Stuntleute sicher fühlen konnten.

10. Die Produktion erhielt eine besondere Erlaubnis, um auf Stratfield Saye, dem Landsitz der Grafen von Wellington, filmen zu dürfen. Was haben Sie dort gedreht?
Dank der Großzügigkeit der Familie Wellington war es Rick Carter, unserem Produktionsdesigner, gestattet, einige Sets auf dem riesigen Besitz der Wellingtons aufzubauen. Und wir konnten dort sehr viele Szenen drehen, beispielsweise den Kavallerieangriff, die Szenen rund um den Bauernhof in Frankreich mit der Windmühle und das deutsche Lager.

11. An einem Punkt gibt es einen Sprung von der Front zurück nach Devon. Warum haben Sie das getan?
Im Drehbuch kam es so nicht vor. In der Mitte der Produktion, nachdem das Skript schon beendet war, dachte ich, ich möchte gerne noch einmal zurückgehen nach Dartmoor, zurück zur Farm. Ich will zurück und sehen, was Albert gerade tut. Was sein Vater und seine Mutter machen. Haben sie die Ernte eingebracht nach diesem schrecklichen Regen, der alles zerstörte und sie fast vernichtete? Für mich war es außerdem ein verstörender Wechsel von der Szenerie in No Man’s Land zurück nach Devon.
Ich wollte dem Publikum zeigen, dass während dieser Krieg wütet, an anderer Stelle Menschen um ihre Existenz kämpfen. Wie ich schon sagte, sie kämpfen mit dem Land wie sie es schon immer getan haben und vermutlich immer tun werden. Es war mir wichtig zu zeigen, dass Albert sein Pferd vermisst und gar nicht weiß, was passiert, bis er die Briefe von Nicholls erhält.

12. Wie wichtig waren die Szenen mit Emilie und ihrem Großvater auf dem französischen Bauernhof?
Das Theaterstück spielt lange auf dem Bauernhof. Ich wollte nicht so viel Zeit dort vergehen lassen. Andererseits dachte ich, es wäre nötig, dass die Pferde Joey und Topthorn ein anderes Leben kennen lernen dürfen. Genau das passiert dort.
Ich finde, die französische Farm ist eine Pause vom Krieg. Es war eine kleine Auszeit zum Luftholen für die Pferde und die Zuschauer, während der Krieg zwar nah ist, aber eben nicht nah genug. Die Beziehung, die das kleine Mädchen zu Joey knüpft, erinnert sehr an die Bindung von Joey zu Albert. Und für Joey sieht es so aus, als könnte er sich mit Hilfe dieses kleinen Mädchens, das sich so gut um ihn kümmert, wieder an Albert erinnern.

13. Wie verliefen die Dreharbeiten in No Man’s Land?
Produktionsdesigner Rick Carter fand ein altes Flugfeld, einen verlassenen Flughafen nördlich von London. Die Towers und Hangars waren längst abgerissen, aber man konnte immer noch die Startbahn erkennen. Rick erhielt die Erlaubnis, dort zu drehen. Die Umweltgruppe sagte: „Macht schon. Verwandelt diesen Platz in alles, was ihr möchtet.“ Und so hat Rick für GEFÄHRTEN wirklich außergewöhnliche Arbeit geleistet. Er hat aus dem flachen Fluggelände das No Man’s Land von 1917 entstehen lassen.
In dieser Gegend zu drehen war eine regelrechte Schlammschlacht. Die haben wir nicht herstellen müssen, es regnete ständig. Wir rutschten und schlidderten und inmitten dieser Sauerei mussten wir drehen. Und es war kalt. Es war wirklich kalt, während wir dort drehten. An einem Tag lief ich nach einem schrecklichen Unwetter die Schützengräben entlang. Das Wasser stand einen halben Meter hoch in den Gräben und ich rutschte mit meinen Stiefeln aus. Plötzlich landete ich in einem tiefen Loch und war komplett unter Wasser. Meine Crew musste mich wieder herausholen.
Das Loch war allerdings schon am Tag zuvor da. Es war ein Loch, aus dem heraus bei einer Filmexplosion die Erde in die Luft fliegen sollte. Aber weil es so stark regnete, füllte sich das gesamte Loch mit Schlamm. Der füllte den ganzen Graben bis zum Rand auf, bis niemand mehr das Loch erkennen konnte und ich reinfiel.

14. Bitte erzählen Sie ein wenig von Ihrem Team und wie wichtig es für Sie war, dass sie bei diesem Projekt dabei waren.
Alle meine unerschütterlichen Familienmitglieder, mit denen ich schon so viele Jahre so viele Filme gedreht habe, haben auch diesen Film mit mir gedreht. Joanna Johnston hat schon oft die Kostüme für mich angefertigt und Rick Carter hat schon für viele meiner Filme das Produktionsdesign entworfen. Und natürlich waren auch Kameramann Janusz Kaminski und seine ganze Truppe wieder dabei. Es war einfach toll, dass alle wieder mit von der Partie waren. Aber dieses Mal, denke ich, war es für Joanna Johnston ein bisschen anders, denn wir drehten sozusagen in ihrem Hinterhof.

15. Können Sie Joanna Johnstons Arbeit beschreiben?
Joanna hat wirklich Unglaubliches geleistet mit ihrer akribischen Recherche, was die Deutschen trugen, was die Briten trugen, wie die Uniformen aussahen und welche Helme die Deutschen aufsetzen. Zu Beginn des Krieges, 1914, hatten die deutschen Soldaten noch Spitzen auf ihren Helmen, und in der zweiten Hälfte des Ersten Weltkrieges gingen sie über zu den traditionellen Helmen, die man dann auch aus dem Zweiten Weltkrieg kennt.
Joanna ging zum Imperial War Museum und verbrachte eine Menge Zeit mit den Nachforschungen, um diese Kostüme bis auf den Faden genau so aussehen zu lassen wie sie auch viele Jahrzehnte zuvor genäht wurden.

16. Sie und John Williams arbeiten seit beinahe 40 Jahren zusammen. Seine Kompositionen sind nach wie vor außergewöhnlich. Was halten Sie von seiner Arbeit für GEFÄHRTEN?
Es war ein erstaunliches Jahr für John Williams und mich, weil er zwei der besten Soundtracks, die in unserer Zusammenarbeit entstanden sind, in diesem Jahr komponiert hat: Erst für „Tim und Struppi“ und anschließend für GEFÄHRTEN, zwei vollkommen gegensätzliche Ansätze für zwei vollkommen gegensätzliche Filme. John kann jedes Gefäß füllen, er ist als Komponist einfach ein Genie. Ich weiß nicht, wie er es gemacht hat, und ich weiß auch nicht, wie er es zweimal machen konnte, aber er hat es zweimal in einem Jahr getan.
Der Soundtrack zu GEFÄHRTEN erinnert noch einmal an das Land, den Ort und die Zeit dort und an die Freundschaft zwischen dem Jungen und dem Pferd. Und John fand dazu all diese wunderschönen Themen, die wie ich finde den Film wirklich zusammenhalten und dadurch meine Arbeit sehr erleichtert haben. John ist in der Lage, hinter die Geschichte zu sehen, die ich mir ausgedacht habe, und kann uns alle mit seinen Melodien zu zusammenbinden, dass alles von unserer Arbeit so wirkt, als ob wir es genauso geplant hätten.
Die Musik ist sehr stimulierend. Sie verwandelt sich von diesen großen, sinfonischen, orchestralen Klängen zu zarter Musik einzelner Instrumente wie Flöte oder Klavier und dann wieder zurück zum großen Orchester. Und John fühlt das. Er fühlt es einfach. Und er denkt nicht darüber nach. Er interpretiert nicht zuviel hinein. Sein Soundtrack zeigt einfach, was er in jeder einzelnen Szene fühlt. Und deswegen ist er, wer er ist.

17. Mit Michael Kahn haben Sie zum ersten Mal bei „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ zusammen gearbeitet. Was hat er zu GEFÄHRTEN beigetragen?
Michael Kahn ist vermutlich, neben John Williams, meine zweitlängste kreative Beziehung. Michael hat sein Gespür und seine Bereitschaft, mir zu sagen, dass ich abhauen soll, nie verloren – und das ist manchmal sehr wichtig.
Michael hat sich in diesen Film wirklich hineingefühlt, genauso wie wir alle. Er weiß, wo ein Moment enden muss. Lässt man den Schauspieler den Satz zu Ende sprechen, bricht man im letzten Atemzug ab oder schneidet man vor diesem Atemzug? Diese Dinge erscheinen den Zuschauern oft nebensächlich, aber manchmal entscheiden sie über die Qualität eines Films. Der Schnitt ist das Geheimrezept, das dem Ganzen fürs Publikum erst die richtige Wirkung verleiht. Und es verläuft alles unterschwellig.
Michaels Arbeit ist für Kinogänger nicht nach außen erkennbar. Sie möchten auch, während sie den Film ansehen, gar nicht wissen, wie es gemacht wird. Aber Michaels Arbeit ist so subtil, dass sie eine riesige Wirkung auf Leute hat, die sich einen Film ansehen wollen und gar nicht wissen, warum sie so beeindruckt sind. Viel davon liegt am Schnitt und sehr viel davon ist Michael Kahn.

18. Bitte erzählen Sie vom Sounddesign für GEFÄHRTEN.
Unser Sounddesigner Gary Rydstrom, hat nach Authentizität gesucht. Er wollte Geräusche, die so ähnlich klingen wie jene, die wir in solchen Situationen wirklich wahrnehmen würden. Er wollte also keine Geräusche künstlich erzeugen, die so ähnlich sind. Er wollte einfach, dass sie dieselben sind. Er wollte, dass die Geräusche zu dem passen, was wir hören. Deshalb sind seine Geräusche den ganzen Film über sehr echt und authentisch. Es gibt keine Übertreibungen, keine Erfindungen oder Täuschungen.
Er verbrachte eine Menge Zeit damit, mit Mikrofonen über die Moore zu laufen, um den Klang des Windes aufzunehmen, wie er sich nahe am Boden anhört, und wie hoch in der Luft. Er liebt diese Aufnahmen aus verschiedenen Perspektiven. Wenn man in einem Gebäude filmt, möchte er, dass jeder Raum einen anderen Ton besitzt, der sich in unseren Ohren ganz speziell anhört. Es ist dieser Unterschied, den wir hören, wenn man sich in einem kleinen Raum mit niedriger Zimmerdecke aufhält und dann in einem großen Zimmer mit hohen Wänden. Es ist ein vollkommen anderes Ambiente. Ich gehe nicht davon aus, dass das von den Zuschauern schließlich bemerkt oder gar gehört wird. Aber es verleiht der ganzen Geschichte mehr Wahrhaftigkeit.
Zu Gary Rydstroms Beitrag gehörten auch die Pferdestimmen, von Joey und Topthorn, und von den ganzen anderen Pferden in unsrer Geschichte. Er verbrachte viel Zeit damit, die Pferde aufzunehmen und fand verschiedene Möglichkeiten. Diese subtil eingesetzte Stimme verleiht Joey noch mehr Charakter.

19. Was bedeutet der an Joey gebundene Wimpel?
Ich wollte einen Weg finden, alle diese Geschichten aus Frankreich, Deutschland und England zu einer großen über den Krieg zusammenzubinden. Dazu suchte ich ein Element, das alle diese anscheinend unterschiedlichen und nicht zu vereinbarenden Geschichten doch vereint. Ich hielt es für interessant, und so schlug ich es dem Drehbuchautor Richard Curtis vor. Er schrieb in einen Entwurf hinein, dass der Vater eine Fahne aus dem Burenkrieg besaß, die der Junge von seiner Mutter erhält. Der Junge bindet diesen Wimpel um Joeys Halfter. Wenn Joey später verkauft wird und die Farm und seinen besten Freund verlassen muss, ist dies ein Talisman und die Erinnerung an ihre Freundschaft. Dieser spezielle Wimpel wird von Episode zu Episode weitergereicht, bis er zum Schluss wieder zurückkommt. Es war mir wichtig, dass es einen visuellen Talisman gibt, der alle einzelnen Geschichten miteinander verbindet, dann wirkt der Film nicht so episodenhaft. Und der Wimpel verbindet nicht nur Joey mit allen anderen Ereignissen, die gerade in Europa passieren, sondern er verbindet auch den Jungen mit seinem Vater.

20. Wie kamen die Schauspieler miteinander zurecht?
GEFÄHRTEN ist nicht nur die Geschichte eines Jungen und eines Pferdes. GEFÄHRTEN ist die Geschichte von sehr vielen unterschiedlichen Menschen. Und dies war eines der besten Schauspieler-Ensembles, mit denen ich jemals arbeiten durfte. Es ist ein Ensemble, in dem manche Charaktere niemals richtig miteinander in Erscheinung treten, und trotzdem bleibt schließlich der Eindruck, sie waren alle gemeinsam daran beteiligt. Ich bin wirklich stolz darauf, dass so viele gute Darsteller sich so verausgabt haben für uns, obwohl sie niemals miteinander spielen konnten.

Steven Spielbergs emotionales und bildgewaltiges Epos GEFÄHRTEN ist ab dem 16. Februar in den deutschen Kinos zu sehen.

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