AGORA – Leben wir teilweise immer noch wie vor 2.000 Jahren?
Wie lebten die Menschen zu jener Zeit? Welche Errungenschaften von damals sind heute ganz normal für uns? Oder leben wir teilweise immer noch wie vor 2.000 Jahren?
Ausgetreten: Hypatia selbst glaubte nur an die Philosophie und benötigte keine religiösen Erklärungsmodelle, um die Ordnung der Welt zu verstehen. Sie vertraute auf ihre Vernunft. Ganz ähnlich sehen das 2.000 Jahre Kirchenherrschaft später wohl auch immer mehr Deutsche. So traten im Jahr 2007 rund 224.000 Menschen in Deutschland aus der Kirche aus, 2008 waren es schon um die 290.000.
Sandalenträger: Frische Luft an den Füßen ist gesund und verhindert Schweißgeruch. Das wussten schon damals die Menschen in Alexandria. Sandalen haben sich bis heute gehalten und tauchen immer wieder als Modetrend auf. Traurigerweise haben wir inzwischen die Tennissocken erfunden …
Sternenleser: Hypatia war nicht nur eine angesehene Philosophin und Mathematikerin, auch der Astronomie war sie sehr zugewandt. Sie entwickelte sogar Geräte, mit denen man Stern- und Sonnenpositionen bestimmen konnte und entdeckte vermutlich schon damals, dass sich die Erde ellipsenförmig um die Sonne dreht und nicht umgekehrt. Heute weiß das zwar jedes Kind, aber bis die Menschheit Hypatias Thesen erstmals wieder in Erwägung zog (namentlich in Person eines gewissen Herrn Kopernikus), verstrich noch ein ganzes Jahrtausend.
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Haarbändiger: Trotz aller Hochsteckspangen, Zopfgummis und Lockenfestiger macht es die moderne Frau gerne der alten Mode nach: Gewellte oder glatte Knotenfrisuren mit schlichten Zierbändern sind schlicht, nicht aufwändig und elegant. Rachel Weisz als Hypatia steht dieser Look prima!
Schöngeister: Jahrtausendelang galt Kleopatras Pflegekonzept als ziemlich exzentrisch, doch die letzte Königin des ägyptischen Ptolemäerreiches ( * 69 v. Chr.; †12. August 30 v. Chr. in Alexandria) lag mit ihrem Milchbad goldrichtig: Milch hilft der Haut, Feuchtigkeit zu speichern und stärkt deren natürlichen Säureschutzmantel. Besonders bei gereizter oder durch Allergien und Neurodermitis geplagter Haut zeigt Milch entspannende und lindernde Wirkung.
Aufgebracht: Insbesondere gegen Ende des römischen Reiches kam es immer wieder zu Ausschreitungen unter den Anhängern verschiedenster Glaubensrichtungen – meistens handelte es sich dabei um spontane, gewalttätige Zusammentreffen, in denen jede Gruppe ihre Position handfest versuchte zu verdeutlichen. Das ist heute glücklicherweise etwas aus der Mode gekommen. Dafür haben wir aber einen neuen Trend daraus gemacht, „Flashmob“ genannt. Das Prinzip ist dasselbe – nur friedlicher.
Selbstbestimmtes Leben: Hypatia wollte keine Bindung zu einem Mann eingehen, da dies mit einem Ende ihrer selbstbestimmten Lebensweise einhergegangen wäre. Damit entschied sie sich auch gegen Kinder, denn dafür hätte sie ihre Lehrtätigkeit in der berühmten Bibliothek von Alexandria für immer aufgeben müssen. Wie modern Hypatia mit dieser Einstellung war, belegt die Geschichte: Die erste Welle der modernen Frauenbewegung erreichte uns erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts, die zweite folgte hierzulande in den 60er Jahren – und damit knapp 2.000 Jahre nach Hypatia!
Mit dem monumentalen Epos AGORA – DIE SÄULEN DES HIMMELS hat Regisseur Alejandro Amenábar, dessen Drama DAS MEER IN MIR vor fünf Jahren den Oscar gewann, einen authentischen, eindrucksvollen Bilderbogen geschaffen, der das Alexandria von damals hautnah erlebbar macht. Ein wuchtiges Kinoerlebnis, das zusammen mit der einmaligen Darstellung von Oscar-Preisträgerin Rachel Weisz den Gang ins Kino auf jeden Fall lohnt.
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