Der Gott des Gemetzels
Zwei New Yorker Upper Class Pärchen krachen wegen einer harmlosen Jungenrauferei verbal aufeinander. Eine amüsante Verbalschlacht beschert Meisterfilmer Roman Polanski dem Kinobesucher mit frugalen Mitteln. Der Grund des Geschehens: Brooklyn Bridge Park in New York. Ein 11jähriger junge erleichtert seinen Kontrahenten mit einem Stockhieb ins Gesicht um zwei Zähne. Die Folge: Kurz drauf treffen sich Michael (John C. Reilly, „Magnolia“)) und Penelope Longstreet (Jodie Foster, „Der Biber“, „das Schweigen der Lämmer“) die Eltern des unfreiwillig beim Zahnarzt weilenden Opfers in ihrem Appartement mit Alan (Christoph Waltz, „Inglorious Basterds“) und Nancy Cowen (Kate Winslet. „Titanic, „Der Vorleser“), den Eltern des schlimmen Schlägers. Flugs einigt man sich recht zivilisiert über Kosten, Schuld und Sühne, um wieder ganz normale bürgerlich-begüterte Wege zu beschreiten. Als aber die Cowens schon aus der Tür vor dem Fahrstuhl stehen, lassen sie sich noch zu einem Kaffeekränzchen überreden, weil das gegenseitige Interesse für das Leben der anderen geweckt wurde. Ein fataler Fehler, wie sich bald feststellen lässt. Über das Fehlverhalten bricht ein allmählich eine Streitgewitter herein, bei dem alle Beteiligten nicht nur Federn, sondern auch die Hosen herunterlassen. Ein Strauß gelber Tulpen, die selbst kreierte Kuchenrezeptur, der voll gebrochene Kokoschka-Kunstband band und ein in der Vase versenktes I-Phone führen zu mittelschweren Katastrophen in Sachen Erziehung, und Eheunlust.
Der Stoff, aus dem hier verbale Alpträume gestrickt wurden, avancierte nach seiner Theaterpremiere in Zürich 2006 zur viel gespielten Theaterburleske. Grund genug für den kontroversen Star-Regisseur Roman Polanski („Der Pianist”), ein A-Klasse-Ensemble in einer Sittenpersiflage im anschaulichen Antagonismus von maligner Mimik und maliziöser Gestik aufeinander zu hetzen. Jodie Foster lobt als Kunst beflissene Psycho – Emanze vor allem das Über Ich des Echtzeit-Stücks: „In vielerlei Hinsicht ist die Story satirisch und befremdlich, es kommt jedoch auf die Dynamik der Handelnden an und fesselt durch die Psychologie, der konträren Charaktere. Wie Menschen und ihre Leben untrennbar miteinander verbunden sind, reizte mich ungemein. Wie diese vier miteinander umgehen, einander zum Wahnsinn treiben, sich immer wieder und wieder gegenseitig immer wieder verletzen.“ Nach dem Politthriller „Der Ghostwriter“ (2010) reduziert der Skandalfilmer noch stringenter. Schon in seinem Drei-Personen- Psycho- Akter „Der Tod und das Mädchen“ (1994) deutete sein Faible für Kammerdramen an. Nun greift er sein Sujet wieder auf, weitaus amüsanter und angenehmer als zuvor. Der Gott des Gemetzels fußt auf „Mahes“ den „wild blickenden Löwen“ aus der ägyptischen Mythologie. Dieser bissige Götze ist der “Herr des Gemetzels und freut sich über das Blut”.
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Der Gott des Gemetzels wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »













