DER SCHWANENSEE-KNIGGE – Vom Debakel zum Klassiker
Jeder hat schon einmal von Schwanensee gehört – einem der berühmtesten Ballette der Geschichte. Doch was wisst Ihr tatsächlich über Inhalt und Entstehung des Tschaikowsky-Werks? Anlässlich des Kino-Starts des atemberaubenden Psycho-Thrillers BLACK SWAN von Kultregisseur Daran Aronovsky am 20. Januar 2010 haben wir einen „Schwanensee-Knigge“ mit den wichtigsten Fakten zusammengestellt, damit Ihr demnächst so richtig mit Eurem Kultur-Wissen angeben könnt.
Die Uraufführung von Peter Iljitsch Tschaikowskys „Schwanensee“ am 20. Februar 1877 in Moskau war ein Fiasko. Das Bolschoi-Ballett war dilettantisch, der Dirigent hatte Probleme mit seinem Taktstock, die Kostüme stimmten nicht, manche Nummern waren durch leichter zu tanzende Stücke anderer Komponisten ersetzt worden….
Tschaikowsky griff auf ein Libretto von Wladimir P. Begitschew und Wassili Geltzer zurück, das Motive verschiedenster Märchen und Legenden verwob. Im Lauf der Zeit entstanden indes weitere Versionen, die in den meisten Inszenierungen miteinander verschmolzen werden.
Im Mittelpunkt der romantischen Geschichte steht der junge Prinz Siegfried, der sich eine Braut erwählen soll. Er begegnet der Schwanenkönigin, die ihm ihre wahre Identität enthüllt: Sie ist die Prinzessin Odette, die von dem Zauberer Rotbart verwandelt wurde und nur durch den Schwur ewiger Liebe erlöst werden kann.
Überwältigt gesteht ihr der Prinz seine Gefühle, wird aber von Rotbart belauscht. Als Siegfried sich am nächsten Tag mit Prinzessin Odette verloben will, erscheint Rotbart mit Odile, Odettes böser Doppelgängerin (der schwarze Schwan). Der betörte Prinz hält fälschlicherweise um ihre Hand an, und erst als der weiße Geist seiner wahren Geliebten erscheint, erkennt er den Betrug. Am Schwanensee bittet er Odette um Verzeihung, und sie vergibt ihm. Obwohl sich beide ihre Liebe wieder gestehen, ist eine Erlösung nicht mehr möglich.
Der weitere Ausgang der Geschichte variiert je nach Inszenierung. In der Regel ertränkt Rotbart Siegfried mit einer Welle, während Odette und ihre Mädchen, wieder in Schwäne verwandelt, davonziehen. In manchen Versionen stürzt sich die Schwanenkönigin in die Fluten, um den Angebeteten zu retten. Die weiteren Spielarten reichen vom Tod der beiden bis zum Happy End.
Schuld am damaligen Premierenflop trug die Theaterdirektion, die das Werk bei dem bereits als Opernkomponisten etablierten Tschaikowsky in Auftrag gegeben hatte. Doch für die Uraufführung hatte sie nicht genügend Vorbereitungszeit eingeplant; ebenso wenig sorgte man für die richtige Ausstattung und die optimale Abstimmung zwischen Tänzern und Orchester.
Tschaikowskys Kompositionen wurden zunehmend mit fremden Ballettstücken ausgetauscht, bis schließlich fast ein Drittel der ursprünglichen Musik fehlte. Ein Grund dafür war, dass die Musik höchste Ansprüche an die Tänzer stellte. Odette und Odile, die in der Regel von der gleichen Ballerina getanzt werden, gelten als die anspruchsvollste Rolle des klassischen Balletts.
Erst 1895, zwei Jahre nach Tschaikowskys Tod, fand „Schwanensee“ am Petersburger Mariinski-Theater eine adäquate Umsetzung. Durch die Initiative der ersten Primaballerina Pierina Legnani wurden in einer Szene im 3. Akt zweiunddreißig Fouettés (Drehungen mit anschließender Pirouette) eingefügt. Die Partitur war für diese Aufführung von Tschaikowskys Bruder Modest überarbeitet worden.
Der Tänzer Nikolai Sergejew, der später zum Intendanten des Mariinski-Ensembles werden sollte, fertigte Aufzeichnungen von dieser Veränderung an, die er bei seiner Emigration 1934 in den Westen mitbrachte.
Nach diesen schwierigen Anfängen wurde aus „Schwanensee“ ein nicht mehr wegzudenkender Klassiker des Tanztheaters. Berühmte Inszenierungen stammen von Rudolf Nurejew (Wien), George Balanchine (New York) und John Neumeier (Hamburg). Für große Furore sorgte auch die Neufassung von Matthew Bourne: Bei ihm waren alle Rollen von Männern besetzt.
Nun seid ihr optimal vorbereitet für ein anregendes Gespräch auf der nächsten Party und natürlich für den außergewöhnlichen Psycho-Thriller BLACK SWAN: Natalie Portman gibt eine Ballerina, die eben die beiden Rollen des unschuldigen weißen als auch des dämonischen schwarzen Schwan verkörpern soll. Für die junge Frau geht ein Traum in Erfüllung – wenn es da nicht eine erbitterte Rivalin um die Rolle gäbe…. Wie die Geschichte diesmal ausgeht, seht ihr ab 20. Januar 2011 im Kino.
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