Der seltsame Fall des Benjamin Button
Als Benjamin auf die Welt kommt, ist er ein Greis in Gestalt eines Babys. Im Laufe der Jahre wird der alte Mann immer jünger. Seine erste große Liebe ist Daisy, die Tänzerin wird, und später auf dem Sterbebett ihrer Tochter die Geschichte Benjamins nahe bringt. Tiefgründige Reflektion.
Was für eine Thematik für einen Hollywoodfilm! David Fincher hat sich hier einer literarischen Vorlage angenommen, die Lebensweisheit vermittelt und den Leser auf die wirklich wichtigen Dinge eines Lebens aufmerksam macht. F. Scott Fitzgerald („Der große Gatsby“) schrieb die zu Grunde liegende Kurzgeschichte in den 1920er Jahren. Schon seit etlichen Jahrzehnten machten die Rechte in Hollywood die Runde, endlich nun haben es Fincher und sein Lieblingsdarsteller Brad Pitt („Sieben“, „Fight Club“) geschafft, das Projekt gemeinsam zu stemmen. Und dabei ist die Story geradezu wie gemacht für die große Leinwand, weil man spätestens jetzt mit den Mitteln der heutigen Digitaleffekte die Möglichkeit hat, diese angemessen visuell umzusetzen.
Da Benjamin als Baby schon aussieht wie ein Greis und dementsprechend hässlich ist, wird er von seinem Vater verstoßen, nachdem seine Mutter im Kinderbett gestorben ist. Bei Queenie, der herzensguten Leiterin eines Altersheims, wird er dennoch liebevoll aufgenommen. Inmitten der alten Menschen wächst Benjamin heran, teilt deren körperliche Gebrechen, ist aber innerlich noch der kleine Junge, der das Leben erst in Erfahrung bringen muss. In dieser Zeit freundet er sich mit Daisy an, die seine Seelenverwandte ist, obwohl sie vom äußeren Erscheinungsbild her Generationen auseinander liegen müssten. Im Laufe der Jahre werden sich beider Wege immer wieder kreuzen, bis sie altersmäßig zusammenpassen und sich schließlich wieder voneinander entfernen, wenn Daisy zunehmend älter, aus Benjamin aber letztendlich ein kleiner Junge wird. Fitzgeralds Stoff bietet eine hervorragende Grundlage, um sich über den Sinn des Lebens Gedanken zu machen, sich der eigenen Sterblichkeit bewusst zu werden und mit dem Verlust geliebter Mitmenschen zu Recht zu kommen. Das ist starker Tobak für einen groß angelegten Mainstreamfilm, der mit Brad Pitt und Cate Blanchett zwei der aktuell zugkräftigsten Stars auf seiner Seite hat. Dadurch, dass die beiden Schauspieler mehrere Lebensjahrzehnte auf der Leinwand darstellen müssen, erhält der Film auch selbstreflexive Elemente. Denn das Altern ist mehr als irgendwo sonst in der Traumfabrik ein Thema, wo das Verfallsdatum wesentlich schneller überschritten wird als in anderen Berufen. Wer kann heute schon sagen, ob Pitt und Blanchett auch in zwanzig Jahren noch in diesem Metier tätig sind? Wer „Benjamin Button“ gesehen hat, kann sich allerdings sicher sein, dass sie jedenfalls beide das nötige Talent haben, um auch mit Falten und grauen Haaren noch ihr Publikum in den Bann zu ziehen. (5/6)
USA 2008 (The Curious Case of Benjamin Button) Regie: David Fincher. Buch: Eric Roth. Musik: Alexandre Desplat. Kamera: Claudio Miranda. Schnitt: Kirk Baxter, Angus Wall. Produktion: Kennedy/Marshall, Warner Bros., Paramount Pictures. Mit: Brad Pitt, Cate Blanchett, Taraji P. Henson, Julia Ormond, Jason Flemyng, Tilda Swinton, Elias Koteas. Warner. 165 Min. Ab 29.01.2009 im Kino.
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