Die Geschichte vom Brandner Kaspar – Gevatter Tod
Der Hallodri und Wilderer Kaspar soll mit 69 Jahren in den Himmel aufsteigen. Doch er macht den Gevatter Tod durch Kirschwasser nachlässig und betrügt ihn beim Kartenspiel. Dadurch schindet Kaspar weitere 21 Lebensjahre für sich heraus. Pfundige Bajuwaren-Posse.Â
Im Freistaat Bayern ist die Geschichte vom Brandner Kaspar und seinem neckischen Feilschen mit dem Boanlkramer (bayerisch für den Sensenmann) ein Klassiker, den ein jedes Schulkind kennt. Da mit den Filmen von Marcus H. Rosenmüller eine Renaissance des Bayerischen eingesetzt hat, die nicht an den Grenzen des Landes Halt machte, sondern in ganz Deutschland auf begeisterte Kinozuschauer trifft, kommen nun vermehrt blau-weiße Heldenfiguren auf die Leinwand. War die kürzliche Neuverfilmung von „Räuber Kneißl“ noch arg hausbacken und zerdehnt aufbereitet, hat Joseph Vilsmaiers Version vom „Brandner Kaspar“ durchaus wieder das Format, landesweit auf Sympathien zu stoßen. Einen nicht unerheblichen Anteil daran dürfte die bestens ausgewählte Darstellerriege haben, die auch Bayern-Muffel vom Charme der Geschichte und ihrem kauzigen Humor wird überzeugen können.
Da ist zunächst einmal der altgediente Franz Xaver Kroetz, seines Zeichens einer der renommiertesten bayerischen Bühnenautoren und seit seiner Paraderolle als Baby Schimmerlos in Helmut Dietls Schicki-Micki-Satire „Kir Royal“ auch als Schauspieler respektiert. Er gibt den gewitzten Büchsenmacher Brandner, der zwar vom Leben gebeutelt und mittlerweile gebrechlich geworden ist, den Gevatter Tod aber noch lange nicht begleiten möchte. Wie er nach seinem Falschspielersieg und den dadurch gewonnenen zwei Lebensjahrzehnten vom hustenden Greis zum lebensfrohen und übermütigen Senior mutiert, ist ein herrliches Kabinettstück. Und ihm zur Seite füllt Scherzbold Michael „Bully“ Herbig die Rolle des tollpatschigen Sensenmannes mit seinem unnachahmlichen Stil. Zwar ist er unter einer aufwändigen Gesichtsmaske zunächst fast nicht zu identifizieren, aber seine markige Stimme und die grotesk überzeichnete Art lassen in der Figur schon bald die typischen Bully-Attribute durchschimmern. Joseph Vilsmaier scheint immer dann besonders gut zu sein, wenn er sich in seinen filmischen Stoffen nicht allzu weit von seinen eigenen bayerischen Wurzeln entfernt. Deswegen ist der „Brandner Kaspar“ mal wieder einer seiner empfehlenswerten Filme geworden, in dem sich der Filmemacher auch verspielt über die bayerische Lebensart, die Obrigkeiten und die geheiligten katholischen Instanzen lustig machen kann. Was für Rosenmüller in „Wer früher stirbt, ist länger tot“ seine surreale Gerichtsszene war, das spinnt Vilsmaier hier in den Szenen im bayerischen Jenseits weiter, wo Erzengel Michael ständig sein Flammenschwert vergisst und Pförtner Petrus nichts von seiner Weißwurstmahlzeit abbringen kann. Eine gepfefferte Gaudi.
D 2008. Regie und Kamera: Joseph Vilsmaier. Buch: Klaus Richter. Musik: Christian Heyne. Kamera: Jörg Widmer. Schnitt: Uli Schön. Produktion: Clasart, Perathon. Mit: Franz Xaver Kroetz, Michael Bully Herbig, Lisa Maria Potthoff, Alexander Held, Sebastian Bezzel, Peter Ketnath, Jürgen Tonkel. Concorde. 100 Min. Ab 16. Oktober 2008 im Kino.
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