Die Stadt der Blinden
Die apokalyptische Verfilmung des Romans von Nobel-Preisträger Jose Saramago ist eine Intellektuellen-Version von “I am Legend”. Fernando Meirelles: Der moderne Klassiker und internationale Bestseller „Die Stadt der Blinden“, eine Parabel über die Unfähigkeit der Menschen, miteinander zu kommunizieren, hat es auf die Leinwand geschafft. Trotz erheblicher Widerstände seitens des Lyrikers und Romanciers José Saramago, gelang es dem Produzenten Niv Fichman und Drehbuchautor Don McKellar schließlich, Saramago zum Einlenken zu bewegen und sich die Rechte an dem Romanstoff zu sichern. Als Regisseur konnte Meisterfilmer Fernando Meirelles verpflichtet werden: Es beginnt plötzlich und ohne Vorwarnung: Am Steuer seines Autos wird ein Mann (Yusuke Iseya) blind: Er sieht nur noch weißen Nebel. Allen, die er trifft, widerfährt das gleiche Schicksal: seiner Frau (Yoshino Kimura), seinem Arzt (Mark Ruffalo), dem guten Samariter (Don McKellar), der ihn nach Hause brachte. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Krankheit, und die Regierung fällt eine fatale Entscheidung. Alle an der Weißen Blindheit erkrankten Menschen werden in einer verlassenen Heilanstalt interniert, in der alsbald Chaos und Brutalität regiert. Und mittendrin ist der einzige Mensch, der von der Epidemie verschont bleibt: die Frau des Arztes (Julianne Moore).
Der Roman von Nobelpreisträger José Saramago galt – wie alle profunden Romane – lange als unverfilmbar. Fernando Meirelles (“Der ewige Gärtner”, “City of God”) schuf trotzdem ein gutes Epos über eine in Blindheit gestürzte Welt, das dem Zuschauer die Augen öffnet: “Die Stadt der Blinden” (dt. 1997) ist auch die Stadt der namenlosen, denn allesamt werden ausschließlich nach ihrer Funktion oder äußerem Merkmal benannt: “die Frau des Arztes”, “der erste Blinde”, “die Patienten”, “die Frau mit der dunklen Brille” und so fort. Und in eben dieser Stadt greift eine merkwürdige Seuche um sich, die Menschen fangen an zu erblinden und sehen statt Formen und Farben nur noch eine weiße, milchige Fläche. Blitzartig verbreitet sich das Übel: Eine beklemmende wie intelligente Filmstudie über den Break Down einer Gesellschaft in Krisenzeiten und gleichsam eine anschauliche Allegorie über die Frau als starkes Geschlecht.
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Die Stadt der Blinden wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »













