Dogville-Godville – Methodische Zugänge zu einem Film Lars von Triers
Keine Leicht-Lesekost und keine Widerrede: Dogville, der Film des dänischen Dogma-Regisseurs Lars von Trier, provoziert. Dies gilt nicht nur für die unkonventionelle Mise en Scène, sondern trifft vor allem auf die Geschichte zu, die erzählt wird. Nachdem die verfolgte Grace (Nicole Kidman) in dem kleinen Ort Dogville zuerst Zuflucht findet, nutzen die Bewohner sie zunehmend aus, demütigen und versklaven sie schließlich. Am Ende wird über dieses Verhalten der Dorfbewohner Gericht gehalten – und irritierend in Szene gesetzt, was die jüdisch-christlichen Traditionen an Vorstellungen über das Weltende hervorgebracht haben. Mit vergleichsweise einfachen Mitteln wird hier großer Film illustriert.
Der Band, der auf Beiträge zweier Tagungen der Forschungsgruppe zurückgeht, ist zugleich ein für alle Filminteressierten äußerst nützlicher Methoden-Reader wie ein vielstimmiger Kommentar zu Dogville. Auf dieses konkrete Filmbeispiel werden in dem vorliegenden Band verschiedene Methoden der Filminterpretation angewendet: Sicht der Klassiker der Filmtheorie, neoformalistischer Ansatz, postmoderne und spezifisch theologische Zugänge. Alle Beiträge haben es sich zum Ziel gesetzt, die gewählte Methode zunächst darzustellen und sie dann auf den Film anzuwenden. Auf diese Weise ist der Band zugleich Methoden-Wegweiser wie auch präziser Kommentator zu diesem komplizierten Werk.
Dogville mit Nicole kidman ist keinesfalls ein normaler Film, auch wenn die Handlung nicht unbedingt neu ist. Doch es genügt ein Blick, um zu erkennen, dass Lars von Trier hier gehörig experimentiert hat: Der Film spielt komplett auf einer schwarzen Bühne, auf der mit weißen Linien die Häuserumrisse von Dogville gezeichnet sind. Es stehen zwar ein paar Requisiten herum, aber große Kulissen fehlen komplett. Jedes Haus ist transparent, man sieht ständig, was im gesamten Dorf abspielt….
Und wenn Türen geöffnet oder Tore aufgehalten werden, dann sieht man die Schauspieler überzeugt in der Luft herumhantieren – unterstützt von einer passenden Geräuschkulisse aus dem Off. Die vier Wände um die Bühne herum sind abwechseln schwarz oder weiß, je nachdem ob gerade Nacht oder Tag ist, und wenn die Schauspieler angestrengt ins Nichts starren, muss man eben dem Erzähler glauben, dass sie das Tal beobachten. Ja genau, dem Erzähler. Der Film wird nicht allein von den Schauspielern erzählt; es gibt obendrein noch einen allwissenden. auktorialen Film-Erzähler…
Stefan Orth / Michael Staiger / Joachim Valentin (Hg.)
256 Seiten
ISBN: 978-3-89472-631-7
€ 19,90
Ähnliche Beiträge:
Dogville-Godville – Methodische Zugänge zu einem Film Lars von Triers wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »













