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DVD-Premiere „Bach Jazz“ mit Güher & Süher Pekinel und dem Jacques Loussier Trio

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DVD-Premiere „Bach Jazz“ mit Güher & Süher Pekinel und dem Jacques Loussier Trio

Pekinel Bach Jazz 150x222 DVD Premiere „Bach Jazz“ mit Güher & Süher Pekinel und dem Jacques Loussier TrioKein ernsthafter Musiker kommt an Johann Sebastian Bach vorbei. Die Rezeption seiner Musik über die Jahrhunderte hat gezeigt, dass sie so gut und zeitlos ist, dass sie die unterschiedlichsten Aufführungspraktiken aushalten kann. Auch Jazzmusiker haben sich mit Bachs Musik beschäftigt und sie ihrem musikalischen Idiom angepasst. Einer der bekanntesten davon ist Jacques Loussier, der mit „Play Bach“ solistisch und im Jazz-Trio viele Bach-Melodien einem Publikum bekannt machte, das sie nicht aus Kirche und Konzertsaal kannte. Die beiden türkischen Zwillingsschwestern Güher und Süher Pekinel haben als weltbekanntes Klavierduo immer gerne Bach gespielt. Bei den Schwetzinger Festspielen 2001 sind sie zusammen mit dem Jacques Loussier Trio in einem Bach-Jazz-Konzert aufgetreten. Arthaus Musik bringt die Aufzeichnung dieses Konzertes jetzt auf DVD heraus.

Die Arrangements stammen von Jacques Loussier. Die Klaviere werden unterstützt von Vincent Charbonnier am Kontrabass und André Arpino am Schlagzeug. Für das Klavierduo Pekinel hat Loussier das Konzert in c-moll für zwei Klaviere BWV 1060 arrangiert. Die beiden Pianistinnen spielen auch die eingefügten harmonisch eher konventionellen Improvisationen nach Noten und rhythmisch streng. Das ändert sich dann bei der Bearbeitung des Konzertes in d-moll für drei Klaviere BWV 1063, wenn Loussier selbst mitspielt. Als Jazzmusiker bringt er Improvisationen mit Jazz-Harmonik ein. Zwischendurch kommt er dann wieder auf die Original-Vorlage zurück, was dem Ripieno-Solo-Wechsel eines barocken Concerto grosso nachempfunden ist. Auch ein längeres Schlagzeugsolo gibt es. Noch mehr Jazz mit längeren Improvisationen bietet Loussier mit seinem Trio im „Sommer“ von Vivaldis berühmtem „Jahreszeiten“-Zyklus. Einige Konzertbesucher werden mit gemischten Gefühlen nach Hause gegangen sein. Denn diese Gratwanderung zwischen Klassik und Jazz stellt nicht alle zufrieden. Friedrich Gulda musste dafür viel Kritik einstecken. Für die Klassiker hat er die reine Musik verraten, für die Jazzer war seine Harmonik zu konventionell. Den Pekinel-Zwillingen wird dieses Urteil nicht widerfahren. Ihre musikalische Heimat liegt bei der konventionellen Interpretation und sie wollten mit diesem Experiment ihr Spektrum erweitern. Doch auch wer die Bach-Musik nicht in der jazzigen Weise Loussiers hören möchte, kommt bei dieser DVD auf seine Kosten. Denn es sind noch andere Konzertaufzeichnungen mit dem Duo dabei, in denen sie ihr Können zeigen. Dazu gehört das andere Doppelkonzert in c-moll von Bach (BWV 1062) mit dem English Chamber Orchestra unter der Leitung von Sir Colin Davis. Hier liegt so viel Vitalität, Drive und mit Hervorhebung der Synkopen Swing in der Musik, dass sie gar keiner Verjazzung bedarf. Die russische Seele kocht dann bei einem pianistischen Feuerwerk für zwei Klaviere von Sergej Rachmaninoff. Eingetaucht in irrsinnig schnellen Tongirlanden und Glockeneffekten sind melancholische Melodien zu vernehmen. Als Extras sind auszugsweise weitere Konzertmitschnitte bekannter Werke für zwei Klaviere enthalten, die die Vielseitigkeit des Duos zeigen. Von Mozarts Doppelkonzert bis Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ und den aberwitzig schwierigen Paganini-Variationen von Lutoslawski gelingt ihnen das Zusammenspiel in traumwandlerischer Sicherheit. Dabei stehen die beiden Flügel oft so, dass die Pianistinnen hintereinander sitzen und keinen Blickkontakt haben.

Das einfühlsame filmische Selbstporträt „Doppelleben“ (2009) zeigt den künstlerischen Werdegang des weltbekannten Klavierduos von der strengen Schule in einem katholischen Internat in Istanbul bis zur musikalischen Ausbildung am Pariser Conservatoire. Später sind sie in der Odenwaldschule und studieren an der Frankfurter Musikhochschule und Universität bei Horkheimer und Adorno, als sie 1968 ungewollt in den Strudel der Studentenunruhen geraten. Nachdem sie Rudolf Serkin vorgespielt haben, dürfen sie bei ihm am Curtis Institute in Philadelphia studieren. Später lernen sie die russische Klaviertechnik bei einer Lehrerein an der renommierten Juilliard School in New York. Im Lauf der Zeit werden die beiden immer mehr eins mit der Musik und in ihrem Zusammenspiel. Ab 1974 kommen sie wieder nach Europa zurück und gewinnen bedeutende Wettbewerbe. Spätestens seit ihrer Förderung durch Herbert von Karajan bei den Salzburger Festspielen 1984 beginnt ihre Weltkarriere und Zusammenarbeit mit Orchestern wie den Berliner oder Wiener Philharmonikern und Plattenfirmen wie Deutsche Grammophon. Nebenbei engagieren sie sich für die Förderung des begabten musikalischen Nachwuchses in der Türkei.

Wer mit dem Stilmix aus Barock und Jazz nicht so viel anfangen kann und die zugegebenen Stücke komplett sehen und hören möchte, dem sei die DVD „Güher und Süher Pekinel – Live in Concert“ mit Werken von Brahms, Mozart, Lutoslawski, Milhaud und Poulenc empfohlen, die ebenfalls bei Arthaus Musik erschienen ist.

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