DVD-Premiere „My Way – James Last“ bei Arthaus Musik
Filmporträt eines der erfolgreichsten Musiker der Welt.
Mit seinem weichen Big-Band-Sound eroberte er die Welt: Hans Last, von seiner Plattenfirma wegen der internationalen Vermarktbarkeit bald in James Last umbenannt, in der englischsprachigen Welt aber immer mit Hansi angesprochen. Mit weltweit mehr als 100 Millionen verkaufter Tonträger in über 150 Ländern gilt er als der erfolgreichste deutsche Musiker. Der Filmemacher Thomas Schadt hat den heute 82jährigen kurz vor seinem 70. Geburtstag nach längerer Bühnenabstinenz auf einer Tournee mit der Kamera begleitet. Das einfühlsame Porträt ist jetzt bei Arthaus Musik auf DVD erschienen. Der gebürtige Bremer studiert Musik an der Heeresmusikschule, spielt zunächst im Tanz- und Unterhaltungsorchester von Radio Bremen und erhält einige Preise als Jazz-Bassist. Später macht er sich selbständig und wird bekannt durch Arrangements in seinem bekannten „Happy Sound“ von Volks- und Popmusik über Swing bis zur Klassik. Dabei bleibt er immer auf der Höhe der Zeit, was zu seiner großen Beliebtheit bis heute beiträgt. In den 60er Jahren spielt er Hippie-Musik, heute sogar Hip-Hop, hält aber auch immer seine Oldies im Repertoire, so dass er als ein Botschafter zwischen den Generationen angesehen werden kann. Selbst hat er auch komponiert, etwa für Freddie Quinn oder Elvis Presley. Titelmelodien zu bekannten TV-Serien wie „Das Traumschiff“ oder „Der Landarzt“ stammen von ihm. Thomas Schadt interessiert sich zwischen den Bühnenauftritten besonders für den Menschen James Last, der trotz seines Ruhms keine Starallüren hat. So gibt er immer bereitwillig Autogramme und ist zu Späßen aufgelegt. Von seinen Musikern, manche begleiten ihn schon seit Jahrzehnten, fordert er immer das äußerste. Schließlich bezahlen die Besucher viel Geld und wollen auch etwas dafür geboten bekommen. Dafür hat er ein Jahr an den Arrangements gefeilt. Er selbst führt ein diszipliniertes gesundes Leben, das ihn bis heute agil und kreativ gehalten hat. Seine fast 30 Jahre jüngere Frau Christine, die er nach dem Tod seiner ersten Frau geheiratet hat, ist für ihn ein Ruhepol nach körperlich und geistig anstrengenden Auftritten. Im Film sieht man, dass er in England sehr treue Fans hat. Ein begeistertes Paar hat bereits 66 seiner Konzerte besucht. Bei Klassikern wie „If you’ll be in my heart“ springen auch ältere Konzertbesucher auf und tanzen und klatschen wild wie in früheren Zeiten. Von Bekannten wird sein großes Gerechtigkeitsempfingen gelobt. So hat er zum 70. Geburtstag für die Hamburger Michaeliskirche gespendet und wird auf einer Gedenktafel verewigt. In seinem Haus in Florida führt James Last vor, wie er am Computer seine Arrangements entwirft. Noch im Alter von 60 Jahren hat er auf digitale Musikbearbeitung umgestellt. Thomas Schadt ist hier eine Hommage an einen großartigen Musiker und trotz des Erfolgs bescheidenen Menschen gelungen.
Als Bonus ist ein Gespräch von 2011 aus der Reihe „Wortwechsel“ des SWR enthalten, als James Last mit über 80 Jahren im Rahmen einer großen Tournee durch sechs Länder die Bühne der riesigen O2 World in Berlin betritt. Filmausschnitte zeigen seine Beliebtheit auch im Ostblock, als er 1972 in der UdSSR und 1987 im Palast der Republik in Ost-Berlin frenetisch gefeiert wird. Anja Höfer spricht mit dem Bandleader über die wichtigsten Stationen seiner Karriere. Auffallend ist, dass er sich während der zehn Jahre seit dem Dokumentarfilm kaum verändert hat. Die Musik und ein eisernes tägliches Fitnessprogramm scheint ein nie versiegender Jungbrunnen für ihn zu sein. (Johannes Kösegi)
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