Engel mit schmutzigen Flügeln
Defätistisch, nihilistisch, existentialistisch? Von jedem etwas, dieser schön anzusehende provokante Film von Deutschlands Enfant Terrible unter den Regisseuren: Der ohne Fördergelder produzierte „Skandalstreifen“ fokussiert drei junge Frauen Michaela (Mira Gittner), Gabriela (Marina Anna Eich) und Lucy (Antje Nikola Mönnning), die auf ihren schweren Bikes durch die Lande düsen, um ihren Zynischen und Egoismus, vor allem aber die Lust, exponiert in Gestalt von Nicola Mönning. Sie bezeichnen sich selbst als „Engel“, agieren jedoch wie der Club der kleinen Teufelinnen, eben Gottesgesandte mit rabenschwarzem Flügelgefieder. Lucy hat es noch nicht als Vollmitglied in die sinstre Walhalla, ins Exil-Paradies der Gottesbotinnen geschafft. Also muß sie sich sehr harten Tatsachen und nackten Prüfungen unterziehen, insbesondere aber erduldet sie stoisch die sarkastischen Kommentare ihrer beiden Gefährtinnen. Was folgt, sind erotische, obsessive Trips in den Hades der menschlichen Seele, falls man überhaupt davon reden darf. Drei Damen- null Moral. Aber die Hölle sind wir selbst, wie Sartre einstens sagte. Denn Lucy könnte sich nicht ausleben, wenn beispielsweise kein Bedarf im „Club“ bestünde. Antje Mönning (31) gibt diese alles lebende, alles outrierende Lucy. Der aparte Totschopf ist einem breiteren Publikum eher als „Nonne Jenny“ in der ARD-Serie „Um Himmels Willen“ bekannt. Sie hat neben ihrer Rolle der Lucy auch koproduziert. Die bewährte Mira Gittner war neben ihrer Rolle als Michaela für die Kamera und den Schnitt verantwortlich.
Da diverse Szenen mit den Motorrädern auf der Straße spielen, kam es dem Münchener wtp-Team mehr als recht, dass just beim Dreh die neue B 17 bei Landsberg schon fast fertig gestellt, aber noch nicht für den Verkehr freigegeben worden war. Das Straßenbauamt erteilte die Drehgenehmigung, und so konnte das Team dort filmen, vermochte eingehende Sequenzen mit pointierten Dialogen einzufangen.
Regisseur Roland Reber hat wieder einmal mit seinen Kolleginnen Marina Anna Eich, die neben ihrer Rolle als Gabriela auch die Produktion und Pressearbeit für den Film übernahm, und Mira Gittner, die sowohl vor der Kamera, als Michaela, als auch hinter der Kamera stand, ein sehr extremes und provokantes Werk abgeliefert, es sind die ironischen Aphorismen, die mehr berühren, als irgendwelche nackten Tatsachen, die wiederum schon im Vorfeld katholische Gemüter erhitzten. Es ist „Engel mit schmutzigen Flügeln“ deutlich anzusehen, dass Reber aus dem Theater-Universum stammt, lange Einstellungen, ruhige Schnitte, scharfe Dialoge. Und was dieses modifizierte Opus Pistorum überdies sehenswert gestaltet, ist der persiflierende und auch gleichzeitig sehr dezidierte Score. Gleichwohl spaltet auch diese Produktion Kritiker und Publikum in zwei kontrahierende Lager. Wie immer. Und das ist auch wie immer so intendiert. Ab März 2010 wird diese perfide Parabel der schrägen Sorte ebenso die Kinofans polarisieren.
Engel mit schmutzigen Flügeln wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »













