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EVANGELINE LILLY im Interview zu Real Steel

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EVANGELINE LILLY im Interview zu Real Steel

real steel 150x99 EVANGELINE LILLY im Interview zu Real SteelEVANGELINE LILLY (Bailey) wurde in Kelowna, British Columbia, von einer Agentin der Modelagentur Ford entdeckt. Sechs Monate später zog die Kanadierin nach Vancouver und schrieb sich an der University of British Columbia ein. Nach ersten Auftritten in Werbespots entschloss sie sich, ihre Schauspielkarriere nicht weiterzuverfolgen und sich lieber auf ihr Studium zu konzentrieren. Auf Drängen eines Freundes stieg sie zwei Jahre später jedoch wieder ein. In der Serie „Stephen King’s Kingdom Hospital“ spielte sie 2004 eine Leiche und landete eine Rolle in THE LONG WEEKEND („Mein verschärftes Wochenende“, 2005). 2008 war sie neben John Malkovich in dem Mysterydrama AFTERWARDS zu sehen, das beim Filmfest in Toronto präsentiert wurde.

Im Januar 2004 übernahm Lilly als Kate in der Serie „Lost“ ihre erste Sprechrolle in einer TV-Serie. Das TV-Phänomen von J.J. Abrams, Damon Lindelof und Jeffrey Lieber wurde 2006 mit dem Golden Globe für die beste Drama-Serie ausgezeichnet, Lilly und ihre Kollegen erhielten den Screen Actor’s Guild Award für das beste Ensemble. Sie selbst wurde zudem für den Teen Choice Award als beste Schauspielerin in einer Drama-Serie nominiert und war bei den Golden Globes 2007 in derselben Kategorie im Rennen. Derzeit steht Evangeline Lilly in Neuseeland für THE HOBBIT („Der Hobbit“) vor der Kamera, der Vorgeschichte zu Peter Jacksons Mega-Trilogie THE LORD OF THE RINGS („Der Herr der Ringe“, 2001–2003).

Neben ihrer Leidenschaft für Reisen und fremde Kulturen engagiert sich Evangeline Lilly für soziale Projekte. Schon als 14-Jährige arbeitete sie ehrenamtlich mit Kindern. Während ihrer Studienzeit gründete und leitete sie einen Ausschuss für Entwicklungshilfe und Menschenrechte und lebte drei Wochen in einer Grashütte auf den Philippinen.

Die sportliche, naturverbundene Evangeline Lilly spricht fließend Französisch. Sie liebt Lesen, Schreiben, Malen, Musik, neue Dinge zu lernen, Reisen und Tee.

Wie sind Sie zu dem Projekt gekommen?

Evangeline Lilly: Mein Agent ließ mir das Drehbuch zukommen mit der Anmerkung, dass Hugh Jackman auch dabei sei. Zu dem Zeitpunkt steckte ich gerade in den Dreharbeiten zu „Lost“, die sich noch ein, zwei Monate hinzogen. Ich war also überhaupt nicht auf Arbeitssuche, sondern freute mich darauf, danach erst mal Zeit für mich zu haben. Aber als ich dann den Namen Hugh Jackman hörte, beschloss ich, das Drehbuch wenigstens zu lesen. Seit ich Hugh in Darren Aronofskys THE FOUNTAIN gesehen habe, wollte ich unbedingt mit ihm arbeiten. Er war einfach brillant in der Rolle! Ich muss zugeben: Auch wenn ich in einer der größten Sci-Fi-Serien mitgespielt habe, ist Science-Fiction eigentlich nicht mein Fall. Da Hugh aber bereits an Bord war, las ich weiter, und am Ende war ich ehrlich gerührt. Das Skript ist so liebevoll und gut geschrieben. Als ich dann noch Shawn (Levy) traf, wusste ich, dass es die richtige Entscheidung war, REAL STEEL zu machen. Er ist ein echt netter Kerl. Ich sage gern, dass er funkelt: Er ist fröhlich, dynamisch und strahlt pure positive Energie aus. In diesem Geschäft geht man leicht in die Falle, nimmt sich viel zu wichtig und steht sich bei der Arbeit selbst im Weg. Aber Shawn könnte nicht entspannter sein. Oder kollegialer, oder witziger.

Beim Stichwort „Roboter-Boxen“ hat man sofort eine Vorstellung im Kopf. Aber REAL STEEL geht darüber hinaus, oder?

Anfangs dachte ich auch: Boxende Roboter? Dieser Film interessiert mich nicht. Da geht es doch nur um Gadgets, Spezialeffekte und wie cool solche Roboter sind. Aber im Kern ist REAL STEEL eine Familiengeschichte. Es geht um die Beziehung eines Vaters zu seinem Sohn und um Versöhnung – und dazu muss sich Hughs Figur, Charlie Kenton, auch mit sich selbst aussöhnen. Die Roboter sind bei dieser herzerwärmenden Geschichte im Grunde ein fabelhaftes Beiwerk.

Wie passt Ihre Filmfigur Bailey in diese Geschichte?

Was mir schon bei der Lektüre des Drehbuchs besonders an der Rolle gefiel, ist, wie beiläufig sie eingeführt wird. Bailey ist eine feste Größe in Charlies Leben, er ist sich ihrer sicher. Im Verlauf der Geschichte fordert sie jedoch mehr von ihm, als er bislang zu geben bereit war. Sie wird nicht länger so selbstverständlich für ihn da sein. Charlie soll endlich aufwachen und sein Leben in die Hand nehmen. Und dabei spielt Bailey eine Schlüsselrolle. Sie hilft Charlie, seinen Weg zu gehen, tritt in den wichtigen Momenten in Erscheinung – sie ist seine Stimme der Vernunft.

In welcher Zeit spielt REAL STEEL und wie hat sich die Welt zwischen dieser Zeit und heute verändert?

Der Film spielt in der nahen Zukunft, im Jahr 2020. Der Boxsport hat sich weiterentwickelt, weil die Fans Blut sehen wollten und nach immer neuen Action-Superlativen, Gewalt und spektakuläreren Kämpfen verlangten – gar nicht so anders als heute also. Früher traten zwei Männer im Ring gegeneinander an, jetzt sind es Super-Fighter, denen keine körperlichen Grenzen gesetzt sind. Es gibt heutzutage die WWF (World Wrestling Federation), deren Kämpfe viel sensationeller aussehen als normale Boxkämpfe, aber das beruht alles auf der Tatsache, dass das Publikum mehr Blut sehen will. Sie fordern immer mehr und mehr – bis zu dem Punkt, an dem Menschen einfach nicht mehr mithalten können. Stattdessen treten nun Roboter an, die bis zum Tod kämpfen können. Das erscheint mir gar nicht so weit hergeholt, wenn ich daran denke, was wir in den Medien schon heute vorgesetzt bekommen.

Sie könnten sich eine Welt, in der Boxkämpfe von Robotern ausgetragen werden, also durchaus vorstellen?

Oh ja. Das Coole an REAL STEEL ist ja gerade, dass sich die Welt im Film gar nicht so sehr von unserer unterscheidet. Wir sausen dort nicht in Gleitautos durch die Gegend und sind nicht von Kopf bis Fuß in Silber gekleidet. Nichts daran ist für das Publikum befremdlich. Jeder erkennt die Welt wieder, in der wir heute leben. Sie hat sich nur ganz leicht verändert, so, wie sich die Welt in 20 Jahren eben verändert. Sie sieht nicht viel anders aus als in den 90er Jahren. Der Look des Films ist fest in der Realität verankert, was ich sehr clever finde. Und obendrauf gibt es diese hypermodernen Hightech-Roboter. Es macht Spaß, ihnen zuzusehen.

Wie war es, mit Roboter Atom zu drehen?

Wir haben im Film eine wichtige Szene zusammen – die, in der er zum Leben erwacht. Atom wird die gesamte Handlung und das Schicksal jeder einzelnen Figur entscheidend beeinflussen. Er schweißt uns drei Protagonisten – Max, Charlie, Bailey – zusammen, als alles auseinander zu brechen droht und wir drauf und dran sind, getrennte Wege zu gehen. Atom hält uns zusammen. Als wir ihn einschalten und er die Augen aufschlägt, ist das ein Schlüsselmoment des Films.

Baileys Boxclub scheint im Film als eine Art Zuhause zu fungieren. Sehen Sie das auch so?

Das Gym ist ziemlich leer, so dass jeder Schritt widerhallt. Alle anderen Szenen im Film spielen an überfüllten Orten: Menschenmengen, Lärm, Reizüberflutung. Dagegen wirkt die alte Turnhalle wie eine Geisterstadt, die reinste Erholung von der aufgeladenen, aggressiven Atmosphäre, die im Film sonst vorherrscht. Deshalb kommt man gern an diesen Ort: um wieder zu sich zu kommen. Er holt einen wieder auf den Boden zurück. Und er ist natürlich auch ein Sinnbild für Baileys Beziehung zu Charlie: Er kommt zu Bailey „nach Hause“, um runterzukommen: „Okay, mir geht’s gut. Ich schaffe das.“ Und dann zieht er los und vermasselt wieder alles!

Und wie war die Arbeit mit Ihren Co-Stars?

Ich bewundere Hughs Leistung in THE FOUNTAIN und wollte unbedingt mit ihm zusammenarbeiten. Das war der Hauptgrund, dass ich das Drehbuch überhaupt gelesen und die Rolle angenommen habe. Und er hat mich nicht enttäuscht: Es war ein Genuss, mit ihm vor der Kamera zu stehen. Er improvisiert gern und hat immer neue Einfälle, wie man die Szene gestalten könnte. Oft hat er mich direkt mit einbezogen und mir damit geholfen, den Schauspieler-Modus zu knacken und spontan zu sein. Nach so einem Drehtag fühlte ich mich nicht etwa erschöpft, sondern energiegeladen – wie ein Kind, das auf dem Spielplatz getobt hat. Wir hatten viel Spaß zusammen. Dafür muss ich nicht nur Hugh loben, sondern auch Shawn Levy, dass er uns diesen Freiraum gegeben hat. Wir hatten jede Freiheit zu tun, was wir wollen. Und Dakota (Goyo) ist ein ganz außergewöhnlicher Junge. Man trifft in diesem Geschäft auf viele Kids, die sehr von sich eingenommen sind und Erwachsene herumkommandieren wie die Großen. Dakota ist das alles anscheinend nicht zu Kopf gestiegen. Er ist Kind geblieben. Am liebsten habe ich ihn dabei beobachtet, wie er sich in den Drehpausen jedes greifbare technische Gadget oder auch einen Roboter geschnappt und damit gespielt hat. Er ist dann in seiner eigenen Welt, im Land seiner Fantasie. Ich habe mich jedes Mal gefragt: „Wo bist du gerade, Dakota?“ Im Gegensatz zu uns Erwachsenen ist es ihm noch egal, ob ihm jemand zusieht und ob er cool wirkt. Er bemerkt das gar nicht. Dakota ist wunderbar unbedarft und offen. Aber wenn Shawn ihm dann eine Regieanweisung gibt, wirkt er auf einmal wie ein 45-jähriger, erfahrener Schauspieler. Dann stellt er Fragen, auf die ich nicht mal kommen würde, und macht sich Notizen. Er lässt sich nicht einschüchtern und ist nicht nur ein hinreißender kleiner Junge, sondern auch ein talentierter Schauspieler.

Warum ist gerade Boxen ein so beliebter Sport, was glauben Sie?

Das frage ich mich auch, ich bin nämlich kein Box-Fan. Boxen ist wohl einfach die elegantere, niveauvollere Form einer Prügelei zwischen zwei Typen. Viele betrachten klassisches Boxen ja nicht nur als Sport, sondern als eine Kunst oder eine Wissenschaft. Das vermittelt auch REAL STEEL. Fans bewundern die Körperbeherrschung des Boxers, dass sich jemand derart unter Kontrolle hat – nicht nur seinen Körper, sondern auch den Geist. Alles ist eins. Dass Boxer ihre Körper zugleich schinden und in Ehren halten, das hat schon etwas Verrücktes, aber auch sehr Faszinierendes. Es gibt nicht viele echte Boxer auf der Welt. Radschlagen oder einen Ball kicken können viele. Aber stellt uns vor einen Punchingball und wir fühlen uns wie linkische Trottel. Boxen ist ein elitärer, komplizierter Sport.

Erzählen Sie uns mehr über den Stil und die Sets von REAL STEEL.

Shawn (Levy) hat mir netterweise einige Szenen gezeigt, die aus großen Box-Fights zusammengeschnitten wurden. Ich bin, wie gesagt, kein Fan, habe aber trotzdem total mit gefiebert. Die gewaltigen Sets, die ausgetüftelten Roboter, die großartigen Statisten – das alles macht den Film so mitreißend. Wir haben in der alten Model T Ford-Fabrik in Detroit gedreht, da ist es sowieso schon ganz schön unheimlich. Das ganze Gebäude war rappelvoll mit tobenden Schlägertypen, sie drängten sich über mehrere Stockwerke, und dazu noch diese schummerige Beleuchtung – das sah so richtig nach Unterwelt aus. Dann gab es diesen Mords-Fight zwischen zwei Robotern, in einem Ring aus Eisenketten. So etwas hat man noch nie gesehen. Unser Kameramann Mauro Fiore, der auch das Licht setzt, hat das Szenario aussehen lassen wie ein Polaroid oder einen Comic – und das sind immerhin zwei völlig verschiedene Dinge: Das eine ist rau und absolut realistisch, das andere stilisiert und überhöht. Mauro hat beides kombiniert, und das Ergebnis ist eine wahre Augenweide. Diese Ästhetik zieht sich durch den ganzen Film. Er sieht toll aus und macht einfach Spaß.

Welche Zielgruppe spricht der Film an?

REAL STEEL ist ein Abenteuer und eine Vater-Sohn-Geschichte. Dann geht es noch um einen Jungen und seinen Roboter – das volle Programm also. Jeder kann mit REAL STEEL etwas anfangen.

Worauf freuen Sie sich ganz besonders, wenn Sie den fertigen Film jetzt zum ersten Mal sehen?

Ich bin sehr gespannt auf den großen Kampf am Schluss. Da geht es um alles oder nichts. Alle Hoffnungen ruhen auf diesem einen Kampf, auf den alle so hart hingearbeitet haben. Ich kann es kaum erwarten, das auf der großen Leinwand zu sehen.

REAL STEEL ist ab dem 3. November in den deutschen Kinos zu sehen.

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