Fenster zum Sommer – Thriller im Kino
Ein virulenter und formidabler Thriller und um Sehnsucht, Schmerz Liebe und Trauer: An einem schönen Sommertag, irgendwo im Nirgendwo Finnlands. Mit ihrem neuen Partner August (Mark Waschke) schwebt Juliane (Nina Hoss) im Auto über den einsamen Straßen von Berlin in ihre alte Heimat Finnland. Abends nickt sie noch an der Schulter ihres Geliebten ein, um morgens völlig erschreckt im verschneiten und kalten Berlin aufzuwachen. Haben wir Winter?“, monologisiert sie unvermittelt und unverständlich. Und fuhr sie nicht erst gestern mit August auf langen Straßen entlang der nimmer endenden Waldränder in eine wunderbare, romantische Sommernacht? Und lagen sie nicht zärtlich zusammen am Waldsee? Völlig konsterniert realisiert Juliane, dass sie gute sechs Monate auf der Zeitachse zurückgeworfen wurde. Und das just in jene neuralgische Phase, in der sie noch mit ihrem langjährigen Ex- Philipp (Lars Eidinger) „zusammen“ ist. August hatte zu diesem Zeitpunkt weder Namen noch Gestalt. Noch grausamer schießt ihr ein anderer Gedanke durch den Kopf: Ihre im Mai überfahrene Freundin Emily (wunderbar erfrischend: Fritzi Haberlandt) lebt ja noch! Sie aber will ihre neue Liebe wieder sehen, um jeden Preis, also handelt sie manisch genau wie vorher, und muß vor allem dabei die quirlige und gutherzige Emily vor ihrem grausigen Schicksal retten…
Verständlicher als Sandra Bullock in „Die Vorahnung“, ist in diesem kühl kalkulierten und hochglanzfotografierten Déja Vu- Drama alles Gesehene und Geschehene nachvollziehbar. Die mit Filmpreisen hochdekorierte Nina Hoss gibt dabei die Zermürbte, Zerrissene und Zerstörte in einer professionellen und perfekten Performance. Als Grazie mit feinem Gespür, im zermürbenden Antagonismus von Verstehen und Verinnerlichen, Empfinden und Erklären. Denn „Liebe“ in all seinen feinen Nuancierungen kann frau/man weder detailliert erläutern noch erhellen, sondern nur fühlen. Der kaschierte Seelentrip erwächst alsbald zum psychotischen Menuett auf dem Vulkan. Mit viel Liebe zum mimischen Detail konterkariert dagegen Nina Hoss` authentische Präsenz in Reinkultur. Sie adelt so den ohnehin ungewöhnlichen Exkurs in die filigrane Psyche einer sensiblen und sensitiven jungen Frau. Und Hendrik Handloegten bringt ihre filmische Attitüde auf den Punkt: „Sich beim Leben zu betrachten, alles selbst zu erfahren, und dabei doch nur zuzusehen – diesen Traum hat man ganz selten, wenn man viel Glück hat. Oder man geht ins Kino.“ Ein guter ratschlag, denn dieses außergewöhnliche Liebesdrama mit emphatisch agierenden Protagonisten ist sicherlich kein reiner „Frauenfilm“ oder ein Film ausschließlich für die Damenwelt, auch wenn der erste Blick darauf hindeutet. Insbesondere die noch lange nicht geklärte Déjà -Vu-Thematik, immer noch ein unlösbares Rätsel für die Wissenschaft wird hier auf dramatische Weise fokussiert.
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Fenster zum Sommer – Thriller im Kino wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »













