Finnischer Tango
Fernsehfilme wie „Bobby“ mit dem am Down-Syndrom erkrankten Bobby Brederlow haben den Weg geebnet für Filme, die selbstverständlich auch Schauspieler mit geistigen oder körperlichen Handicaps in den Mittelpunkt stellen. Was auf der Theaterbühne und mit Ensemblen wie dem RambaZamba-Theater in Berlin schon seit Jahren möglich ist, hält nun nach und nach auch Einzug auf die Kinoleinwand. Nele Winkler, die ebenfalls mit dem Down-Syndrom geborene Tochter der Schauspielerin Angela Winkler, seit Jahren Mitglied bei RambaZamba, ist nun in „Finnischer Tango“ das erste Mal im Kino zu sehen. Sie spielt eine autobiografisch gefärbte Rolle einer jungen Frau, die an Theaterprojekten für Behinderte teilnimmt und zusammen mit dem an Multiple Sklerose erkrankten Rudolf, dem an den Rollstuhl gefesselten Clark und ihrer Betreuerin Lotte zusammenlebt. Der Musiker Alex, der eine Konkurrenzband um ein kleines Vermögen gebracht hat und nach dem Selbstmord seines besten Freundes ziellos durchs Leben taumelt, sucht in der kleinen Kommune Unterschlupf. Um sich vor der Rache der erbosten Hardrocker zu schützen, mimt er einen Epileptiker und bekommt so Obdach gewährt. Und damit fangen leider auch die Probleme von Buket Alakus’ („Eine andere Liga“) Film an. Wie schon Anno Saul in „Wo ist Fred?“ macht sie sich leider über Behinderte lustig, schlachtet das „erste Mal“ von Nele Winkler in der Rolle der Marilyn für platte Gags aus und verspielt so die guten Ansätze, die durchaus vorhanden sind. Zudem leidet der Film unter einer wirren Dramaturgie, die man viel eher bei einem Debütregisseur als bei einer bereits etablierten Filmemacherin erwartet hätte. Das sorgt für so manchen peinlichen Moment, der gerade einem Film mit einer derart sensiblen Thematik alles andere als gut zu Gesicht steht. Nur mit reichlich Augenzudrücken zu ertragen.
D 2008. Regie: Buket Alakus. Buch: Marcus Hertneck, Jan Berger. Musik: Christoph Blaser, Steffen Kahles. Kamera: Daniela Knapp. Produktion: Geisberg Studios, Pinguin Film, NDR. Mit: Christoph Bach, Mira Bartuschek, Fabian Busch, Nele Winkler, Michael Schumacher, Daniel Zillmann, Ralf Richter. Neue Visionen. 90 Min. Ab 28. August 2008 im Kino.
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