Kairo 678
Ein arabischer Frühling, der sich für Frauen in Ägypten immer noch mittelalterlich darbietet. Fayza wird tagtäglich im überfüllten Bus drangsaliert, Seba gleich von mehreren vergewaltigt und Nelly kam gerade noch mit ihrem Leben davon. Drei starke Frauen aus konträrstem Milieu unter testosterongesteuerten Schwachmaten in Ägypten. Völlig konträr reagieren die Frauen, die nicht mehr Opfer sein wollen – die eine zieht vor Gericht, die andere das Messer … Mit viel Einfühlungsvermögen nähert sich Diab seinem heiklen Thema, erzählt von einer gnadenlos machoiden Männergesellschaft und Frauen, die sich gegen traditionelle Roh-Rollenmuster endlich zur Wehr setzen. Drei unerträglich authentische Schicksale von sexueller Gewalt, die der junge Filmemacher Mohamed Diab in bedrückende und beeindruckende Bilder bannt, die von allen Soßen voyeuristischer Agitation entfettet bleiben. Krass, klischeebefreit, und katastrophal fokussiert dieses nachdenkliche Dramenjuwel ein tragisches Tabuthema im Frauen verachtenden arabischen Dauerwinter.
Drehbuchautor und Regie-Senkrechtstarter Mohamed Diab greift in seinem Regiedebüt das in Ägypten tabuisierte Thema sexueller Belästigung auf. Er erzählt von drei Frauen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, die sich nicht länger mit männlichen Übergriffen abfinden wollen.
Beim Dubai International Film Festival 2010 wurden Boshra als Beste Schauspielerin, Maged El Kedwany als Bester Schauspieler ausgezeichnet.[5] 2011 gewann „Kairo 678“ beim Chicago International Film Festival den Silver Hugo als Bester Langfilm sowie Maged El Kedwany als Bester Schauspieler.[6] Ebenfalls 2011 erhielt Nahed El Sebaï den Preis als Beste Schauspielerin der Asia Pacific Screen Awards, außerdem wurde der Film dort mit dem großen Preis der Jury ausgezeichnet Die Diskriminierung hat in Ägypten tradition und ist in allen Gesellschaftsschichten manifestiert. Ägyptischen Mädchen wird aus Kostengründen die schulische Ausbildung oft vorenthalten. Das staatliche Gesundheitssystem bleibt vielen Frauen ebenso vorenthalten, da sie nicht im Besitz einer Geburtsurkunde oder eines Personalausweises sind. Als fast kriminelle Konsequenz werden viele Mädchen schon vor dem gesetzlichen Alter von mindestens 16 Jahren verheiratet, nicht selten auch gegen ihren Willen. In der ärmeren Unterschicht Ägyptens sind bis zu 12% der Frauen auch Analphabeten. Die Einwohnerzahl Ägyptens beträgt 63 Millionen Menschen, mehr als die Hälfte davon sind Frauen. 49 Prozent der 20 – 39 jährigen Frauen sind berufstätig. Während Männer im erwerbsfähigen Alter zu insgesamt 77 Prozent den sogenannten etablierten Berufen nachgehen, sind es über diesen gesamten Zeitraum nur 27 Prozent der Frauen.
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