King of Devil’s Island
Ein bemerkenswertes Stück Kino in bleiernen Bildern, die unter die haut gehen. Einer von vielen eiseskalten norwegischer Wintern im frühen 20. Jahrhundert: Auf der Gefängnisinsel Bastøy bei den Fjorden von Oslo lebt eine Gruppe straffälliger Jungen unter dem strengen Regime des Anstaltsleiters Hakon (genial: Stellan Skarsgard). Die unmenschlichen Torturen, unter denen sie hier heranwachsen, prägen die Jungen, machen sie hart. Zugleich schweißt das eintönige Leben auf Bastøy die als schwer erziehbar geltenden Adoleszenten zusammen. Sie schmieden sich in der höchsten Not zur rebellischen Einheit zusammen, zumal einer der Eleven missbraucht wurde, und anschließend Selbstmord beging. Eines Tages jedoch kommt Erling auf die Insel, für den seine eigenen Regeln gelten. Er beugt sich dem brutalen Regime nicht und stachelt seine Mithäftlinge zur blutigen Revolte an. Nach authentischen Begebenheiten, und das ist gerade das furchtbare an diesem Thema, fokussierte Regisseur Marius Holst sensitiv und eindringlich das präzise Portrait einer verlorenen und vergessenen Jugend, die zur falschen Zeit im falschen land lebten. Eindrucksvolle Charaktere, karge Landschaftspanoramen und ein furioses Finale (Jugend gegen Militär), das im Kopf haften bleibt. Wie haben Sie von dem Heim auf der Insel Bastøy erfahren? Der Regisseur dazu: Ich bin in Oslo aufgewachsen, ein paar Wegstunden von der Insel entfernt, auf der sich das Heim befand. Ich habe also schon als Kind von seiner Existenz erfahren. Man sprach darüber allerdings eher wie von einem sagenumwobenen, mythischen Ort, über den man ansonsten nicht viel Konkretes wusste. Mein Interesse für diese Anstalt wurde im Grunde erst durch ein Gespräch mit einem älteren Herrn geweckt, der seinerzeit dort untergebracht war. Daraufhin habe ich begonnen über das Heim zu recherchieren und fand, dass das ein spannender Filmstoff wäre. Denn selbst wenn nur wenige Details über die Vergangenheit dieser Insel bekannt sind, so ist sie doch von einer gewissen Aura umgeben. Und dieses einzigartige Aura wurde belohnt. Der NDR Spielfilmpreis der 53. Nordischen Filmtage Lübeck ging an “King of Devil’s Island”. In der Laudatio heißt es: Die Jury lobte, dass der Film auf der Basis der Rekonstruktion historischer Fakten große Themen der Menschheitsgeschichte mit aktueller politischer Bedeutung aufarbeite: “King of Devil’s Island ist ein fesselndes Kinoerlebnis von großer erzählerischer Wucht”, lautete das Fazit der Jury, die sich aus Schauspielern, Produzenten und Redakteuren aus Deutschland und Skandinavien rekrutierte. Nicht umsonst ist diese dramatische Tragödie einer der erfolgreichsten norwegischen Filme der letzten Jahre: er lockte mehr als300.000 Kino- Zuschauer in die Lichtspielhäuser und wurde mit dem norwegischen Filmpreis „Amanda“ für den besten Film, die beste Musik und für den besten Nebendarsteller (Trond Nilssen) belohnt.
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King of Devil’s Island wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »












