Married Life
Liebe, Lust und Leiche: In der Liebe und im Krieg, heißt es so schön, ist alles erlaubt. Der New Yorker Regisseur Ira Sachs will dabei sogar über eine Frauenleiche gehen. Kann denn Töten Sünde sein, besonders wenn es aus ehelicher Liebe geschieht? Diese grotesken Gretchenfrage beantwortet die rabenschwarze Beziehungs-Komödie mit Witz und Esprit. Bond-Beau Pierce Brosnan und Charakterikone Chris Cooper („Capote“) auf Freiersfüßen garantieren als Männer mit Herz (vor allem unterhalb der Gürtellinie) einen satirischen Filmspaß mit absurden Absichten, witzigen Dialogen und unerwarteten Wendungen: Darum prüfe, wer sich ewig bindet…
Soviel liebenswerter Altruismus ist schon unheimlich. Um seiner Holden den Trennungsschmerz zu ersparen, soll sie kurzerhand vergiftet werden. Dabei ist eigentlich alles ok. Harry (Oscarpreisträger Chris Cooper) und Pat (Patricia Clarkson) führen eine tolle Ehe bis ans Lebensende – könnte man meinen. Aber der alternde Geschäftsmann verschießt sich in die viel jüngere Wasserstoff-Blondine Kay (Rachel McAdams) verliebt. Die konventionelle Scheidung kommt für den fürsorglichen Gatten nicht in Frage. Die labile Gattin könnte sich zu sehr grämen. Seinen ungerechten Liebesschmerz offenbart Harry seinem besten Freund Richard (Pierce Brosnan). Als Richard im Verlauf dieses Treffens das Nymphchen Kay erblickt, ist es auch um ihn geschehen. Also also bemüht sich der smarte Nebenbuhler intensiv, die maroden Ehebanden zwischen zwischen Freund und Frau zu festigen, um selbst bei Kay zu landen. Wer zu wem findet, oder auch nicht, fokussiert Sachs in einer köstlichen Menage à quatre mit heillosem Humor.
Diese Szenen einer Ehe transportiert das überzeugende Enselmble mit süffisanter Ironie und bizarrer Tragik par excellence. Die besondere filmische Leitung besteht ebenso darin, ein Hollywood-Universum der 50iger Jahre so perfekt zu revitalisieren, daß auch noch die inhaltliche Gratwanderung zwischen dem gesellschaftlichen Konflikt und der persönlichen “Mords”geschichte glaubhaft gestaltet wird. Einfach authentisch wie überzeugend. Realistisch überzeugend anderseits Dekor und Setting: Minutiös achtete Sachs, der in Personalunion auch drehbuch und Produktion übernahm, auf die Perfektion beim Casting, Design, Köstümen und den Soundtrack. Das ist Kino mit Herz, Hirn und heilloser Unterhaltung. Autor John Birmingham, der die Vorlage mit “Fünf Kurven in den Himmel” mag sich über die Adaption freuen: Das diabolische Szenario der Erotomanen, Egozentriker und Egoisten “terrorisiert” mit Tiefe und Substanz.
Substanz hat auch der Independent-Filmer Ira Sachs („Forty Shades Of The Blue“) mit dieser morbiden Persiflage über Liebe und die unerreichbare Kunst, zu lieben. Gleichzeitig ist diese brilliant besetzte Hommage an den Film Noir der frühen Fünfziger und eine Parabel über Wahn und Wahrheit. Billy Wilder, Francois Truffaut und Alfred Hitchcock grüßen augenzwinkernd. Bindet.
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Married Life wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »












